Kambodschanische Flagge vor blauem Himmel.

Zurück in Kambodscha – Don Kong war heim im Reich

Betrachtungen und Eindrücke wenn man nach 4 Jahren ununterbrochen in Kambodscha zurück nach Deutschland kommt.

Ein unerfreuliches, familiäres Ereignis hatte mich gezwungen für einige Tage nach Deutschland, zu den letzten verbleibenden meiner Familie, zu reisen. Mein Alptraum ist wieder einmal zur Realität geworden, ich habe 7 volle Tage in einer deutschen Grossstadt verbracht. Niemals stand mir deutlicher vor Augen welcher Segen es ist hier in Südostasien bzw. in Kambodscha leben und arbeiten zu dürfen.

Der Stadtbezirk in dem ich aufgewachsen bin, in den 70er und 80er bis in die Anfänge der 90er Jahren hinein eine Wohngegend des guten Mittelstandes, ist zu einem sozial äusserst schwachen Schmelztiegel aus Rentnern, Arbeitslosen, Arbeitsunwilligen und Ausländern geworden. Die Rentner bilden in dieser bunten Gemeinschaft einen erheblichen Anteil, so das man sich tagsüber auf der Strasse manchmal wie in einem riesigen Altenheim vorkommt. Wenn man aus einem Land wie Kambodscha kommt, wo der grösste Teil der Bevölkerung nur um die 20 Jahre alt ist, fällt das ganz besonders auf.

Ich habe etliche Deutsche beobachtet die in den Müllcontainern am Strassenrand nach leeren Plastikflaschen und Getränkedosen suchen bevor sie in den Supermarkt gehen. Nicht anders als wie es hier in Kambodscha von den armen Familien und den Strassenkindern gemacht wird. Im Kontrast dazu sieht man grosse, teure Luxusautos und Sportwagen wovon ein grosser Teil wahrscheinlich durch Drogengeld oder die Bank finanziert ist. Ich war kaum 2 Tage vor Ort, da wurde am hellichten Tag, die kleine Bäckerei an der Ecke überfallen. Nach Aussage meiner Mutter war es nicht das erste mal, genauso wie bei dem Zeitungsladen ein Stück weiter die Strasse runter.

Eventuell bin ich etwas zu sensibilisiert aber ich hatte das unangenehme Gefühl, das eine Grundstimmung des Neides und der Missgunst vorherrscht. Dieses unangenehme Gefühl hat mich nur bei sehr wenig Leuten mit denen ich zu tun hatte verlassen. Dazu zählen die lieben Menschen meiner gesamten Familie und mein bester Freund, der auch irgendwie zur Familie dazugehört. Alles in allem erscheint mir mein Heimatland bei jedem Besuch immer fremder. Man kann den jungen Menschen in Deutschland nur noch viel Glück für die Zukunft wünschen, ich möchte nicht in ihrer Haut stecken.

Ein paar weitere Dinge die mir als mehr oder weniger Unbeteiligter aufgefallen sind waren die unverschämt hohen Preise und die dreistfrechen Methoden mit denen den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen wird. Die nationale Falsch-Ernährung hat man offensichtlich beibehalten und mit Geschmack bei der Kleidung hatte man ja schon immer Probleme. Da ändert auch die grosse Billigkleidung Discounter Kette nichts, wo ja offensichtlich ein breite Masse der Bevölkerung ihre Klamotten kauft. Im täglichen Kampf um den Euro wird es zur Nebensache das die billige Kleidung von zarten Kinderhänden unter härtesten Bedingungen gefertigt wurden.

Fazit: Deutschland ist auf einem ganz schön schrägen weg wie ich finde, ein Leben dort erscheint mir persönlich unerträglich.

In diesem Sinne,
Buddah schütze Kambodscha und den König.

Posted in Auswandern.

