Kambodschanische Flagge vor blauem Himmel.

Mitarbeiter-Revolte in der Firma

Zur Zeit haben die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Firma alle Hände voll zu tun, jeden Tag gibt es Überstunden und sogar an Sonntagen wird bei uns gearbeitet. Kein Wunder, das die Leute da mitunter etwas angespannt sind. Gestern am späten Nachmittag dann löste ein relativ banaler Grund eine Mitarbeiter-Revolte aus. Drei Mädels beschwerten sich darüber, das sie angefangene Stücke erst fertig machen müssen bevor sie in die Pause gehen dürfen. Sollten die mit Kleber fertig beschichteten Teile nämlich eine Stunde liegen bleiben sind sie angetrocknet, können nicht mehr mit Steinen besetzt werden und müssen dann weggeschmissen werden.

Die zeitliche Mehraufwand liegt da bei vielleicht zehn Minuten, die die Leute dann einfach hinten an ihrer Pause dranhängen können, damit ihnen nichts verloren geht. Das hat auch immer gut funktioniert bis eben gestern diese Drei damit nicht mehr einverstanden waren. Anstatt nun mit ihrem Anliegen zu den beiden gewählten Mitarbeitervertretern zu gehen, fingen sie an sich lautstark zu beklagen so das die gesamte Belegschaft gestört wurde und alles es mithörte. Ein Vorarbeiter machte daraufhin eine Bemerkung wie, „dann geht doch wenn es euch nicht passt“, und die Mitarbeiter-Revolte nahm ihren Lauf. Kaum hatte er ausgesprochen, da legten alle kollektiv die Arbeit nieder und schimpften auf ihn ein.

Unser anderer Vorarbeiter versuchte sie noch zu beruhigen aber leider ohne Erfolg. Das war der Zeitpunkt als ich seinen Anruf bekam. Ich hatte ja bereits Erfahrung mit so einer Situation und wusste das sich da am selben Tag wohl nichts mehr regeln lässt. Also ließ ich die Überstunden abbrechen und alle vorzeitig nachause gehen. Am nächsten Morgen erschienen sie alle pünktlich wieder zur Arbeit aber nicht um zu arbeiten sondern um irgendwelche Forderungen mit mir persönlich zu diskutieren. Ich ließ erstmal meinen Assistenten mit ihnen reden und rausfinden was sie überhaupt von mir wollten.

Sie wollten keine Teile mehr fertig machen bevor sie in die Pause gehen, sie wollten ihre Arbeitsplätze nicht mehr saubermachen, ich solle dafür einen Reinigungstrupp anstellen, und sie wollten mehr Geld haben. Ich ließ ihnen ausrichten, das wenn sie nicht augenblicklich die Arbeit wieder aufnehmen sie sofort gehen können und nur noch einmal kommen brauchen um sich ihre Papiere und ihren Restlohn abzuholen. Ich ließ sie auch wissen, das ich bereit sei am Nachmittag ihre Anliegen zu diskutieren aber nur mit den gewählten Mitarbeitervertretern. Als ich in der Firma ankam waren alle schon wieder fleißig am arbeiten und ich holte mir die beiden jungen Damen die die Belegschaft vertreten in mein Büro.

Sie stellten ihre Forderungen und ich erläuterte ihnen meine Standpunkte dazu. Wir einigten uns, das sie in Zukunft pünktlich in die Pause gehen können, für dieses Problem hatte ich bereits eine Lösung gefunden. Ich erklärte ihnen das sie weiterhin ihren Arbeitsplatz selber sauberhalten müssen und das es sowieso mein Plan war beim nächsten Treffen mit unseren Arbeitgebern über Lohnerhöhungen zu verhandeln. Damit waren sie erstmal zufrieden und gingen wieder an die Arbeit zu ihren Kolleginnen.

Posted in Auswandern.

9 Comments

  1. Bewunderung für Deine besonnene Reaktion. Ich denke mal, bei Dir ist bestimmt eine Portion Idealismus dabei. Aber was kommt raus? Es geht denen in der Firma doch relativ gut und dennoch fangen ein paar Weiber das motzen an.
    Unter uns gesagt. Wann fliegen die raus? Die haben Unruhe gestiftet, sehen den Erfolg auf ihrer Seite ist und es ist ein Frage der Zeit, dass die wieder anfangen.

    Ist zwar teils schade darum. Aber es ist eben so. Solch unpopuläre Entscheidungen müssen auch getroffen werden. Im Endeffekt zum Wohl aller.

