Kambodschanische Flagge vor blauem Himmel.

Die Jungelfrau von Ratanakkiri

Die Jungelfrau hat meine Aufmerksamkeit auf die abgelegendste, nordöstlichste und aus meiner Sicht interessanteste Provinz Kambodschas gelenkt. In dieser Provinz mit dem Namen Ratanakkiri hat sich 1989 das Mädchen, Rochom P’ngieng im zarten Alter von 8 Jahren einfach auf den Weg in den Jungel gemacht obwohl sie auf die Wasserbüffel aufgepassen sollte. 18 Jahre später, im Jannuar 2007 wurde das Mädel, welches inzwichen zu einer echten, wilden Jungelfrau herrangereift ist, von ein paar Dorfbewohnern wiedergesehen und eingefangen. Sie war nackt, dreckig und konnte nur Tierlaute von sich geben.

Nachdem nun Rochom P’ngieng über 3 Jahre mehr oder weniger wieder in der Umgebung gelebt hatte aus der sie vor langer Zeit verschwunden/entflohen ist und man auch bemüht war sie wieder an ein halbwegs zivilisierten Lebensstyl zu gewöhnen, hatte sie vom Dorfleben die Schnauze wohl wieder voll gehabt und ist laut Angaben vom Sydney Morning Herald am vergangenen Dienstag erneut im dichten Jungel von Ratanakkiri verschwunden. Nach Aussagen der Eingeborenen soll ein Walddämon für ihr sonderbares Verhalten verantwortlich sein und genau diese Vermutung halte auch ich für am wahrscheinlichsten (lol).

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Zurück zur Provinz Ratanakkiri, wo 80% der Bevölkerung aus ethnischen Minderheiten besteht die alle eine eigene Kultur und Sprache haben. Dort leben Stämme wie die Charai, Kaco, Tampuan, Kreung und Brau, alles Namen wie ich sie noch nie gehört habe. Ist das nicht der Wahnsinn? Weiterhin tummeln sich in dieser exotischen Ecke, die übrigens dicht an der vietnamesischen Grenze gelegen ist, Chinesen, Laoten und Vietnamesen. Ich frage mich ob das die Gegend ist in der Marlon Brando als Colonel Walter E. Kurtz in dem Film Apocalypse Now (1979) zum Ende hin sinnschwere Wortfratzen vor sich hin gesabbert hat. Übrigens ein Film den ich damals als er rausgekommen ist, trotzdem ich noch nicht das Mindestalter erreicht hatte, mit meinem Vater und einem Freund im Kino gesehen hatte und der mich irgendwie bis heute verfolgt hat, ihr seht ja wo ich gelandet bin.

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Was mich jedoch am allermeisten an Ratanakkiri reizt ist, das es dort wohl noch weite Landstriche mit dichtem Jungel geben muss (auf Google Earth sieht man einen dichten grünen Teppich). Etwas was ich hier in unserer Provinz, Kampong Som vermisse. Es soll dort auch noch freilebende Elefanten geben was man wohl dem glücklichen Umstand zurechnen muss, das Ratanakkiri die am dünnsten besiedelte Provinz in ganz Kambodscha ist, schön das es sowas noch gibt. Die Überlegungen meiner Frau und mir gingen bereits soweit, das wir in den nächsten grossen Ferien eine Tour dorthin in Betracht gezogen haben. Wir könnten dort Kontakt mit den Eingeborenen aufnehmen, vielleicht zeigt man mir ja wie mit Pfeil und Bogen oder mit dem Blasrohr gejagt wird und wer weiss vielleicht ruft uns ja auch der Walddämon in den Jungel dann schreibe ich euch so in 18 bis 20 Jahren wie es gewesen ist.

Hier ein schöner Videoclip aus dem Jahr 2008 mit Bildern die ein paar Eindrücke von Leben in Ratanakkiri vermitteln.

Posted in Kambodscha.