12 Comments

  1. du hast recht, so ist es hier…

    aber lass mich anmerken, daß du in kambotscha das leben eines überdurchschnittlich gebildeten oberschichtlers führst, wie ich vermute (ohne kritik!), denen es hier auch (noch) ganz gut geht.

    wenn ein khmer arbeitslos oder ähnliches ist, ist mord und raub vermutlich auch nicht weit, evtl. sogar noch näher als hier, und üble chemo-drogen gibts wohl auch zuhauf.

    wobei ich nicht sage, „hier ists toll“, trotzdem frag ich mich, ob der raubtierkapitalismus nicht ein weltweites phänomen ist, das in kambotscha gerade erst beginnt…

  2. „Ein paar weitere Dinge die mir als mehr oder weniger Unbeteiligter aufgefallen sind waren die unverschämt hohen Preise und die dreistfrechen Methoden mit denen den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen wird.“

    Ich war zwar nur für einige Wochen in Südostasien im Urlaub, aber als ich nach Hause kam habe ich mir das gleiche gedacht. Noch 20$ in der Tasche gehe ich am Frankfurter Flughafen zum Geldwechselschalter und sage der grimmig blickenden Dame ich möchte das Geld in Euro wechseln. Sie nimmt es, tippt irgendetwas in den Computer und händigt mir dann ganze 9€ aus. Ich warte auf den Rest und plötzlich höre ich „der nächste bitte“. Da erst habe ich realisiert, dass das alles ist was ich für meine 20$ bekommen sollte. Auf meine Frage ob da ein Fehler unterlaufen sei zeigte sie nur auf eine Tafel mit einer Gebührenübersicht.

  3. Da ich mich in Südostasien meist in einer Großstadt aufhalte, ist mein Blickwinkel ein etwas anderer, die Ruhe in Deutschland und die geringere Hektik fällt mir positiv auf.
    Verblüffend fand ich die hohe Anzahl von nicht deutsch aussehenden Gesichtern auf den Straßen meiner vormals urdeutschen Provinz-Heimatstadt, jetzt sieht es eher aus wie man es aus US-Fernsehserien kennt, also bunt gemischt. Ohne das als positiv oder negativ bewerten zu wollen, es ist halt wie es ist, jedenfalls fühlte ich mich dadurch noch fremder als sonst.
    Frankfurt schien rein türkisch zu sein in weiten Teilen.

    Die Straßen voller Schlaglöcher und ungestreut im Winter, das Personal in den Restaurants eher genervt und unhöflich, gerade wenn deutsch. Verkäufer ebenso, feindlich stehen sie dem Kunden gegenüber.

    Teenager mit Bierflasche und breitbeinigem Gang, welch Kontrast gegenüber den brav trippelnden gut erzogenen Teenagern Taiwans.

    Warnungen von Bekannten vor der U-Bahn und Straßenbahn. Welch Kontrast zur blitzsauberen und kameraüberwachten Schwebebahn die nach Fäkalien stinkende U-Bahn in Deutschland.

    Zurück bleibt ein ambivalentes Gefühl. Schulterzucken.

  4. Hallo Don Kong,
    ist mir voll aus der Seele gesprochen.

    Auch mir geht es so, wenn ich 1x im Jahr für einen Monat Deutschland besuche.

    Gruss von Andy aus Koh Samui

  5. Hallo dong kong,
    bin ganz deiner meinung.
    Sowohl deutschland (bin össi, hab aber 2005-2007 in Thailand gelebt,war auch in sihaunok) aber auch zu denn frauen!!!!!
    Gibt es auch össi?
    Wie sieht es mit visa für össi aus?
    Könntest du mir tips geben??
    danke im voraus
    lg
    walter

