Kambodschanische Flagge vor blauem Himmel.

Erfolgreiche Problembeseitigung in der Firma

Vor ca. einem Jahr als wir hier in Sihanoukville mit der Modeschmuckproduktion begonnen haben sind mir von meinem Cheffe in Bangkok 2 erfahrene, thailändische Vorarbeiter an die Seite gestellt worden. Ohne diese beiden jungen Herren wäre es mir nicht möglich gewesen dieses Projekt erfolgreich umzusetzen weil ich von Modeschmuckproduktion genausoviel Ahnung hatte wie von Kernphysik. Der eine der beiden ist ein ruhiger etwas schüchtern wirkender Typ der bisher gewissenhaft seine Aufgaben erledigt.

Aber der Andere …… Der bestbezahlteste Mann in der Fertigung und die vermeidliche Nummer 1 hat sich im laufe des Jahres als windiger Intrigant entpuppt, der bestrebt darin war ausschliesslich seinen eigenen Vorteil zu suchen und der Firma damit das Leben schwer zu machen. Immerwieder hat er versucht jegliches Ordnungssystem welches ich eingeführt habe zu boykottieren und die Belegschaft dagegen aufzuhetzen, so das es in diesem 1. Jahr zu immerhin zwei Arbeiteraufständen gekommen ist.

Nicht das mich das alles völlig unvorbereitet getroffen hätte, zum einen habe ich etliche eigene Erfahrungen mit Südostasiaten und zum anderen hat mich mein Chef vor all diesen Dingen schon im Vorfeld gewarnt. Das ist alles ganz normal hier unten am Arsch der Welt. Die Leute sind sehr leicht zu beeinflussen und wenn da nun einer mit einer etwas stärkeren Persönlichkeit daherkommt und ein paar tolle Sprüche auf der Lippe hat, rennen sie alle wie eine Hammelherde hinterher. Eines der Probleme mit dem jeder Unternehmer, der kleinere oder grössere Gruppen von Eingeborenen beschäftigt, zu kämpfen hat.

Ein recht bezeichnendes Erlebnis hierzu hatte einmal ein Bekannnter von mir, der auf einer schönen Ferieninsel im Golf von Siam seit Jahren erfolgreich ein Hotel mit über 60 Zimmern betreibt. Er hatte ganz am Anfang einmal seine Restaurantköchin wegen Lebensmitteldiebstahl gekündigt. Was er nicht wusst war, das die Köchin unter der gesamten Hotelbelegschaft das Sagen hatte. Ratzfatz, war am nächsten Tag nicht nur die Köchin nicht mehr da sondern das gesamte Hotelpersonal. Mitten in der Hauptsaison, bei 90% Zimmerauslastung stand der gute Mann damals vor einem echten Problem welches er aber am Ende gemeistert hat.

Zurück zu unserem leitenden Vorarbeiter in Sihanoukville, der inzwichen angefangen hatte Material aus der Firma zu stehlen und irgendwo ausserhalb zu verscherbeln. Das flog natürlich sofort auf und da wir ihn nicht auf frischer Tat ertappen konnten um ihn zu kündigen hat es zeitlich gerade sehr schön gepasst, so das er am 1. Juni 2010 ein Fax von der Firmenleitung aus Bangkok erhalten hat in dem er unterrichtet wurde, das sein Jahresvertrag nicht verlängert wird und er auch in Thailand nicht weiter beschäftigt wird. Das bedeutet er ist seit 1. Juni raus aus dem Rennen. Er hatte sich noch eine Verlängerung um 3 Monate erbeten (endlose Dreistigkeit), die auch prompt abgelehnt wurde. Letztendlich konnte er aber meinen Chef davon überzeugen, das er ihn noch bis zu diesem Wochenende in der Firma wohnen lässt (beide Vorarbeiter wohnen im Firmengebäude). So musste ich ihn vom 01. bis heute unter Beobachtung stellen weil die Gefahr gross ist, da er nichts mehr zu verlieren hat, das er noch weiteres Material aus der Firma mitgehen lässt.

Morgen früh ist es nun endlich so weit, er muss raus mit Sack und Pack. Meiner Frau, die mich auch hier tatkräftig unterstützt, und mir wird morgen ein grosser Stein vom Herzen fallen weil dann eine ganze Menge der kleineren und grösseren Querelen im Arbeitsalltag zukünftig wegfallen werden. Schon jetzt kann man spüren, das sich die Atmosphäre im Fertigungsbereich zum positiven wandelt. Es gibt jedoch noch eine kleine Gruppe von Arbeitern die mit der neu geschaffenen Situation überhaupt nicht zufrieden sind, das sind die jenigen die vom Vorarbeiter Nummer 1 wohlwollend behandelt wurden. Als sein Abgang dann öffentlich war,  gab es aus dieser Ecke noch einmal ein kurzes Aufzucken aber soetwas wird bei mir kurz und schmerzlos geregelt, nach dem Motto: Wem es nicht passt, der kann gehen, wir werden niemanden halten! Mir stehen hier über meine Quellen grosse Resourcen an Fabrikarbeitskräften zur Verfügung was die Situation für mich hier als quasi Arbeitgeberschwein deutlich verbessert.

Ausserdem wurde von der kambodschanischen Regierung ein weiterer Schritt in Richtung Zivilisation unternommen. Man ist gerade dabei ein Sozialversicherungssystem für Arbeiter und Angestellte einzuführen. Hierzu sind wir aufgefordert worden am kommenden Donnerstag einen Vertreter unsere Firma zu einem Semiar/Meeting zu entsenden wo erläutert werden soll was es damit in Zukunft auf sich hat. Das Arbeitsministerium hat uns einen Dicken Umschlag geschickt mit einer Vielzahl an Unterlagen, Informationen und sogar einer CD nur leider alles in Khmer. Da ich mir in der Firma niemanden vorstellen kann der geistig in der Lage wäre den Dingen zu folgen um sie mir nachher in englischer Sprache wiederzugeben werde ich nun persönlich in Begeleitung eines kambodschanischen Bekannten den ich ab und an für Dolmetschertätigkeiten anheuere zu diesem Treffen gehen und versuchen etwas über das neue Sozialversicherungssystem in Kambodscha zu erfahren.

Der Kambodscha Ratgeber

Aktuelle Kraftstoffpreise:

  • Normal – ca. 0,85 Euro
  • Super – ca. 0,92 Euro
  • Diesel – habe ich vergessen!
Posted in Auswandern.

4 Comments

  1. Joah, da gab es in der Honeybunny Bar auch so einige ähnliche Situationen. Einem Mädel war der Lohn zu gering (wer vor Dienstchluß aufhört zu arbeiten bekommt den Tag nicht bezahlt, alle wußten es, haben auch dafür unterschrieben usw. usw.), riesen Aufstand, Tränen fliessen. Alle Mädels wollten kündigen.

    Meine Reaktion: Ok, kein Problem. Wenn ihr alle kündigt, mach ich den Laden hier zu und habe meine Ruhe. Mir ist das völlig hupe. Und, siehe da, am nächsten Tag waren sie alle wieder da 🙂

  2. Interessant mit der Sozialversicherung. Taiwan hat ja gesetzl. Krankenversicherung, aber die spielen ja auch finanziell in einer anderen Liga. Rente mit 2 Modellen wahlweise gibt es hier auch mittlerweile.

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