Kambodschanische Flagge vor blauem Himmel.

Geschichtliches zur Hafenstadt Sihanoukville in Kambodscha

Hier habe ich für euch ein paar geschichtliche Hintergrundinformationen über Sihanoukville zusammengetragen. Der Gedanke dazu kam mir gestern vormittag auf einer Bootstour. Als wir nahe der Küste am legendären Independence Hotel vorbeifuhren erzählte der Reeder dessen Geschichte. Eine Geschichte die mit Ruhm und Glanz begann und dann in Mord und Blut ertränkt wurde wie so vieles in Kambodscha der 70er Jahre. Die Kambodschaner kennen die Geschichte vom Independence Hotel und darum meiden sie das Hotel und das obwohl nicht mehr viel übrig ist aus den alten Tagen. Es wurde bereits einmal komplett zerstört und wieder neu aufgebaut.

Mich hat diese Geschichte fasziniert und als ich wieder zuhause angekommen bin habe ich mich so gleich dran gemacht und Google zur Geschichte des Hotels befragt aber leider nur mit sehr, sehr dünner Ausbeute. Etwas mehr Informationen bekommt man da schon über die Entstehung der Hafenstadt Sihanoukville. Hier mal die Essenz aus verschiedenen Quellen.

Um 1955 hat sich ein französich-kambodschanisches Konstruktionsteam ein Lager, nahe des heutigen Hawaii Beach, in den dichten Dschungel geschlagen und mit dem Bau von Kambodschas grössten und einzigsten Tiefseehafen begonnen. Die damalige Indochinapolitik machte diesen Schritt notwendig. Als die Franzosen sich nach dem II. Weltkrieg aus ihren Kolonien in Südostasien langsam zurückzogen haben sie das Mekong-Delta an Vietnam übergeben und Kambodscha war dadurch gezwungen sich einen neuen Zugang zum Meer für ihren Schiffshandel zu schaffen. Geograpisch gesehen war Sihanoukville dafür der beste Standort.

1956 erreichte der erste Schiffsverkehr den neuen Hafen aber die Fertigstellung sollte noch bis 1960 dauern. Die Stadt wuchs schnell um die Hafenbaustelle herum und bot vorwiegend Unterkünfte für die Bau- und Hafenarbeiter. In dieser Geburtsstunde war Sihanoukville eine rauhe Hafenstadt und weit entfernt von einem freundlichen Badeort für Touristen. Allerdings gibt es hierzu wiedersprüchliche Informationen im Internet. Einige Quellen behaupten, das Sihanoukville, neben Kep,  schon zur französichen Kolonialzeit ein beliebtes Erholungsziel gewesen sein soll. Wie auch immer, der wirtschaftliche Erfolg des Hafens führte zu einem Bauboom in den 60ern. Kampong Som, so wie der Ort früher hiess, wurde in Sihanouk Ville, nach dem damals regierenden Prinzen Sihanouk, umbenannt (auch zur Umbenennung der Stadt habe ich wiedersprüchliche Informationen gefunden).

Schnell zogen die schönen Sandstrände die wirtschaftliche und geistige Elite Kambodschas an. Das ist auch die Zeit wo das Independence Hotel, noch oben auf dem Hügel,  errichtet wurde und sich die Angkor-Brauerei angesiedelt hat. Auch Jaqueline Kennedy hat damals, während einer Rundreise durch Kambodscha, im Independence Hotel gewohnt.

Während des Vietnam-Krieges sollen über den Hafen die Feinde der Armee aus den nordamerikanischen Kolonien mit Waffen und Munition versorgt worden sein. 1970 änderte sich das Bild jedoch abrupt, Prinz Sihanouk wurde abgesetzt und Kambodscha stürzte in einen Bürgerkrieg. Etwa in dieser Zeit soll Sihanouk Ville wieder in Kampong Som umbenannt worden sein und es brachen bittere Zeiten für die junge Stadt an.  Die Rote Khmer zog ein, benutzte das Independence Hotel für Schiessübungen und andere Schweinereien und enterten ein nordamerikanisches Containerschiff worauf die U. S. Airforce den Hafen bombardierte. Diese Bombardierung und ein vorangegangenes Feuergefecht zwischen U. S. Marines und den Roten Khmer auf der Insel Koh Trang, vor der Küste Sihanoukvilles, wird offiziell als letzte Schlacht des Vietnamkrieges gewertet.

Nach Beendigung von Pol Pot’s Schreckensherrschaft war die unwegsame Strasse von Phnom Penh nach Sihanoukville ein Eldorado für Räuber und Wegelagerer. 1994 haben übriggebliebene Rote Khmer Kämpfer in einem Zug auf der Eisenbahstrecke von Phnom Penh nach Sihanoukville etwa bei Kampot 3 westliche Individualreisende entführt und wegen nicht gezahltem Lösegeld umgebracht.

Seit 1997 ist auch in Sihanoukville wie in den meisten Teilen Kambodschas Frieden eingekehrt und es entwickelt sich seit dem, in kleinen Schritten, ein gewisser Tourismus mit Hotels, Pensionen, Spielkasinos, internationler Küche und Unterhaltungsgewerbe. 1998 gab es nochmal einen grossen Giftmüllskandal vor der Küste und seitdem ist Ruhe im Karton. Mit dieser Zusammenfassung hoffe ich den Lesern unter euch, die das nicht alles schon wussten, die kurze aber bewegte Geschichte von Sihanoukville etwas näher gebracht zu haben.

Posted in Sihanoukville.

2 Comments

  1. Sehr gut recherchiert und auf den Punkt gebracht.
    Da steckt viel Arbeit drin, um aus dem Wust der Informationen einen so klaren Abriss der Historie zu schaffen.
    Besser als der Eintrag bei Wikipedia!
    Mit Sicherheit weißt du noch viel mehr über Sihanoukville, hast es aber gekonnt beim Wesentlichen gelassen.
    Dein Blog mutiert allmählich vom persönlichen Tagebuch zum generalisierenden Wissenspool über Zeitgeist und Geschichte Kambodschas.
    Respekt, Don Kong!

  2. @Olaf
    Danke für das Kompliment. Ja, da kommt einiges zusammen an Informationen in den Jahren. Bin ja auch immer fleissig am Ball geblieben.

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