Hauptsächlich von Ausländern betriebene Bars auf dem Victory Hill in Sihanoukville.

Wenn man sich in Kambodscha selbstständig macht (Teil 3)

Dritter und letzter Teil des Gastbeitrages über die Selbstständigkeit Tätigkeit in Kambodscha. Wir erinnern uns zurück, es ging um Eigentum in Verbindung mit einem Geschäft in der Tourismusbranche. Hier nun die Fortsetzung …

Und dann kann man natürlich auch mehr Geld investieren und eine Pension (Guesthouse) oder Hotel übernehmen oder eröffnen. Insgesamt gibt es in Sihanoukville zu viele Hotelbetten. Auf den gängigen Buchungsportalen werden so um 170 Hotels und Guesthouses angeboten. Die sind aber nur an den Feiertagen voll. Genaue Statistiken über die Hotelbelegung gibt es nicht. Das Touristikministerium und lokale Amt spricht von 70 %; das ist eine reine Illusion. Schätzungsweise liegt sie bei knapp über 50 %. Gut gehende erreichen so um die 70 % und das ist eine gute Zahl für einen Badeort. Phnom Penh ist aber ausgelutscht, wie man auch einem kürzlichen Zeitungsartikel in der Phnom Penh Post entnehmen konnte. Dies wird mir auch von meinem Freund, der 2 Hotels in Phnom Penh betreibt bestätigt.

Selbst am Khmer Neujahr waren noch Zimmer in SHV zu haben (nicht bei uns). Die Hochsaison dauert von Mitte Dezember bis Mitte März. In den anderen Monaten der Trockenzeit füllt man seine Betten nur mit Sonderangeboten. Das kann man heutzutage im Internet gut steuern. In der Regenzeit sind die Preise so niedrig, dass man froh sein muss, wenn man in der Zeit nicht im Minus arbeitet. Die Konkurrenz ist groß und die Preise, insbesondere bei den Khmer Guesthouses sind so niedrig, dass man sich wundert, wie die überleben. Der Schlüssel steckt darin, dass die das Objekt als Eigentum haben und das Wort Amortisierung nicht kennen, wohingegen Ausländer ja immer mieten. Wenn man mit einer Khmer-Frau verheiratet ist, kann man Grund und Boden natürlich kaufen, aber in interessanten Lagen sind die Grundstückspreise so hoch, dass es sich nicht rentiert. Beispielsweise kostet ein 1200 m2 großes Grundstück in Ochheuteal – Mithonastraße – schlanke 1,5 bis 2 Millionen $. Ein doppelt so großes Grundstück kostet in der zweiten Straße aber auch noch über 1 Million $.

Mit anderen Worten, die Eröffnung oder Übernahme lohnt sich heutzutage so gut wie nicht. Ausnahme ist, wenn man eine besondere Lage findet oder ein wirklich gut gehendes Objekt übernimmt. Was die Lage angeht, so kann das in Sihanoukville nur eine direkte Strandlage sein und die gibt es so gut wie nicht mehr. Ein ehemaliger deutscher Gast von mir hat noch eins entdeckt und erstellt da gerade zum Leidwesen des deutschen Nachbarhotels sein Guesthouse. Das Grundstück war bisher nicht gefragt, da es scheinbar zu klein war. Es sind gerade mal 1000 m2. Andernfalls kann man ein profitables Objekt übernehmen, dass die Amortisierung des Kaufpreises in der Mietzeit verspricht, aber da gibt es auch nicht viele.

Der große Magnet sind momentan noch die Inseln Koh Rong und Koh Rong Sanloem. Die jüngeren Gäste strömen d. h.n, als ob es umsonst wäre, wobei die Preise in der Hochsaison auch schon ganz schön gesalzen sind. Koh Rong wird sich meiner Ansicht nach jedoch über kurz oder lang totlaufen, d. h. der Ruf des tropischen Paradieses wird bald dahin sein, weil die Umweltprobleme, sprich Müllentsorgung, Strom, Nachschub, etc. einfach zu groß werden. Man muss sich nur mal die Anlegestellen der Inseln anschauen. Da reiht sich ein Holzbungalow neben dem anderen. Das Publikum ist meist jung und weniger anspruchsvoll – sprich Rucksacktouristen, mit all ihren negativen Begleiterscheinungen. Koh Rong Sanloem bietet da noch ein bisschen mehr; die Probleme, sind jedoch die gleichen. Saracen Bay wird bald aussehen wie Koh Touch auf Koh Rong. Die Westküsten sind noch sehr schön, aber die See ist rauer, der Nachschub schwieriger und Strom gibt es genauso wenig. Über Koh Rong wurde ja in einem anderen Beitrag schon diskutiert.