  6. Also,
    Du denkst dass hier in Deutschland alles schief läuft. Du lebst dort in Kambodscha in einem Land, das zu den korruptesten Ländern der Welt gehört. Du schreibst, dass Du in Deutschland Leute gesehen hast, die aus Müllcontainern nach Nahrungsresten suchen. Gut, die gibt es, aber hier hat es wirklich keiner nötig, in Müllcontainern herumzukramen. Jeder deutsche Staatsbürger hat Anspruch auf Hartz4 bzw. Sozialhilfe, und die beträgt derzeit 364 € monatlich, dazu kommt die Übernahme der Kosten für die Wohnung, zusammen sind das etwa 750 € pro Monat.
    Ich war schon zweimal in Kambodscha und habe dort die ganze Misere gesehen, ich habe in Phnom Penh Jungs gesehen, etwa 13 oder 14 Jahre alt, die haben dort sonntags in der größten Mittagshitze Steinquader herumgeschleppt, findest Du das ok?
    Hier in Deutschland ist auch nicht alles in Ordnung, aber wir haben hier unsere Gesetze und keiner muß verhungern.
    Ich finde, Du malst Dir Deinen Aufenthalt dort in Kambodscha schon etwas zu schön aus, aber was Solls, jedem das seine.

  7. @Bernhard
    Ich brauche mir da nichts ausmalen, meine Familie und ich leben gut hier, genauso wie viele andere. Jugendliche in Phnom Penh die Steinquader schleppen interessieren mich weniger, tausende Menschen verhungern in den kommenden Wochen in Afrika. Werde glücklich mit den ganzen Gesetzen und freu dich das in Deutschland noch keiner verhungern muss. Weil in Deutschland alles so wunderbar geregelt ist und weil man sein Leben dort von der Geburt an so schön vorgeplant bekommt habe ich damals dieses gelobte Land verlassen.

    Nebenbei bemerkt, der Sonntag ist in Südostasien ein normaler Arbeitstag und von 364,- Euro im Monat könnte ich in Deutschland nicht leben.

  8. Was muss ich da lesen ? “ Jeder deutsche Staatsbuerger hat Anspruch auf Harz4 bzw. Sozialhilfe ? Jetzt fehlt nur noch der Satz, und alle deutschen Kinder bekommen Kindergeld und Elterngeld ?? Haha, mein lieber Bernhard, die Wirklichkeit sieht so aus, „der Deutsche“ bekommt nada. Der kriegt gar keine Sozialhilfe, weil er seine Beduerftigkeit gar nicht nachweisen kann. Viele haben mal gearbeitet und etwas gespart, die bekommen gar nichts, Oder viele haben mal ein Haus gekauft, die bekommen auch nichts. Wer aber Inder ist, in England sein Haus zu 1.000 monatlich vermietet, der bekommt – klar – Sozialhilfe UND darf noch in der Akazienstrasse ein Restaurant aufmachen, was er zu 60.000 Euro cash gekauft hat. – Und meine deutschen Kinder haben noch nie Kindergeld bekommen, falls du das lesen solltest, Bernhard. Was bleibt also ? Auswandern. Die Luecken werden dann von Einwanderern aufgefuellt, die – jetzt stimmt deinen Theorie, problemlos Sozialhilfe bekommen. 1.732 bekommt einer mit zwei Kindern. Der deutsche Papa kriegt … nichts. Und , damit hier Klarheit herrscht, ich bin einer von denen. Nicht mal ne Krankenversicherung geschweige denn ein Buch in der Bibliothek gibts. Und weil das so ist, werfen deutsche Frauen ihre Kinder in den Muelleimer oder zerhacken sie und verarbeiten sie als Blumenerde. Und es haben in Berlin bisher 149 Autos gebrannt … jetzt weist du warum.

  9. Deutschland ist und bleibt das Land meiner Herkunft.Ich habe in diesem Land eine Ausbildung genossen welche es mir ermoeglicht auf der ganzen Welt als hochbezahlte Fachkraft zu arbeiten.Der Deutsche Pass ist eines der besten Reisedokumente der Welt. Meine Herkunft und meine Erziehung in Deutschland helfen mir beruflich weiter zu kommen. Aber ich lebe nicht in Deutschand.Mein Lebensmittelpunkt ist auf den Philippinen. Ich gehe gerne nach Deutschland und ich bin stolz auf meine Herkunft. Das Heute vieles in dem Land schief geht und das vieles aus dem Ruder laeuft ist ungluecklich und das sich die Situation in Zukunft noch verschaerfen wird ist wohl sicher. Aber wenn es einmal richtig brennt und es noetig wird um Hilfe nachzusuchen dann werden viele welche Heute ueber ihre Heimat schimpfen diese Hilfe ganz selbstverstaendlich in Anspruch nehmen. In Deutschland verhungert keiner und eine medizinische Behandlung wird einem auch bei fehlender Versicherung nicht verweigert.

