Bargirls in Phnom Penh

Prostituierte oder professionelle Freundinnen?

Bargirls in Phnom Penh

Khmer Bargirls

Wenn es um Bargirls in Kambodscha geht denken viele an Prostituierte, die von ihren bettelarmen Eltern in Zuhälterkreise verkauft wurden und dann als Sklavinnen an ausländische Sextouristen vermietet werden. Dieses pauschale Bild wird von Hilfsorganisationen und Menschenrechtsgruppen gerne dem außenstehenden Publikum dargestellt, ist so aber nicht ganz richtig. Selbstverständlich gibt es auch in Kambodscha Zuhälterei und Menschenhandel aber das hat nichts mit den unzähligen Mädels in den Kontakbars zu tun. Das hat auch die Amerikanerin, Dr. Heidi Hoefinger, in ihren sieben Jahre andauernden Recherchen in Kambodschas Sex- und Unterhaltungsgewerbe festgestellt und darüber ein Buch veröffentlicht. Sie kam 2003 als Rucksacktouristin nach Kambodscha und war vom pulsierenden Leben der Hauptstadt Phnom Penh fasziniert. Sie freundete sich mit einigen Bargirls an und begann sich für deren Leben zu interessieren.

Der Weg in Die Bar

Entgegen allgemeiner Klischees kommen die jungen Khmer-Damen freiwillig in die Bars, mit dem Hintergrund dort eventuell einen Ausländer kennenzulernen. Die allermeisten von ihnen sind irgendwo in der Provinz mit strengen moralischen Regeln, sexueller sowie häuslicher Gewalt und sehr oft auch ohne ausreichende Bildung aufgewachsen, eine Welt der sie gerne entfliehen wollen. Keine von ihnen wurde verkauft oder dazu gezwungen als Bargirl zu arbeiten. Viele von ihnen waren vorher bereits in der Textilindustrie oder in anderen Jobs tätig gewesen, doch kein Arbeitsplatz bietet soviel Aussicht aus dem Elend rauszukommen wie der in einer Kontaktbar. Nur hier bietet sich den Frauen eine Möglichkeit unkompliziert Ausländern kennenzulernen.

Professionelle Freundinnen und bezahlte Beziehungen

Klar, es geht um Geld aber auch um Liebe und Gefühle. Die meisten Bargirls sehen sich selber nicht als Prostituierte auf der Suche nach Freiern, sondern vielmehr als Frauen die einen Freund finden wollen, mit dem sie in vielen Fällen auch eine mehr oder weniger feste Beziehung eingehen würden. Viele Bargirls sind gerne bereit ihren ausländischen Freund den ganzen Urlaub über zu begleiten oder sogar mit ihm zu leben falls er vor hat in Kambodscha zu bleiben. Bei einer normalen Prostituierten, die ihre Kunden im Halbstundentakt abrechnet undenkbar. Das aber solch eine Beziehung zu einem kambodschanischen Bargirl dann nicht ohne Geld auskommt, dürfte jedem klar sein.

Mehr zum Thema Bargirls und Prostitution in Kambodscha könnt ihr in dem englischsprachigen Buch „Sex, Love and Money in Cambodia: Professional Girlfriends and Transactional Relationships (The Modern Anthropology of Southeast Asia)“ von Dr. Heidi Hoefinger lesen.

Quelle: http://sea-globe.com/heidi-hoefinger-professional-girlfriends-and-transactional-relationships/

Posted in Kambodscha.

6 Comments

  1. Endlich mal eine realistische Betrachtungsweise , die sich auch mit den üblichen Klischees auseinandersetzt .

    Klar gibt es auch die durch und durch abgezockten Bargirls, aber sehr viele sehnen sich nach einem geregelten Familienleben.
    Nicht selten auch für ihr(e) Kind(er).

    Je länger die Mädels in einer Bar arbeiten , je schwieriger wird aber der Absprung .

    XenoS

  2. Interressante Differenzierung.

    Hier in Germoney gibts ja spätestens seit der Romantik (18tes bis Ende 19tes Jrhndrt, also ziemlich frisch) das „Ideal der romantischen Liebe“. Scheidungsquote min. 30%. Weil: Partner wird idealisiert, die eigenen Sehnsüchte werden projiziert. Kommt dann nach einiger Zeit der wahre Mensch ohne sein Image zum Vorschein, ist man(n) und Frau überfordert. Alltag sucks.