6 Comments

  1. Das Dschungelmädchen hat in den letzten drei Jahren wohl immer wieder versucht, zurück in die Wildnis zu fliehen. Angeblich wurde sie 2009 auch für vier Tage wegen psychischer Auffälligkeiten in einem Krankenhaus festgehalten.
    Schätze, sie lebt jetzt wieder glücklich im Dschungel und wird um die Menschen in Zukunft einen weiten Bogen machen. Recht so, man sollte sie in Ruhe lassen.
    Diese beiden Provinzen im Nordosten halte ich auch für extrem reizvoll! Bei meinem letzten Kambodschaaufenthalt hab ich mich extra mit schweren Trekkingstiefeln abgeschleppt, um dorthin einen Trip zu machen. Hat irgendwie nicht geklappt, vielleicht beim nächsten Mal.
    Leider würde man dort vergeblich nach den Spuren von Colonel Kurtz suchen. „Apocalypse Now“ gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Aber zu meiner leichten Enttäuschung mußte ich feststellen, daß Coppola vorwiegend auf den Philippinen und in der Dominikanischen Republik gedreht hat. Zur Zeit der Aufnahmen 1976 waren die Roten Khmer voll im Gange, da gab’s kaum sicher kaum Drehgenehmigungen an Originalschauplätzen…
    Wobei die auch teilweise fiktiv sind, den Nung River gibt es nicht wirklich. Dagegen gibt es für Colonel Kurtz gleich zwei Vorlagen. Die literarische, der Kurtz aus der Romanvorlage „Heart of Darkness“ von Joseph Conrad und einen echten Warlord. Der hieß Anthony Poshepny bzw. Tony Poe und führte während des Vietnamkrieges in Laos ein ähnlich bizarres Regime wie Marlon Brando im Film. Auch ihm hat der CIA Killer geschickt, allerdings hat er es überlebt und starb erst 2003 in Kalifornien. Coppola selbst hat eine Verbindung zu seinem Colonel Kurtz immer bestritten (er nannte Robert Rheault, den Oberkommandierenden der Green Berets in Vietnam), aber die Parallelen zu Tony Poe sind bis ins grausamste Detail ziemlich verblüffend.
    Wie dem auch sei – der Film spiegelt genau die Illusion wider, die ich mit der wilden Exotik Kambodschas verbinde. Schau ich mir immer wieder an!
    Da gibt es übrigens noch zwei Filme, die ein Muß für jeden Kambodscha-Freund sind: „City of Ghosts“ und „Dogora“. Ganz anders als oben genannter, aber mit atmosphärischen Bildern vom Feinsten.

  2. Hallo Don Kong!
    Danke für deinen interessanten Blog, ich schaue immer mal wieder gerne rein, wenn mich das Fernweh packt.
    Ich war bei meiner ersten Kambodscha-Reise 1998 auch in Rattanakiri, und ich fand es recht interessant, allerdings hatte ich mir ein bißchen mehr unberührte Natur vorgestellt. Zu der Zeit war die Hauptstrasse von Banlung eine einzige Staubwüste, bedingt den einen nicht enden wollenden Konvoi voll beladener Holzlaster, die Gegend wurde geplündert als ob es kein Morgen gäbe. Zwar stehen und standen große Teile Rattanakiris unter Schutz, jedoch gab es wohl auch offizielle Konzessionen zum Holzeinschlag, dazu natürlich die durch Korruption erworbenen. Außerdem nutzen die Tribal-Stämme das Holz der Wälder (natürlich zu Recht). Am eifrigsten waren die Vietnamesen, die sogar Nachts mit Flutlicht anrückten, um den Wald zu klauen. Die in Deutschland gehandelten Gartenmöbel aus Vietnam, die es mittlerweile für’n Appel und n Ei in jedem Baumarkt gibt, sind oft aus kambodschanischem Holz gefertigt.
    Ich hatte damals eine Art „Audienz“ beim Provinzgouvaneur. Er lag in seinem Sessel hinterm Schreibtisch mit den Füßen auf dem Tisch und aschte während unseres Gesprächs mit ausgestrecktem Arm auf den Fußboden, während er seinem Personal Befehle erteilte.
    Von diesem wurden auch 3 kleine Bäumchen am Yaklom-See gestiftet, auf diese Spende wies eine große Tafel hin.
    Trotzdem, es gibt schon eine Menge zu sehen und zu unternehmen dort, skurile Pfeife rauchende Einheimische (auch Kinder), die wie Osterhasen geflochtene Körbe auf dem Rücken tragen, den See (die Bäume ums Ufer herum standen noch), einen schönen Wasserfall, und Laos ist auch nicht weit…
    Wünsche dir viel Spaß dort und hoffe, von dem Trip hier zu lesen.
    Dietmar

