Als vor über einem Jahr in Kambodschas Küstenstadt Sihanoukville Kriminalität und Verbrechen eskalierten, wurde vor etwa drei Monaten ein neuer Polizeichef eingesetzt. Ein Mann, der sich in seinem bisherigen Wirkungskreis Phnom Penh den Ruf erworben hat, dass er hart durchgreift und keine Gnade kennt. Inwieweit sich die Sicherheitslage in Sihanoukville seit dem nun verbessert hat, lässt sich jedoch nur sehr schwer erkennen.

Denn trotzdem der neue Sheriff in der Stadt ist, lauern in der Gegend Serendipity Road und Ochheuteal Beach, zwischen Reisebüros, Massage-Damen und Sonnenbrillenverkäufern nach wie vor Drogenhändler, die Touristen Marihuana, Kokain und Ice anbieten. Auf der Insel Koh Rong wurden in zwei Fällen jeweils eine australische und eine japanische Touristin vergewaltigt und auch Räuber treiben immer noch ihr Unwesen in Sihanoukville.

Erst vor wenigen Tagen wurde einer thailändische Restaurant-Besitzerin, die abends nach Geschäftsschluss nach Hause kam, vor ihrem Haus von drei Männern mit gezogener Pistole die Handtasche geraubt. Von den offensichtlich langsam wieder einsetzenden illegalen Kontrollen von Ausländern durch die Verkehrspolizei ein Mal ganz abgesehen.

Dagegen haben sich die Verhaftungen und Ausweisungen diverser ausländischer Krimineller, die hier mafiaähnliche Zustände ausgelöst haben, positiv auf die Situation ausgewirkt. Seit dem gab es keine öffentlichen Messerstechereien und Schießereien mehr und auch von Schutzgelderpressung bei russischen Geschäftsleuten ist nichts mehr zuhören. Zusätzlich wurden einige ausländische und einheimische Drogenhändler verhaftet.

Auch im Bereich Kindesmissbrauch ist dem neuen Polizeichef bereits ein Erfolg gelungen, wobei ein Mexikaner, der ein minderjähriges Mädchen vergewaltigt haben soll, gefasst wurde. Der Mann sitzt nun im Gefängnis und erwartet seine Gerichtsverhandlung. In diesem Fall und bei den beiden Vergewaltigungen auf Koh Rong hat die Polizei ungewöhnlich schnell reagiert und die Täter umgehend hinter Schloss und Riegel gebracht.

Während einige ausländische Anwohner eine Verbesserung der Sicherheitslage in Sihanoukville sehen, wird von lokalen Hotel- und Pensionsbetreibern bemängelt, dass keine Polizeipräsenz auf den Straßen zu sehen ist. Tagsüber sind lediglich Verkehrspolizisten unterwegs, die versuchen den Touristen Geld abzuknöpfen, aber so wie es dunkel wird, sieht man überhaupt keine Polizei mehr.

Einige Anwohner meinen, dass der neue Polizeichef sich zwar sehr mit dem angeblichen Mafia-Fällen beschäftigt hat, dafür aber weniger mit den für den Tourismus dringenderen Problemen wie Drogenhandel, Überfälle, Taschendiebstahl und Kinderprostitution. Wenn hier jemanden die Tasche gestohlen wird und er damit zur Polizei geht, wird er wohl nichts davon merken, dass es einen neuen Polizeichef in Sihanoukville gibt. Dort bekommt er immer noch die gleiche Antwort, „Sorry Sir, we don’t know“.

Ob alter oder neuer Polizeichef, persönlich habe ich mich hier in Sihanoukville noch nie unsicher oder bedroht gefühlt. Wer sich nicht leichtsinnig verhält und weltweit geltende normale Sicherheitsregeln befolgt, der hat hier auch nicht zu befürchten. Ausgenommen davon ist der immer stärker anwachsende Verkehr, in dem man auch sein Leben verlieren kann, ohne etwas falsch gemacht zu haben.

Quelle: http://www.phnompenhpost.com/post-weekend/sihanoukville-residents-deliver-report-card-new-local-chief