Das Bücherschiff Doulos in Sihanouk Ville

Das Bücherschiff Doulos

Das Bücherschiff Doulos

Seit einigen Tagen und nicht zum ersten Mal liegt das Bücherschiff Doulos im Hafen von Sihanoukville vor Anker. Der Teil der Bevölkerung, der des Lesens mächtig ist, ist in heller Aufregung. Ein riesengroßes, schönes, weißes Schiff welches laut Werbeslogan Wissen, Hilfe und Hoffnung bringt und ihr werdet es euch denken können, natürlich im Auftrag des heiligen Geistes. Also bin ich mit meiner Familie am Samstag Vormittag, als es gerade mal nicht geregnet hat, zum Hafen gefahren um an diesem seltenen literarischem Ereignis teilzuhaben. Nach einem ellenlangen Marsch übers Hafengelände vom Parkplatz zum Pier standen wir dann endlich vor diesem Imposanten Schiff und es kam mir unweigerlich die Frage in den Sinn, wie sich so ein riesiges Schiff eigentlich finanziert, ich meine rein karitativ gesehen.

Oben an Deck angekommen fanden wir einen riesengroßen, gut besuchten Bücherladen vor, dem es an nichts fehlte. Im Angebot sind nagelneue Bücher in englischer Sprache sauber nach Themen in Regale einsortiert, Musik CD’s und Souvenirs. Alles wird in einem verwirrenden Punktesystem abgerechnet (100 Punkte = 2,50 $). Ich hatte mir Vorgenommen eine kleine Grundausstattung an Lehr- und Sachbücher für unseren Sohn zu erstehen und habe auch sofort einen gebundenes Englisch Wörterbuch in der Hand gehabt. Auf dem Preisschild konnte ich (ohne Brille) eine Acht und zwei Nullen erkennen, woraus ich geschlossen habe, das das Buch 8 $ kostet. Alles Paletti habe ich gedacht, das Wörterbuch in den Korb geschmissen und meinem erwachten Kaufrausch freien Lauf gelassen.

Weltatlas, Der menschliche Körper, Mahlbücher mit Sinn u.s.w. bis ich auf diese deutsche Mitarbeiterin traf. Ich wollte nach einer Weltkarte fragen und auf einmal sprach sie Deutsch mit mir. Diese junge Dame hat mir dann erklärt das die 800 auf dem Preisschild nicht 8 $ bedeuten sonder 800 Punkte, also 20 $. Jetzt sah der Fall schon ganz anders aus, mein Korb war voll und ich konnte nur erahnen wieviel tausend Punkte ich da eingesammelt habe. Mein Kaufrausch hatte ein abruptes Ende um den Schiff fahrenden Bibelbrüdern und Schwestern nicht noch weiter auf den Leim zu gehen. Mit einer Abschlussrechnung von knapp unter 100 $ und den Büchern haben wir dann das Piratenschiff lebend verlassen.

Wissen, Hilfe und Hoffnung bringen sie, steht auf ihrer Fahne. Fahren die ganze Zeit auf einem recht komfortablen Boot in warmen Gewässern von Land zu Land und verscherbeln ihre Bücher zu Preisen wie in deutschen Kaufhäusern. Was sind das für Heilige? Hier in Kambodscha wo viele Menschen garnicht lesen können, geschweige denn 20 $ für ein Englisch Wörterbuch ausgeben können hat man das Ziel wohl etwas verfehlt. Der Laden war selbstverständlich gut besucht mit jungen Kambodschanern und Familien aber was konnten die da kaufen? Ich habe gesehen das sich die meisten nur die billigen, dünnen Hefte für 2 $ gekauft haben, wo mit Sicherheit nicht viel Wissen drin ist und auch keine Hilfe aber mit der Hoffnung lässt sich bekanntlich ja gutes Geschäft machen.

Wenn ihr mir nicht glaubt seht selber auf der Doulos Werbewebseite für Vergnügungsfahrten im Namen des Herrn, Amen!

Posted in Sihanoukville.

