Schreiben für betrügerische Verkehrspolizisten

Die Ankündigung des neuen Polizeichefs, die Wegelagerei der Verkehrspolizisten in Sihanoukville zu beenden, scheint schwierig umzusetzen zu sein. Nachdem einige Tage lang überhaupt niemand von der Verkehrspolizei auf den Straßen zu sehen war, tauchen Sie nun hier und da wieder auf. In kleinen Gruppen lauern sie erneut am Straßenrand auf Ausländer, die mit Motorrädern des Wegs kommen, um sie widerrechtlich anzuhalten und irgendwie eine Geldstrafe aus ihnen heraus zu pressen.

Einem deutschen Hotelier hier in Sihanoukville gingen die Beschwerden seiner Gäste, über Belästigungen der lokalen Verkehrspolizei so auf den Zünder, dass er ein Schreiben für sie entworfen hat, welches sie, sollten sie in eine illegale Kontrolle geraten, dem Polizisten einfach in die Hand drücken sollen. Das Schreiben ist natürlich in Khmer verfasst, damit die Herren in Hellblau es auch lesen können, jedoch ist mir nicht bekannt, wie die Polizisten darauf reagieren.

Wer es mal ausprobieren möchte, kann sich die Grafik hier runterladen und dann einfach ausdrucken:

Das Schreiben in Khmer musste leider entfernt werden, weil festgestellt wurde, dass es einen Fehler enthält, welcher den Sinn verfälscht.

Hier der Inhalt des Schreibens, von mir aus dem Englischen übersetzt. Dafür, das der mir in englischer Sprache zur Verfügung stehende Text mit dem in Khmer übereinstimmt übernehme ich keine Gewähr.

Sehr geehrter Polizist,

Sie haben grundlos einen Touristen auf seinem Motorrad angehalten. Dieser Tourist hat gegen keine geltenden Verkehrsgesetze verstoßen oder die Verkehrsordnung missachtet.

Gemäß Herrn Chuon Narin, Polizeichef von Sihanoukville, ist es der Verkehrspolizei nicht erlaubt, Ausländer ohne Grund anzuhalten. Wenn der Tourist nicht gegen die Verkehrsgesetze verstoßen hat, haben Sie auch kein Recht dazu ihn nach seinem Internationalen Führerschein zu fragen.

Sie missachten damit die Anordnungen des Polizeichefs und handeln sogar gegen das Anti-Korruptionsgesetz, wenn Sie von ausländischen Touristen illegale Geldstrafen kassieren.

Lassen Sie den Touristen weiter fahren. Wenn Sie von ihm eine illegale Geldstrafe kassieren, wird er sich Ihre Dienstnummer notieren, um den Fall dem Polizeichef und der Anti-Korruptionsbehörde in Phnom Penh zu melden, mit Kopie an den Gouverneur von Sihanoukville, Herr Chhit Sokhon.

Vergessen Sie nicht das Sihanoukville auf das Geld der Touristen angewiesen ist. Mit Ihrem gesetzlosen Verhalten bringen Sie Schande über die Stadt und der Ruf von Sihanoukville nimmt Schaden. In ausländischen Zeitungen und im Internet wird bereits eingehend davon berichtet.

Posted in Kambodscha Reisen.

18 Comments

  1. Ich gratuliere diesem deutschen Landsmann der da „Nägel mit Köpfen“ gemacht hat! -Und Dir Don Kong ein
    Dankeschön für die Möglichkeit dieses Schreiben ausdrucken zu können! Wird hilfreich sein! -So -oder so!

  2. Danke, das wird lustig werden. Das sollte der Lui ausdrucken bei jeder Vermietung mitgeben.

    Was würde die Herren wohl machen wenn man direkt vor der Kontrolle die Flugblätter verteilen würden? Natürlich nur um die ahnungslosen Touristen zu schützen und nicht die Wegelagerer zu ärgern. NGO Verhalten nur mal anders herum 😀

  3. @esud: Hallo Esud, mit Deinem Hinweis auf
    – Gesetz No 72 – können hier bestimmt die wenigsten Leser etwas anfangen.
    Für kurze Erläuterung dieses Gesetzestextes auf deutsch wäre ich Dir und – ich nehme es mal vorweg – auch die meisten Leser sehr verbunden / dankbar !

  4. Ich bin der Hotelier. Leider kann ich noch keine Ergebnisse mitteilen, da die Gaeste in der Regenzeit kaum Motos mieten und die Polizei ja bekanntlicherweise im Regen auch nicht arbeitet. Punkt 17.00 Uhr und Regen – da ist dann Schluss.

