Kambodschanische Flagge vor blauem Himmel.

Tot in Kambodscha – Eine Leiche zum Frühstück

Leben und sterben in Kambodscha

Heute morgen um 06:30 Uhr wurde ich von meiner aufgeregten Frau mit den Worten geweckt: „Komm schnell, gegenüber hängt ein Mann am Haus“. Ich raus auf die Terrasse und da sah ich das Malör, der Nachbar von meiner Mutter baumelte mausetot, mit einen Bettlaken um den Hals das am Eisengeländer des Balkons befestigt war, an der Aussenseite des Hauses.

Wir kannten den Mann, er war Australier ungefähr in meinem Alter und er lebte schon einige Jahre in Sihanoukville. Er hatte eine kambodschanische Ehefrau und sie hatten zusammen eine kleine Tochter, die er über alles liebte. Der Mann fuhr ein teures Auto, hat hier in Kambodscha Land gekauft und ein Haus darauf gebaut. Er war immer freundlich, wir grüßten uns und hielten auch schon mal ein Schwätzchen wenn es sich ergab. Ich traf ihn ab und zu im Gym beim Training oder wenn er seine Tochter aus der Schule abgeholt hat.

Vor einigen Wochen nun ist er ganz alleine in ein kleines Apartment in dem Haus bei uns gegenüber eingezogen. Gestern noch stand er wie jeden Tag, mit einer Büchse Bier in der Hand, auf dem Balkon und nun hing er am Eisengeländer und wechselt, bei steigenden Temperaturen, langsam die Gesichtsfarbe. Irgendwann sind dann massenweise Polizisten eingetroffen die sich auf dem Balkon der betreffenden Wohnung drängelten und vor unserem Haus hatte sich eine beachtliche Menge an Schaulustigen gebildet.

Am Bettlaken erhängt

Mit dem herablassen der Leiche, was sich als ziemlich problematisch darstellte, erreichte das makabere Schauspiel dann seinen Höhepunkt. Ich muss sagen, so etwas schon vor dem Frühstück erleichtert nicht gerade den Start in einen neuen Tag.

Posted in Sihanoukville.

10 Comments

  1. Eine Schreckensnachricht aus dem Kingdom of Wonder! Da kann ich mal vermuten, dass die Beziehung in die Brüche ging und der Mann kein Licht mehr sah am Ende des Tunnels 🙁 Offenbar hatte er auch keine Kraft mehr, sich entsprechende Hilfe zu holen. Traurig! C’est la vie, wie überall auf unserem Erdball…

  2. traurig!

    man fragt sich dann immer, ob man nicht etwas hätte tun können.

    als ich meine erste erhängte leiche in einem keller mit nicht einmal steh-höhe gesehen habe ist mir auch der appetit vergangen!

    das war kein hilferuf mehr, sondern sehr konsequent.

    die ca. 4 späteren leichen schockten dann schon weniger, obwohl viel blut im spiel war. (als rettungssanitäter im zivi)

  3. @mat
    Die Leiche hat mich nicht geschockt, ich habe ja dann auf der Terrasse gefrühstückt als er da noch hing. Worüber ich mir aber nach wie vor Gedanken mache ist der Umstand, das er seit er da wohnte meine Familie und mich immer auf der Terrasse beobachtet hat (nicht etwa belästigend, er hat einfach nur so zu uns rüber geschaut). Wie wir zusammen essen, uns unterhalten und lachen, eben normales Familienleben. Nun stelle ich mir immer wieder die Frage, ob wir ganz unbewusst damit sein Vorhaben, sein Leben zu beenden, sogar noch unterstützt haben? Ich bin mir sicher, das er sich das auch alles gewünscht hat mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter.

    Ich hoffe ich bilde mir das alles nur ein, ich weiss es nicht, war noch nie in so einer Situation.

  4. du hättest nichts tun können.
    ein sehr weitreichendes thema.
    hmmmm.
    wie du es schilderst lebte er eine illusion, und du/ihr wart die perfekte projektionsfläche für seine unerfüllte/unerfüllbare sehnsucht.

    eben das „normale famillienleben“.

    hab keine erfahrung mit thai girls, denke aber, ein europ/kiwi, der in der ferne das sucht, was er zuause nich schafft, das klappt selten.

    scheint mir eine extreme variante des typischen expat dramas zu sein.

    fühl dich nicht verantwortlich für etwas, daß du nicht verantworten kannst! (ähäm, klugscheissmodus aus…)

  5. @mat
    … ja genau, „Projektionsfläche“ das trifft die Sache ziemlich genau. Sehe deine Worte übrigens nicht als Klugscheisserei. Ganz im Gegenteil, ich bedanke mich bei dir dafür.

  6. So weit ist es nun.
    Da überlegt man sich ernsthaft ,
    ob man ein normales Familien-leben verstecken sollte.
    – was immer das auch ist.

    Unsere Welt ist ganz schön schräg geworden.
    Plätze wie SNV sind zudem ein Sammelplatz für schräge Typen.
    Wie aus Pattaya bekannt ist kommt es in solchen Sammelplätzen vermehrt zu außergewöhnlichen Todesfällen.

    Gehöhrt wohl irgendwie dazu – leider.

    XenoS

  7. Ich musste während meines Lebens schon diverse Erfahrungen machen mit Suiziden… Meiner Meinung nach hätte kein einziger davon verhindert werden können. Wenn die Leute keinen Ausweg mehr sehen, ziehen sie es mit aller Konsequenz durch! Ja, als intakte Familie hat er Euch gesehen/beobachtet, und sein Unglück (wohl auch mitverschuldet) noch bestätigt. Keinesfalls aber seid Ihr irgendwie schuldig – jeder Mensch ist letztendlich für sein Leben selber verantwortlich. Zu XenoS: Schräge Vögel gibt es überall auf der Welt, dafür muss man nicht extra nach Kambodscha oder Thailand reisen 😉

  8. Viele sind direkt oder indirekt davon betroffen, denken ueber die Ursache(n) nach und ob man selbst es nicht haette verhindern koennen.
    Wir – meine Frau, ich und unsere Tochter – wohnen in dem besagten Haus. Auf genau dem Stockwerk.
    Am besagten Abend haben wir so um 10 Uhr abends ein lautes „Plong-Geraeusch“ gehoert. Sehr laut, hat Musik und TV ueberlagert, wahr ein ungewoehnliches Geraeusch. Sind raus auf den Balkon weil kam von draussen, umgeguckt, nichts gesehen, schlafen gegangen.
    Am morgen dann haben wirs erfahren und dann gesehen. Haetten wir nur 10 Meter weiter auf Nachbars Balkon geguckt haetten wir es am Abend schon gesehen. Vielleicht haette man dann noch was retten koennen? Vielleicht, wenn, aber. Macht keinen Sinn dadrueber nachzudenken. Leben & Sterben. Cest la vie.

  9. @sebastian:
    denke nicht, dass es geholfen hätte gleich zu entdecken. lauter „plonk“ = rückenmark durchtrennt.
    da geht nix mehr …
    sonst hättet ihr röcheln oder zappeln gehört beim nachschauen.

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