Ganz offen gestanden, Besuche auf kambodschanischen Hochzeitsfeiern gehören nicht zu meinen favorisierten Freizeitbeschäftigungen, man kommt aber manchmal nicht darum rum. In Kambodscha wird nämlich fleissig geheiratet und das ganz besonders im Dezember. Dieses Jahr flatterte schon im November die erste Hochzeitseinladung auf meinen Schreibtisch. Ein Geschäftsmann aus Phnom Penh den ich schon über 4 Jahre kenne, den ich aber schon ewig nicht mehr gesehen habe, wollte nun in seiner Heimatstadt Sihanoukville heiraten. Seine Familie hat Geld und das bedeutet, hunderte von Gästen in grosser Robe, haufenweise Lexusfahrer und Schlimmeres, eben das volle Programm. Darauf hatte ich zwar überhaupt keine Lust aber deshalb die Einladung einfach zu ignorieren wäre ein Fehler gewesen. Hier in Kambodscha, wie überall in Asien, sollte man versuchen immer eine Lösung zu finden bei der niemand das Gesicht verliert. Wir sind dann einfach hingefahren und haben nur den Briefumschlag, mit einer angemessenen Summe gefüllt, beim Bräutigam abgegeben ohne an der Feier teilzunehmen. Natürlich alles mit vollendeter, asiatischer Höflichkeit und einer glaubhaften Begründung warum man gleich wieder weg muss. Dieses Vorgehen ist den kambodschanischen Gesellschaftsnormen angepasst und führt zu keinerlei Gesichtsverlust bei den Beteiligten.

So unkompliziert wie bei unserem Bekannten konnte ich, eine Woche später, bei unserem 1. kambodschanischen Vorarbeiter die Hochzeitsfeier nicht umgehen. Ich kenne den jungen Mann schon ziemlich lange und habe seinen Werdegang teilweise mitbekommen. Er war einmal ein armer Fischer, der aus einem Dorf nach Sihanoukville kam um Geld zu verdienen. Lange hat er sich eher schlecht als recht durchgeschlagen bis wir 2009 mit der Produktion von Modeschmuck Teilen begonnen haben. Er war von der ersten Stunde an mit dabei, ist oft positiv aufgefallen, hat sich eine Position erarbeitet und wird angemessen bezahlt. Jetzt, ende 2011 hat dieser junge Mann eine Mitarbeiterin von uns geheiratet und ein fernbleiben von seiner Hochzeitsfeier wäre inakzeptabel gewesen.

Also wieder Kohle in den Briefumschlag und hin zum Veranstaltungsort. Für Leute die in Kambodscha nicht zuhause feiern wollen/können gibt es grosse, kantinenartige Restaurants, mit Bühne und allem was dazu gehört. So eine Hochzeit kostet mehrere tausend Dollar und sollte sich eigentlich durch die Geld-Geschenke der zahlreichen Gäste selber finanzieren oder besser es sollte am Ende noch etwas für das Brautpaar übrig bleiben. Ob das immer der Fall ist kann ich nicht beurteilen, was ich aber weiss ist, das sich Familien die kein Geld haben, wie z. B. die Familie unseres Vorarbeiters, Kredite aufnehmen um die Kosten vor zu finanzieren.

Etwa 100 Personen waren schon anwesend und es kamen immer mehr. Man kann sich schwer vorstellen, das alle diese Leute in Beziehung zu unserem Vorarbeiter stehen sollen aber es muss wohl so sein. Wie schon befürchtet war ich der einzige weisse Ausländer was natürlich auffiel. Ich erkannte ein paar bekannte Gesichter, es wurde freundlich gegrüsst und viel gelächelt. Mit dem Unterhalten war es nicht ganz so einfach denn eine Sängerin auf der Bühne gab ununterbrochen und lautstark kambodschanische Pop-Songs zum Besten. Um diese auch so richtig ins Trommelfell der Gäste zu brennen hatte man die Bässe der riesigen Lautsprecheranlage auf Anschlag (-) und die Höhen auf Anschlag (+) gedreht.

Kurz nachdem wir uns hingesetzt hatten wurde auch schon das Hochzeitsmenü aufgetragen. Schlag auf Schlag kamen unzählige Gänge schmackhafter, kambodschanischer Gerichte vom Rind, Schwein, Huhn, Fisch sowie eingelegtes Gemüse, getrocknete Garnelen, Salate und einiges mehr. Nach dem Fisch und noch bevor alle betrunken waren habe ich dann die Initiative ergriffen, meine Familie eingepackt und mich von unseren Gastgebern verabschiedet. Und weil das alles noch nicht reicht, heiratet unser 1. thailändischer Vorarbeiter gleich Anfang nächstes Jahr wo es dann wieder heisst, Kohle in den Briefumschlag und immer schön lächeln.