  10. klar,ist immer ein thema.auch ich lebe seit ueber 40 jahren im ausland,spanien und bin selten in deutschland,haette auch keine lust auf ein zurueck.ich moechte nur sagen,dass wir unsere neuerworbene lebenssituation meistern sollen ,denn vergleiche hinken,in dem fall hinterher..ferdi

  11. Don Kong´s 2011 Analyse ist interessant. Wer länger von Zu Hause weg war den triffts umso härter.. DER WANDEL ist überall sichtbar. In den vergangenen Jahren bin ich je 3 Monate nach D und hatte das Glück einem Freund etwas zu helfen. Dabei bin ich dann auf seine meist stinkreichen Kunden getroffen die aus „dem Vollen“ feiern. Arroganz + Überheblichkeit soweit das Auge reicht…. wir bezahlen ja schliesslich. Das steht im krassen Gegensatz zu manchen Stadtteilen meiner Heimatstadt, den öffentlichen Verkehrsmitteln etc. Ich frage mich jedes Mal wie lange das eigentlich noch gutgeht bevor es bumm macht. Frankfurt hat einen der höchsten Ausländer Anteile in Deutschland wird aber von mir trotzdem nicht als wie von den Medien „gefährlich“ empfunden. In 2014 kommen immer mehr Flüchtlinge ins Land, auch hier. Die Gemeinden stöhnen weil sie sie nach eigenen Angaben nirgendwo mehr unterbringen können, und die Anwohner wollen sie nicht in der Nähe haben. In Giessen wohnen sie inzwischen in Zelten (wie in Syrien, Irak, Ukraine etc) bei nächtl. Temperaturen bis 9 Grad und jede Menge Regen. Dabei stehen massenweise Kasernen leer, zuletzt die riesigen Siedlungen der Ami´s in Heidelberg. Dort dürfen sie aber nicht rein. Bürokratie !! Meine Sympathie gilt denen unter ihnen die gerade noch ihren Hintern gerettet und bereits ein langen Leidensweg hinter sich gebracht haben. Andererseits fällt mir aber auch auf dass es immer „dunkler“ wird auf den Strassen. Bisher empfinde ich das aber noch nicht als Bedrohung. Die eigentliche Bedrohung kommt wie so oft aus der Politik denn seit Monaten massiert unsere Regierung die Bürger auf „Auslandseinsätze“ der Bundeswehr. Da spielt selbst unser Bundespfarrer Gauk, Merkel und selbst Joschi Fischer, Gregor Gysi, Steinmeier und natürlich der CDU-CSU Sumpf mit. Wer die wohl für die seit Kriegsende geltende Regel „nie mehr Krieg“ Abkehr bezahlt hat ? Ausserdem stinkt mir dass noch immer US Atomwaffen hier lagern und 40.000 US Soldaten hier rumlungern. Mann, die Franzosen, Engländer und selbst die so viel geliebten Russen sind schon lange weg. Aber das Ami Gesindel bekommt man einfach nicht mehr los.

    Fazit:Ich stehe zu meiner Heimat, freue mich über das Essen hier (in 3 Monaten 5 KG mehr ist die Strafe) und freue mich sogar noch mehr auf meine Heimreise nach Kambodscha. Das Land welches mir eine fast uneingeschränkte Freiheit bietet, mich mit einem geringen Einkommen leben lässt und meinen Körper und Seele pflegt. Hier pflege ich meine neue Philosophie : Weniger ist mehr !! Genügsamkeit ist mein neues Hobby…., das habe ich von meinen Khmer Nachbarn gelernt.

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