5 Comments

  1. Religion ist ein tolles Geschäft. Was hier die buddhistischen Priester/Wahrsager immer für dicke Geldrollen in der Tasche haben, toll.
    Und amerikanische Christen haben eine riesige Protzkriche im roemischen Stil in die Schlichthausnachbarschaft in Taipei gesetzt. Sieht aber wenigstens hübsch aus das Ding. Nun denke ich, wenn die Spenden sammeln, geben sie das Geld wohl ehr für einen neuen schwarzen Mercedes und Mamorfussböden aus als für Bedürftige. Da behalte ich mein Geld lieber…

  2. Guten Abend, Aus Holland.

    Normaler weise reagiere ich nicht auf auf Berichte die ich im Internet finde, aber jetz muss ich doch eine Ausnahme machen.
    Die Doulos ist ein Schiff aus 1914. Das Alteste Schiff was noch als Passagierschiff in die Weld rundfahrt. Vom Vergnuegungsfahrten ist hier aber keine Sprache! Die bemannung ist eine Crew vom 350 (junge)Freiwilliger die mit Spenden vom Familie und Kirche das Schiff Fahren lassen. Es tut mir leit das Sie nicht im gespräch mit Ihrem Landsmann gegangen sind. Sie hat Ihnen wahrscheinlich mit viel freude erklärt was Sie tun und warum Sie es Tun.
    Ich war in Februar zusammen mit meine Frau für 2 Wochen an bord dieses Schiff auf besuch bei unserem Sohn der 2 Jahre auf die Doulos mitfahrt. Ich habe gesehen wie die Junge leute, oft mit 3 Personen in eine kleine „hutte“ geschlafen und ohne privacie gewohnt haben.
    Ich weiss nicht was oder warum Sie in Kambodscha sind aber Sie können es wahrscheinlich mit eigene Augen sehen das es noch viel Armut gibt und das noch viel Hilfe nötig ist.
    Für weitere Informationenen sehenen sie bitte auf die website von die Doulos http://www.doulos.org

    Hans Kromkamp

  3. Geehrter Herr Kromkamp aus Holland, ich gebe ihnen recht, das Schiff ist wunderschoen. Das die jungen Leute dort in zu dritt in kleinen Kabinen schlafen muessen habe sie sich ja selber ausgesucht, es wird ja wohl niemand gezwungen mitzufahren. Ist wahrscheinlich ein tolles Abenteuer fuer die.

    Was sich meinem Verstaendnis entzieht ist was dieses Schiff und seine Besatzung der Armut in Kambodscha hilft wenn sie hier teure Buecher verkaufen wollen die sich die Menschen die es brauchen garnicht leisten koennen.

    Von Hilfe kann da nicht die Rede sein vielmehr wird hier nur die Abenteuerlust der jungen Leute gestillt die da gegen Entgeld mitfahren. Nachdem was ich gesehen habe halte ich das ganze fuer eine Mogelpackung.

    Don Kong.

  4. Komischerweise ist die Doulus Werbewebseite von damals nun eine andere, scheint in Kambodscha kein Geschäft von Bestand gewesen zu sein.

  5. Wer im Internet etwas „nachforscht“ stoesst nicht gerade auf positive Meinungen ueber das Vorgehen der Doulos-Gesellschaft. Dies nicht nur in Kambodscha sondern Weltweit!

    Wie leider bei vielen solcher selbsternannten Hilfsorganisationen, stimmt das das Kosten/Nutzen Verhaeltniss absolut nicht. Sinn und Zweck des Ganzen sollte eigentlich sein, Leuten in 3 Welt-Laendern Buecher und Lernmaterial zu liefern. Dieses Material wird Grundsaetzlich gespendet und kostet die Organisation NICHTS. Ebenso die Unterhaltung und Arbeitskraefte, die von Freiwilligen wie berichtet bestritten wird, die meist noch fuer ihre Arbeit ZAHLEN. Normal muessten die Buecher KOSTENLOS bis sehr billig verteilt werden. Die Preise sind dann aber wundersamerweise so hoch, das man sich die gewuenschten Buecher locker bei AMAZON.com bestellen kann.

    Was mit dem vereinnahmten Geld letztendlich passiert, kann man nur unangenehmerweise vermuten.
    Hier kann man z.B. nachlesen wie so etwas gehandhabt wird.

    http://www.thailandtip.de/tip-zeitung/nachrichten/news/von-heimischen-absahnern-und-auslaendischen-maden-im-speck//back/122/

    Es geht aber auch anders. Es gibt ein Buchhaendler namens Boston Books in Phnom Penh der wechselnd in verschiedenen Einkaufscentern fuer einige Tage oder Wochen seine Staende aufbaut und dort gebrauchte Buecher zu sehr guenstigen Preisen verkauft. Ab 2000 Riel fuer Kinderbuecher, Ab 1 US$ fuer Paperbacks, Fachbuecher, Kochbuecher und Artbooks in der Regel 4-5 US$. Gerade in Punkto Lehr und Fachbuecher ist die Auswahl ueberdurchschnittlich gut. Auch der Zustand der Buecher ist in der Regel sehr gut und es ist viel Neuware dabei. Ein Grossteil der Buecher ist in Englisch, aber man findet auch Deutsche, Franzoesische und Italienische Buecher. Man sollte nur viel Zeit mitbringen, da man alles durchstoebern muss.

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