    Vorher gabs hier auch die Zweckbeziehung. Und zwar lange, lange Zeit der Menschheitsgeschichte. Gemeinsame Interressen und Wünsche waren der „Mörtel“. Ähnlich scheint es noch in vielen asiatischen Ländern zu sein. So entsteht bei mir schon der Eindruck, die „rationelle“ Enscheidung für eine Beziehung aus „wirtschaftlichen“ Gründen (nicht nur Geld, auch Sicherheit, Vertrauen, Perspektive…) ist gar nicht so verkehrt, und im Gegensatz dazu die idealisierte „Märchenprinzessin“ hier ein Luxusphänomen.

    Trotzdem spielen m.M.n. eine Menge kulturelle Sachen rein. Wenn sich ein Europ nicht mit der Kultur beschäftigt hat, wird er trotzdem abkacken in Asien, denn es ist SEIN Job, sich mit den Gepflogenheiten des Landes, in dem er zu Gast ist, vertraut zu machen …

    Und da nun mal die exotischen, mandeläugigen Schönheiten ein uraltes Beuteschema hier sind, spätestens seit 1001 Nacht und wilden Haremsgeschichten, und die Bargirls das mit Sicherheit gecheckt haben, und Europs gnadenlos Naiv sind (äh, sorry) as opposed to Asians, sollte man das Lächeln der lieblichen Erscheinungen auch richtig Interpretieren können. DANN glaube ich, daß was draus werden kann.

    The best of both worlds.

    Danke mal für den Blog, Don. Steht auch mal was Streitbares drin.

  3. Manche werden schnell zu Fachmaennern/Frauen, weil sie zu bloede sind zu merken, dass niemand nach ein paar Jahren genug weiss!!!!
    Wer nicht als erstes die Herkunft und „Bildung“ der Betroffenen sieht, der muss aus den USA kommen, und an einer ….. irgend eine…… 🙁 ;-(

  4. Die Analyse von Frau Dr. Heidi Hoefinger ist ein lange ueberfaelliger Lichtblick mit dem Klischee der Misbrauchten Frauen in Asien aufzuraeumen. Keiner bestreitet dass es das auch gibt, aber ich bin in den ueber 45 Jahren in Asien noch in keiner Bar, Bordell oder aehnlichen Staette des kaeuflichen Sex gewesen wo Frauen angekettet, gepruegelt und verletzt Sex angeboten haetten.Die Alternative als „anstaendige Frau“ fuer 60$/Monat in Sweatshops / Textilfabriken zu arbeiten haben sowohl die Frauen die ich in Thailand, Philippinen und Kambodscha gesprochen haben alle schon hinter sich. Sie waren fast ausschliesslich aus eigenem Antrieb im Sex Geschaeft taetig. In den vergangenen Jahren habe ich vor allem in Kambodscha immer wieder schon fast massenhaft auftretende evangelikale US und Euro Organisationen sowie private Anti Human Trafficking Organisationen bei ihren Aktionen beobachten koennen. Mit Tricks wurden hier Frauen aus den Bars „gerettet“ und in „Schutzzentren“ untergebracht von denen sie oft genug auch gefluechtet sind. Hintergrund dieser Aktionen war meist dass man auf die Frauen gar keine Ruecksicht nahm sondern eher die Spendengeber im Heimatland ueberzeugen wollte dass man mit ihrem Geld wirklich Menschen gerettet haette. Wie die Frauen nach ihrer „Rettung“ mit ihrem Leben klar kamen , davon erfuhr die Oeffentlichkeit sowie Spender nichts. Heidi Hoefinger hat dem Mythos ebenso wie die Kanadierin Linda Pohlman zumindestens ein grosses Fragezeichen verpasst. Dafuer gehoert ihr ein deutliches Lob.

  5. Das Buch von Linda Polmann heißt ‚Die Mitleidsindustrie‘. Eigentlich sagt der Titel schon alles. Erschütternd ist jedoch ihre -durch Fakten belegte- Erkenntnis, dass die ‚Wohltäter‘ in vielen Fällen die Not von Einheimischen sogar bewusst verschärft haben, um sich ihre Einnahmequellen zu sichern. Solche kriminellen Machenschaften offenzulegen erfordert Zivilcourage. Es kann gefährlich sein, in eine Milliarden-Suppe zu spucken…

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