Am Festland ist natürlich der momentane meist gefragte Ort Otres Beach I und II. Der Strand ist aber auch nicht mehr das, was er war und Otres I werden sich wohl bald verändern, wenn die 50 m Strandbreite durchgesetzt werden. Die Anlagen direkt am Strand sind der Provinz- und Stadtregierung schon lange ein Dorn im Auge. Mangels besserer Ideen haben sie aber die Anlagen unberührt gelassen. Das werden sich wohl peu a peu ändern. Dann bleiben die Grundstücke auf der anderen Seite der Straße, und davon gibt es noch einige, aber die werden dann entsprechend teuer sein. Offiziell wünscht man sich einen sauberen und höherwertigen Touristmus. Das klingt paradox für Sihanoukville, aber jeder Touristikort macht eine gewisse Entwicklung durch. Das war in Thailand nicht anders.

Die Zeiten, dass man ein Hotel für 60.000 $ bis 80.000 $ übernehmen, oder gar bauen konnte, sind wohl vorbei. Sollte man doch so eines in Erwägung ziehen, sollte man sich genau über die Konditionen, den Zustand, etc. überzeugen. Ich habe noch keins in dieser Preislage gesehen, dass ohne umfangreiche Veränderungen akzeptabel gewesen wäre.

Mit Kautionen kommt da für bessere, annehmbare Objekte schnell das Doppelte oder Dreifache zusammen. Die hochwertigen Hotels in Otres II haben um die 500.000 $ investiert. Selbst bei Preisen um die 100 $ für ein Zimmer wird es dauern, bis die ihr Geld zurückhaben. Auch hier gilt das Gleiche, wie für Restaurants. Es ist ein Vollzeitjob. Das Personal muss geschult werden und ist insgesamt relativ unzuverlässig. Heute sind sie da, morgen haben sie einfach gekündigt und sind weg. Man muss darauf vorbereitet sein, alles selber zu machen, d. h. ständige Überwachung, EDV, Marketing, Buchhaltung, alles Arbeiten für den Betreiber. Ein Khmer Manager ist in den meisten Fällen dafür nicht qualifiziert genug, Ausländer, wie etwa Philippinos/as sind es, aber sind auch teurer. Westliche Manager kann man wegen der Gehaltsvorstellungen normalerweise vergessen.

Handwerker, wie überall, bereiten einem nur Kopfschmerzen und viel Ärger. Oft haben die weniger Ahnung als man selbst. Installationen, Elektrik, Bausubstanz müssen ständig kontrolliert werden. Detailarbeit liegt den Khmer nicht besonders. An Baukosten muss man mit ca. 300 $ pro m2 für gute Arbeit veranschlagen. Es gibt natürlich welche, die bieten das für 200 $ an, aber da kommen alle möglichen Sachen hinzu, wie etwa Fliegengitter, die Klimaanlagen, alle Lampen, etc. Die Grundstücksmieten liegen heute wohl bei ca. 1000 $ – 1500 $ für 1000 m2, auch wieder ja nach Lage; Kautionen belaufen sich auf zwischen 3 und 6 Monatsmieten. Kautionen sind auch für den Stromversorger (EDC) und die Wasserwerke erforderlich. Die Müllabfuhr wird mit der Stromrechnung kassiert.