  5. Hoffentlich verstehen aber die „Langnasen“ auch dass es durchaus Gründe geben kann, wo man legal angehalten werden darf, -auch wenn Alles „o.k.“ ist! Dabei wird kein Geld verlangt; -aber die Durchsuchung nach verbotenen Gegenständen, die man mit sich hat; -wie in den „Langnasen-Ländern“ auch! Nur damit man sich nicht einsuggeriert dass man mit diesem Schreiben nicht grundlos angehalten werden darf; -denn hierbei hat die Polizei wohl legitime Gründe, jemand „grundlos“ anzuhalten…

  6. moin

    leider, leider bin ich auch so ein kandidat, dem so ein schrieb wohl nichts nützen würde – die o.25 promille auf nem moto schaffe ich nie, ein kennzeichen ist mir egal, nen führerschein hab ich auch in D nicht, helm ist auch ungern getragen und meine jungs vom guesthouse machen sich gerne einen spass des nachts, an meinem bock den lichtschalter anzuknipsen…
    tja, aber sollte ich diese bedingungen jemals erfüllen,
    dann bräuchte ich den schrieb nicht.
    oder?
    😉

    buddel

  7. @ buddel: Vielleicht hast Du den Blog-Beitrag nicht richtig verstanden, wo es um ungerechtfertigte Abzocke geht…? Gehe ich richtig in der Annahme dass Du Dich in Deinem ganzen bisherigen Leben ungern an Regeln halten wolltest? (Ich frage nur deshalb weil Dein Beitrag den Anschein einer „suspekten“ Prahlerei macht, die mit zuviel Alkohol sogar noch gefährlich wird für andere Mitmenschen und ein miserables Licht wirft auf die hiesigen Barangs…! Mensch!

  8. @Manfred: Mit dem Gesetz 72 meine ich folgendes:

    ARTICLE 72:
    Any officials or agents responsible for traffic order used their power to confiscate the driving license, number plate, identification card or keeping the driver’s vehicle, shall be jailed from 6 (six) days to one (1) month and or fined from Riel 25,000 to Riel 200,000.
    In case the vehicles are damaged or lost any parts due to the detaining, the entity shall be responsible for the payment. If the level of violation of the police officers or the traffic agents is too serious, the entity can demand the compensation from the police officers or traffic agents.
    The police officers or traffic agents shall be imprisoned from one (1) year to three (3) years and/or fine from two millions (2,000,000) Riels to six millions (6,000,000) Riels to any traffic officers or traffic agents that:
    – Forced and demanded the fining money against the amounts set by the law – Obtaining money by using the incorrect fining tickets or do not issue fining tickets to the
    fined driver. – Shall be punished by jailing from one (1) year to three (3) years and or fine from two
    millions (2,000.000) Riels to six millions (6,000.000) Riels to any government staff or staff working directly or those who have duty or task in managing the driving schools or engaging in the issuance of the driving license and vehicle identification card and have committed wrong to the article 40 or 48 of this provision.

  9. @esud: Hallo Esud, vielen Dank für den ausführlichen Text bezüglich Artikel 72 ! Sehr aufschlussreich !

    Danke auch Dir @Ivo, für den Link bezgl. Anti-Korruptionsgesetz !

    Freundliche Grüsse aus dem fast wieder 40 Grad heissen Deutschland – Manfred –

  10. @G.S.: ehrlich? ich kenne kaum einen expat, der sich abends nicht noch nach dem kneipenbesuch hinters lenkrad klemmt. und sowieso, ich glaube auch, dass sich die wenigsten auswanderer, gerade in kambodscha an regeln halten (wollen).

    buddel

  11. @buddel kenn ich sehr wohl. Mit 0 Promille, ohne verbotene Substanzen, mit bezahlter Steuer, mit Helm oder angegurtet und wohl sogar noch mit wesentlich verkehrssichereren Gefährten als die meisten. Sowohl im Auto als auch auf dem Moped. Außerdem kenn ich viele Ausländer (ob Expat oder Tourist weiß ich nicht), die der Meinung sind, dass hier tatsächlich alles wirr und ohne Regeln abläuft. Die fahren dann aber auch noch unkalkulierbarer und mehr falsch als viele Khmers. Wenn Ausländer immer meinen, hier gäbe es überhaupt keine Regeln und dann überproportional in schwere Unfälle verwickelt sind, ist es nicht verwunderlich, wenn irgendwann ein komplettes Fahrverbot für Ausländer kommt. Aber hauptsache, ein paar hatten dann Spaß und viele dürfens tragen, oder? 😉

  12. Für die Interessierten unter Euch: wir haben die ersten Resultate unserer Aktion. Die Gäste wurden durchwegs ohne Forderungen weiterziehen lassen. Sie wurden gestoppt, händigten das Schreibn in Khmer aus und der Polizist liess sie weiterziehen.

  13. Sollte jemand das publizierte Schreiben benutzen,bitte nicht verwenden. Da ist einUebersetzugsfehler, der den Sinn etwas entstellt. Don Kong bitte entfernen.

  14. Ich habe zwei gefaltete Din-A-4-Seiten immer mit dabei. Auf der einen Seite, sind die kambodschanischen Verkehrsgesetze in Englisch, und auf der anderen Seite in Khmer geschrieben. Die einzelnen Gesetze haben Nummern, so das man bei einem „Vergehen“ nur auf die entsprechende Nummer in Khmer zeigen muß, und der Polizist kann sich dann dort informieren, was die Höchstrafe ist. Diese ist nur sehr selten über 5000 Riel (1,25 $). Diese Liste wende ich aber nur an, wenn ich mit überhöhten Forderungen (5 $ und mehr) konfrontiert werde. Ein kleiner Tipp: Bei Überhöhten Forderungen auf das Ausstellen einer Quittung bestehen. Wenn für ein „Vergehen“ nämlich eine zu hohe Strafe berechnet wird, kann das durchaus Folgen für den einzelnen Polizisten haben. Bis jetzt hat aber mein System gut geklappt, und die Forderungen wurden immer reduziert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.