    Aber das mit der eventuellen Lohnerhöhung hätte ich nicht gesagt. Wenn keine kommt? Dann gibt es wirklich Frust weil jetzt jeder davon ausgeht, dass eine Erhöhung kommt.
    Hast Du zwar nicht zugesagt. Aber der Homo Sapiens Khmerus legt es sich in seinem Gehirn anders hin. Weil es so sein muss.

    Ist alles nur meine persönliche eingeschränkte Sichtweise.
    Viel Erfolg!

  2. Na, das war ja wohl eine „Palastrevolution“ 😉 Weiter kommt man da – so wie Du es gemacht hast – mit klaren Ansagen! Bin gespannt, ob sich die Lage nachhaltig beruhigen wird…

  3. Ich weiss, dass solche Situationen fuer die Vorgesetzten eine echte Herausforderung sind.
    Wenn man zeigt, dass man die Anliegen der Arbeiter ernst nimmt, wie hier geschehen 🙂 – nicht rausschmeissen, Heinz!) – und mit ihnen ernsthaft spricht, kann das der Schritt zu einer langfristig positiveren gemeinsamen Zusammenarbeit, nicht nur am Arbeitsplatz, sein.

  4. Peter, so habe ich früher auch mal gedacht. Kommunizieren, reden, erklären, auf Verständnis hoffen. So wie man selber ist und von sich ausgeht. Geht aber nur auf „Augenhöhe“.

    Denke jetzt auch mehr an mich, schone meine Resourcen und setzte Prios.
    Man hat eben nur begrenzt Energie und da heißt es zu erkennen. Wo engagiere ich mich, wo investiere ich weniger.
    Ist eben meine eigene Erfahrung.

  5. Hallo Heinz, ich kann deine Sichtweisen gut nachvollziehen. Hier vor Ort muss man dazu aber wissen, das diese Leute ein bemerkenswertes Kollektivverhalten an den Tag legen können. In diesem Fall hätte das für mich bedeuten können, das wenn ich drei von ihnen rausgeschmissen hätte auf einmal alle Mitarbeiter nachause gehen. Ich habe mich da ganz auf mein Fingerspitzengefühl verlassen.

    Mein Arbeitgeber hat gelernt es ernst zu nehmen wenn ich Lohnerhöhungen empfehle. Wir haben da schon gemeinsame Erfahrungen gemacht.

  6. du hast wohl gute vorarbeiter, aber jeder arbeiter oder angestellter hat seinen Arbeitsplatz sauber zu verlassen oder? aber bei den Khmer ist es mal so gibst du ihnen den kleinen finger wollen alle die ganze Hand.

  7. Ich kann mir gut vorstellen dass diese Nichtigkeit die zur Palastrevolution gefuehrt hat unter anderem auch dadurch entstanden ist, dass sowohl die Vertreter politischer Parteien als auch der neugegruendeten Gewerkschaften schon seit laengerem eine art verdeckter Gehirnwaesche bei den Arbeitnehmern in den Fabriken durchfuehren. Bei den Hungerloehnen um 60$/Monat fuer Textil-und Schuharbeitern faellt diese Indoktrination selbstverstaendlich auf fruchtbaren Boden. Inzwischen hat sich ja bei den Gehaeltern schon etwas getan obwohl die meisten der og. Arbeiter noch immer viele Ueberstunden schieben muessen um ueber die Runden zu kommen. Unabhaengig davon sehe ich aber seit dem Eintreffen des „Brandstifters der Nation“ einen Trend vor allem bei den jungen Kambodschanern. Der Trend ist „dagegen zu sein“ und lautstark gegen alles moegliche zu opponieren. Das ist inzwischen Mode ! Bei meinem heutigen Gespraech mit der nicht gewerkschaftlich organisierten freien Mitarbeiterin des Walkabout in Phnom Penh brachte diese das ganze auf den Punkt: Seine Excellenz ist nicht gut und daher ist sie fuer den Brandstifter. Auf meine Frage was an dem denn besser sei antwortete sie: der ist nicht mit einer Vietnamesin verheiratet ! Da gibts also noch viel aufzuholen. Mich wuerde nicht wundern wenn dein Mitarbeiter/in durch eine solche partymaessig durchgezogene oppositions gehirnmwaesche auf die idee gekommen waere auch mal den mund aufzumachen. Das wir ihn sicher bei einigen zum Held machen, denn im konfuzistisch gepraegten Asien/Kambodscha ist aufmuepfen gegen den Vorgesetzten unmoeglich !

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