Not und heile Welt leigen dicht zusammen in Kamboscha auch in unserer Strasse
Wir wohnen in einer kleinen, ruhigen Strasse ohne Namen. Die Gegend ist eine etwas bessere hier in Sihanoukville, hier wohnen normalerweise Leute die einen guten Job haben, höhere Polizeibeamte und ein paar Ausländer mit denen ich aber keinen Kontakt pflege. Vorne an der Ecke steht das grösste Haus der Gegend, da wohnt der oberste Polizeikommandeur von ganz Sihanoukville. Dann kommt ein Haus das weiss ich nicht was das für Leute sind und dann kommt mein erster direkter Nachbar, ein älterer Schotte mit junger kambodschanischer Frau. Mein Nachbar auf der anderen Seite ist wieder ein Eingeborener der eine höhere Position bei einer Bank bekleidet und danach kommt das Haus von der Familie mit der sich langsam eine freundschaftliche Beziehung aufbaut, das heisst mein Sohn und meine Frau bauen diese Beziehung auf.
Waschechte Kambodschaner, Mann, Frau, drei Kinder und die Mutter der Frau wohnen in einem für diese Gegend einfachem Holzhaus mit einem kleinen Laden in der Eingangstür in dem man Zigaretten, Kartoffelchips und Seife kaufen kann. Er ist Polizeibeamter und seine Frau mit ihrer Mutter bewirtschaften den kleinen Laden. Sie haben zwei Mädchen, so etwa um die 10 bis 12 Jahre alt und ein Junge der auch ein paar Jahre älter ist als mein Sohn. Mein Sohn ist mittlerweile wie das vierte Kind in dieser Familie und meine Frau geht seit ein paar Tagen jeden Nachmittag mit dem ganzen Clan joggen. Der Mann hat 25 Jahre in Thailand beim Militär gediehnt und spricht idealerweise Thai, so kann ich mich wenigstens in dieser Sprache mit ihm unterhalten und meine Frau sowiso. Alle drei Kinder besuche 6 mal in der Woche am Nachmittag eine Englischsprachschule (ich hab mir sagen lassen, das die Englischstunde 5,- $ kostet). Sprachliche Barrieren mit den Kindern gibt es also keine und häufig müssen sie für uns übersetzen.
Ich kenne so liebe und wohlerzogene Kinder nur hier aus Asian weil in Deutschland auf der Strasse trifft man soetwas nicht mehr an. Ich war gestern bis ins tiefste gerührt als die beiden Mädchen meinem Sohn einen extra für ihn gebastelten Drachen geschenkt haben. Ich habe mir das ding mal angesehen und bin immernoch mehr als beeindruckt wie die Mädchen aus Holzstäben, einer Plastiktüte, Gummibändern und einer Rolle Zwirn, mit unglaublicher Fingerfertigkeit diesen kleinen, voll funktionstüchtigen Drachen gebastelt haben. Wo gibt es das noch in Deutschland in der heutigen Zeit, das Kinder nicht vor dem Videospiel oder dem DVD-Spieler sitzen, sondern für ein anderes Kind aus einfachsten Mitteln ein Geschenk basteln. Irgendwie heile Welt!
Es gab aber in der letzten Woche auch ein trauriges Ereignis in unserer kleinen Strasse. Wir kamen gerade vom Einkaufen und hatten vor dem Haus noch ein paar Nettigkeiten mit den Nachbarn ausgetauscht, als plötzlich ein unverkennbares Geräusch die friedliche Atmosphäre durchbrach. Ihr kennt das bestimmt, diese unverwechselbare Geräusch wenn ein Unfall geschieht und man weiss, ohne hinzusehen das etwas schlimmes passiert ist. Ein paar Häuser neben unseren erwähnten Nachbarn ist soetwas wie eine christliche Missionsstation (christen treiben wirklich überall ihr unwesen). In dieser Station halten sich immer viele Kinder auf die dort wohl betreut werden. Wir haben es so schnell nicht sehen können, jedenfalls hat ein Teenager mit einem Mofa einen etwas jüngeren Jungen umgefahren. Der arme umgefahrene Junge ist so stark mit dem Kopf auf den Boden geschlagen das er sofort das Bewustsein verloren hat und als ich rennend an der Unfallstelle ankam hatte sich bereits eine, für mein dafürhalten, bedenkliche Blutlache unter seinem Kopf gebildet. Sofort waren alle Menschen aus der Mission und aus den umliegenden Häusern am Unfallort versammelt. Grosses Geschrei und Gezeter, bis sie den leblosen Körper zwichen zwei Personen eingeklemmt auf einem Mofa wohl ins Krankenhaus gefahren haben. Warum kein Krankenwagen gerufen wurde kann ich nur vermuten, wahrscheinlich ist der Junge aus einer armen Familie und die haben kein Geld für derartige Rettungsmassnahmen.
Ob der Junge es überlebt hat wissen wir noch nicht, ich werde aber versuchen es in Erfahrung zu bringen. Heile Welt und Not liegen in Kambodscha dicht nebeneinander, auch in unserer Strasse.
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