Hier noch ein paar Hinweise über die rechtliche Seite. Das gilt sowohl für Neubauten als auch für Übernahmen. Wenn das Grundstück keinen festen Titel hat (hier plan reoung genannt), d. h. beim Ministerium für Landverwaltung in Phnom Penh eingetragen ist, sollte man die Finger davon lassen. Man weiß nie, welche tatsächlichen Besitzverhältnisse da existieren. Für den Neubau benötigt man eine Baugenehmigung, die nur die Provinz erteilen kann. Die Bauunternehmen gehen da meist nur zur Kreisverwaltung (Sangkat); die geben einem ein Stück hoch offiziell aussehendes Papier und kassieren erst einmal Gebühren, die ihnen an und für sich nicht zustehen, und die können schon mal 2000 $ betragen.

In jedem Fall muss man in einem solchen Fall eine vertrauenswürdige Person haben, die einem das alles wahrheitsgemäß übersetzt. Ferner benötigt man eine Geschäftslizenz, eine Touristiklizenz und eine Steuernummer. Man bezahlt jeden Monat eine Geschäftssteuer (business tax). Die ist unterschiedlich hoch, je nach Anzahl der Zimmer. Eine Grenze liegt bei 13 Zimmern. Danach wird es teurer. Noch ist die Höhe der Steuer Verhandlungssache, aber man liest und hört, dass bald ein festes Regime eingeführt wird. Es ist auch zu bedenken, dass im Zimmerpreis 10 % MwSt. und 10 % Service enthalten sind. Die MwSt.ist abzuführen. Auch die Leuchtreklame mit Hotelnamen, etc., muss genehmigt werden und kostet etwas. Das Schild muss zweisprachig sein, zuerst Khmer und dann Englisch. Feuerlöscher müssen bei der Feuerwehr gekauft werden, die alle 3 Monate natürlich gegen Gebühr den Zustand überprüft.

Grundsätzlich solle man auch eine Regel beachten, wenn es um offizielle Besuche geht. Khmer tragen ja bei solchen Gelegenheiten immer lange Hosen und langärmelige Hemden. Man wird in deren Augen gleich um mindestens eine Stufe niedriger angesehen, wenn man diese Kleiderordnung nicht beherzigt. Eine Krawatte ist nicht erforderlich. Das Hemd sollte in der Hose sein. Ein weißes Hemd ist besser als ein kariertes.

Diese Regel gilt, auch wenn man nur ins Rathaus oder zu sonstigen Behörden geht. Selbst bei geschäftlichen Verhandlungen mit wirklichen Geschäftsleuten sollte man sich daran halten. Man hat dadurch ein höheres Ansehen. Unrasiert und in Shorts bei solchen Gelegenheiten wird von den Khmer innerlich belächelt, man nicht für ganz voll genommen – quasi diese verrückten Ausländer.

Zuguterletzt dann noch die Einwanderungsbestimmungen. Es gibt ja bekannterweise das sog. Geschäftsvisum, das ein Jahr gültig ist und ca. 290 $ kostet. Das erste Visum bekommt man nur in Deutschland bei der Botschaft. Dies sind die offiziellen Bestimmungen; inwieweit das auch noch wie ehemals am Flughafen beantragt und ausgestellt werden kann, kann ich derzeit nicht mit Sicherheit sagen. Unbestätigten Berichten nach ist das nach wie vor möglich, die Kosten sind jedoch auf 35 $ gestiegen. Das Visum ist einen Monat lang gültig und kann dann hier beliebig oft verlängert werden. Im letzten Jahr ist viel über die Arbeitsgenehmigung geschrieben worden. Jeder, der ein Geschäftsvisum besitzt, benötigt eine Arbeitsgenehmigung, d. h. auch Rentner, obwohl die ja gar nicht arbeiten. Glaubt mir, ist aber so. Wenn viele Rentner das noch nicht haben, dann nur deswegen, weil die Einwanderungspolizei und die Mitarbeiter des Arbeitsministeriums sie noch nicht entdeckt haben.