  3. Diese Sehnsucht nach mystischen Plätzen à la ‚Apocalypse Now‘ kann ich sehr gut nachvollziehen – sie treibt mich ebenfalls schon lange um. Ergebnis: es gibt sie noch, gerade in Kambodscha. Die Strasse von Banlung Richtung Grenze Vietnam taugt auf den ersten Blick eher für das Gegenteil: Trostlose, abgeholzte Flächen, Minen (schon vor 1990), Land und Leute ausgebeutet. Abseits der Strasse sind aber auch heute noch Entdeckungen möglich. Die Stammesleutchen sind aber kaum noch mit ‚Pfeil und Bogen‘ bewaffnet, sondern eher mit Handys. Diese, sowie Werkzeuge, kaufen sie am liebsten in Banlung ein.
    Früher gingen sie noch zu Fuss auf der Strasse dorthin, heute fahren sie Moped, wenn nicht sogar schon alte Toyotas.
    Trifft man sie im Wald an, sind sie eher scheu und vermeiden Kontakt mit ‚uns’…kein Wunder! Was aber Dschungel-Landschaft und Tiere angeht, sind die Strassen von Koh Kong nach Doeng Toek bzw.Pursat/Pailin noch ergiebiger. Mein Tipp: das Motorrad in der Nähe eines der vielen kleinen Wasserläufe, die die Strasse unterqueren, im Gebüsch verstecken (sonst wird’s als ‚Fundsache‘ auf den nächsten Pickup geladen). Dann dem Flusslauf nach oben folgen. Nur so kommt man in den dichten Dschungel hinein – und findet auch wieder raus. Oft ist man schon nach wenigen Metern in einer anderen Welt. In den Kardamons (so heissen diese Berge) trifft man -je nach Wasserstand- dann oft auf Wasserfälle und kleine Seen, mit etwas Glück auch auf verlassene Camps von Dschungelbewohnern. In 2004 sind wir dort auf einen Trapper gestossen, der ein uraltes Gewehr trug – und zwei Felle von Grosskatzen über der Schulter hängen hatte. Leider ist dieser riesige Dschungel, nicht zuletzt durch die neue Strasse von Koh Kong zur RN 4 jetzt auch schon bedroht – nicht durch eine Handvoll Abenteuersuchender wie uns, sondern durch Projekte der Geldgierigen… wie fast überall auf der Welt.

  4. Berichtigung: Das war im Oktober 2005, als der Dschungel nach der Regenzeit noch richtig ‚dampfte‘. Ansonsten sind die Kardamons ja nicht der typische Regenwald, weil es hier eine lange Trockenzeit gibt. Gegen Ende der Regenzeit hat man aber den Eindruck, in einem Regenwald zu sein. Deshalb ist diese Zeit auch die beste für solche Touren. Allein schon das satte Grün rundherum tut den Augen gut.

  5. Hi Herby, ich gen davon aus, daß du das Miramar kennst. deine e-mail adresse hab ich leider verschlampt. wenn du der HERBY bist sag der grauen Emminenz, auch ngo peter genannt, und allen bekannten grüße von mir. meld dich mal, meine mail adresse hast du jetzt, hoffe ich. halt die ohren steiff bis hoffentlich bald, peter

  6. Hi Peter,
    Kambodscha gegoogelt, diesen Blog gefunden…und damit auch mich? So leicht ertappt man Auswanderer! Problem: Miramar hat vor 30(!) Jahren stattgefunden – und es gab dort 3 Peter(s), alle total in Ordnung. Aus Deinem posting geht Deine e-mail-Adresse nicht hervor. Dafür garantiert der Betreiber sogar ausdrücklich. Er wird wohl seine Seite nicht zu einem weiteren ‚facebook‘ machen wollen – social networks gibt’s schon genug, mit allen Vor-und Nachteilen. So wie ich den Betreiber kenne, wird er Dir aber sicher gerne meine e-mail-Adresse zukommen lassen, wozu ich ihn für diesen ‚Fall‘ ausdrücklich ermächtige.
    Dann ist er unsere (für mich erstaunliche und erfreuliche) Privatkorrespondenz auf seiner Seite los.
    Gruß Herby – und Dank im Voraus an den Betreiber für seine Mühe

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