Kambodschanische Flagge vor blauem Himmel.

Don Kong dem Wahnsinn nahe im Arbeitsalltag

Wütend EmoticonHeute war wieder so ein Tag an dem ich mich vom Glauben an die Menschheit ein Stück weiter entfernt habe, jedenfalls von der hier unten. Seitdem wir nun keine Sekretärin mehr habe weil sie am 08.06.2010, mitten in der Arbeit, gekündigt hat und das weil der Arbeitsvertag von unserem Hauptvorarbeiter, der mittlerweile ihre Freund geworden ist, zum 01.06.2010 nicht verlängert wurde. Sekretärin weg, kein Problem! Brauchen wir garnicht unbedingt. Also habe ich die wenigen Aufgaben die sie hatte auf die Vorarbeiter umgelegt und mir das Recht vorbehalten die wöchentliche, komplette Bestandsaufnahme der sich in der Firma befindlichen Miniglasssteine (unser hauptsächliches Arbeitsmaterial) selber zu tätigen. Es gibt da mehrere verschiedene Grössen und hunderte verschiedene Farben.

Der jetzige Hauptvorarbeiter, das ist der der nachgerutscht ist, hat es heute geschafft mich diese Arbeit, die in ca. 30 Minuten erledigt ist, in 3 Stunden nicht fertig zu haben. Egal wie oft ich den Mann nach einer Mengenangabe gefragt habe, ich habe jedesmal eine anderes Ergebnis als Antwort bekommen. Als ich dann alles selber nachgezählt habe und in meiner Microsoft Excel Tabelle untergebracht hatte, und ich breche mir mit diesem ganzen Excel Kram ganzschön einen ab, hat er aus versehen mit seinen Badelatschen so gegen die Steckerleiste am Boden gehauen, das der Stecker vom Computer den Kontakt verloren hat und der Rechner ausgegangen ist. Da ich noch nichts gespeichert hatte, ja praktisch in den letzten Zügen war, war meine mühsam erstellte Tabelle samt ermittelter Daten im Eimer.

Also das ganze nocheinmal. Als ich nun erneut damit fertig war und alles gespeichert hatte und meinen USB-Stick mit allen Daten in meiner Tasche hatte, fragt der Vorarbeiter nochmal ganz nebenbei ob ich denn vorhin die gesamte Menge an Steinen, die sich in der Firma befindet, wissen wollte. Ja selbstverständlich wollte ich die gesamte Menge an Steinen wissen, ist ja immerhin eine Bestandsaufnahme. Haben meine Frau und ich ihm auch schon des öfteren erklärt. Da öffnet er ein grosses Schufach in einem der Metallbüroschränke und holt nochmals 4 grosse, neue Packungen mit Steinen hervor. Mir hat es dann gelangt und ich habe mich verkrümelt, mir sass sowieso schon die Zeit im Nacken weil ich in wenigen Minuten einen Termin mit meinem Dolmetscher im Büro vom “National Social Secutity Fund” hatte.

Danach war ich dann erstmal beim Sport und gleich als ich wieder zuhause war habe ich meine Frau gebeten den Vorarbeiter anzurufen und die Menge der zuletzt aufgetauchten Steine zu erfragen weil ich hatte dazu nicht mehr die Nerven. Aber, Oh Wunder, nach ungelogen nur 5 Telefonaten zwichen meiner Frau und dem Vorarbeiter habe ich dann auch diese Zahlen vollständig erhalten.

Solch einfache Arbeitsvorgänge die in einer z. B. deutschen Firma von einer Person in kürzester Zeit und ohne Probleme erledigt werden, können hier schon mal zur Atomwissenschaft werden und einen zum Wahnsinn treiben. Es ist nahezu unmöglich auf präzise Fragen, präzise Antworten zu bekommen weil die Menschen hier komplett anders denken, jedoch sind die meisten lernfähig und auch -willig. Wichtig für uns Weisse ist es in solchen Situationen absolut ruhig zu bleiben und nicht die Beherrschung zu verlieren. Die Leute hier anzuschreien ist Grundverkehrt und bewirkt mehr Probleme als wie es nützt. Ich mache es immer so, das ich denjenigen zwar auf seinen Fehler aufmerksam mache aber das ganze in einem kleinen Scherz verpacke (lasst euch was einfallen). Das wird in den allermeisten Fällen sofort verstanden, ja man steigt sogar in der Achtung seiner Mitarbeiter weil man gezeigt hat, das man die Regeln kennt. Wichtig ist es, das niemand sein Gesicht verliert und das tut mit dieser Methode, die oftmals eine gehörige Portion an Selbstbeherrschung abverlangt, keiner weder man selber noch der Angemeckerte und die Wahrscheinlichkeit ist gross, das derjenige danach diesen Fehler nie wieder macht.

(Bildquelle: wstera2 auf Flickr)

Posted in Auswandern.

One Comment

  1. Ja, so Inventuren. Damit sind auch Deutsche ab und zu überfordert. Wenn ich mich an Rüdiger Krapp erinnere, wie er da mal eine Inventur machen sollte. Da paßte einmal garnichts.

    Der war zu dämlich volle Tetrapacks zu zählen (und es waren nur ca. 80, er hat eine Zahl von 22 oder so herausbekommen).

    Das nur so als Anekdote nebenbei.

    Ich stimme Dir im übrigen vollumfänglich zu. Wenn man nüchtern ist klappt das mit dem Ruhe bewahren auch 🙂

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