Für jedes Aufenthaltsjahr ohne Arbeitsgenehmigung muss man 100 $ nachzahlen, zusätzlich zu den 125 $ Strafe. Natürlich ist auch der Vollstreckungseifer der kambodschanischen Beamten nach einiger Zeit nicht mehr so akut. Mitte letzten Jahres waren sie sehr eifrig. Wenn ich die vielen Anträge beim lokalen Arbeitsamt sehe, könnte ich mir vorstellen, dass die meisten in SHV erfasst sind. Dem Vernehmen nach sind sie dabei, neue Visaformen einzuführen, das wird aber seine Zeit dauern. In jedem Fall brauchen Gewerbetreibende oder Geschäftsleute eine Arbeitsgenehmigung. Dies ist ein unkomplizierter Prozess und die Außenstelle in Sihanoukville ist sehr entgegenkommend. Die Kosten belaufen sich auf 100 $ pro Jahr und 40 $ für die Gesundscheituntersuchung, die allerdings nie durchgeführt wird.

So das wär´s so weit. Fragen? Über die Kommentare.

Posted in Auswandern.

14 Comments

  1. Trotz mehrmaligen Korrekturlesens, haben sich doch ein paar Rechtschreibfehler eingeschlichten, die ich bitte zu entschuldigen. Man bräuchte halt einen Lektor.

  2. @Anonymous
    Mir hat dieses Mal die Zeit gefehlt alles korrektur zu lesen, aber wenn du mir die Fehler in einer privaten E-Mail aufzeigst, will ich sie gerne korrigieren.

  3. Danke für Eure Mühe. Es ist alles ‚rübergekommen. Wen stört hierbei schon ein kleiner Rechtschreibfehler? Ein zentrales Problem ist offensichtlich immer noch die mangelnde Möglichkeit der Delegation wichtiger Tätigkeiten an Khmer. Der Unternehmer könnte dadurch mit der Zeit ‚ausbrennen‘. Auch die Möglichkeit, mit verantwortlichen, finanziell beteilgten Partnern zu arbeiten, wurde schon durchexerziert, eher selten mit Erfolg.

    Aktuell steht die hervorragende Pizzeria ‚Mediterraneo‘ in der Street 333 zum Verkauf. Dabei hatten die Italiener ein Vermögen investiert und engagiert zugepackt. Zwei Knackpunkte des Scheiterns wurden hier bereits genannt: Erstens die Lage und zweitens die Erkenntnis, dass man sich auf eigene Landsleute als Stammgäste nicht verlassen darf.

  4. @Anonymous:

    Zuerst auch von mir ein Dankeschön für Deine grosse Schreibarbeit mit den Erfahrungen in der kambodschanischen Realität! -Es braucht also Risiko-Mut und viel Startkapital für ambitionierte Unternehmer; -in einem Land wo Recht und Gesetz mit Korruption getreten wird!
    Es wäre auch interessant zu lesen ob Du selber nach all Deinen Erfahrungen nochmals bereit wärest das Gleiche zu tun…?
    Würdest Du einem „Willigen“ eher abraten; -oder würdest Du ihn eher zu einem Startversuch überzeugen wollen…?

    Ich selber bin Frühpensionär und habe keine Business-Ambitionen. Ich Frage wegen Bekannten, die sich interessieren dafür!

    Aber als Frühpensionär, sprich „Frührentner“ interessiert mich Deine Anmerkung über die Arbeitsgenehmigung für solch welche, die Du empfiehlst zu glauben. Da „Glauben“ selig macht, berufe ich mich auf die Aussagen der Immigration-Polizei bei mir zuhause Mitte letzten Jahres: „Ich müsse mir keine Gedanken machen denn dieses Gesetz gibt es noch nicht…!“ Und so hatte ich um die gleiche Zeit auch gelesen dass sich involvierte Ministerien selbst noch nicht einig sind, wie mit nichtarbeitenden Rentnern umzugehen sei!
    Von einem Bericht aus mehreren hatte ich leider nur folgenden Link kopiert:
    http://www.khmertimeskh.com/news/13889/work-permit-crackdown–westerners-next/

  5. @G.S.
    Ich war dabei, dir hier ausführlich zu antworten, stelle aber fest, dass das auch ziemlich umfangreich ist. Ursprünglich dachte ich ja, dass Leser aus den Beiträgen ihre eigenen Schlüsse ziehen werden. Die Kommentare sind aber meist nebensächlich und gehen an der Sache vorbei.
    Ich werde einen Beitrag (mit Don Kongs Einverständnis) über meine eigene Einstellung und Erfahrung mit der Arbeitsgenehmigung schreiben.
    Ich stelle jedenfalls fest, dass es wenig Expats (nicht nur Deutsche) gibt, die bekannt geben wollen, was sie hierher führt und was sie hier machen. Du bis eine der wenigen Ausnahmen.

  6. Da es ganz danach aussieht dass ich zu diesem 3.Beitrag sehr wohl noch Platz finde für weitere Gedanken aus meiner Seite, möchte ich dies gerne nutzen.
    Ich mache sehr oft bewusst oder unbewusst Vergleiche zum Nachbarland Thailand. -Und frage mich, warum denn soll hier in Kambodscha die Selbständigkeit im Gastgewerbe oder Tourismus sehr viel schwieriger sein? Oder ist das nur ein Trugschluss? Thailand scheint im Gegensatz zu Kambodscha gesättigt zu sein, weshalb man das Nachbarland Kambodscha auszukosten versucht! Aber es funktioniert offenbar nicht! Warum denn? Was ist der „Hemmschuh“…? Überspringt man Kambodscha und geht doch lieber nach Vietnam oder Myanmar? Und was studiert eine Investorengruppe, die auf Koh Rong ein 5-Sterne Hotel hinstellen wollen (Don Kong berichtete!), wo doch die schlechten Hotel-Belegungszahlen in Küstennähe eine andere Sprache sprechen…?
    Für all meine Fragen müsste man wohl Touristen um eine Beantwortung bitten! Man müsste sie fragen „warum kommt ihr nicht wieder“, -oder „warum kommt ihr erst gar nicht“… „Obwohl hier doch alles billiger ist“ müsste man noch anfügen…

  7. @G.S.
    Ich will zunächst die Arbeitsgenehmigung noch einmal aufgreifen. Ich kann da auf meine eigene Erfahrung verweisen. Ich denke, das ist aber schon einmal auf diesem Blog erörtert worden und es ist schon viel geschrieben worden über dieses Thema, vor allem auf den englischsprachigen Foren. Ich fühlte mich von den Bestimmungen über die Arbeitsgenehmigung nicht betroffen, da ich zum einen das Gesetz kannte und das sprach nur von ´arbeiten‘ und ich arbeitete ja offiziell nicht. Ich war nur Investor, sowohl in meiner Kautschukplantage als auch dann in diesem Hotel. Auch betrachte ich mich aufgrund des Alters als Ruheständler. Das Hotel läuft im Namen meiner Frau und ausserdem bin ich nicht der einzige Gesellschafter. An den Wohnorten in Phnom Penh und der Provinz Sihanoukville habe ich mich ordnungsgemäss angemeldet und eine normale Carnet de Residence erhalten.

    Mitte letzten Jahres kam jedoch eines Tages die Einwanderungspolizei und die Beamten des Arbeitsministeriums ins Hotel. Nachdem sie auf Befragen des Personals erfahren hatten, dass der Besitzer Ausländer ist, kamen sie am nächsten Tag wieder. Wir hatten darauf hin eine längere Diskussion. Deren Interpretation war, dass jemand der im Besitz eines Geschäftsvisums ist, gleichgültig, ob er im eigenen Land Rentner, Selbständiger, Unternehmensberater oder sonst was ist, hier eine Arbeitsgenehmigung braucht. Dies ist auch die Auffassung, die von der wohl grössten Anwaltskanzlei in Kambodscha, Sciaroni & Associates, ungeachtet der widersprüchlichen Auskünfte der beiden Ministerien, vertreten wird. Eine Mitarbeiterin ist gelegentlich Gast bei uns. Bretton Sciaroni ist auch einer der unzähligen Berater Hun Sens.

    Mit diesem Visum kann auch ein Rentner hier Geschäfte machen, sprich selbständige Arbeit ausüben. Es ist ja schliesslich nicht bekannt, was der (rüstige) Rentner in seiner Zeit so treibt. Die Auslegung mag von örtlichen Polizisten anders sein, das liegt aber an deren Unwissen. Mein Dorfpolizist beispielsweise, der für solche Angelegenheite zuständig ist, hat überhaupt keine Ahnung. Ich bin ja auch der einzige Ausländer in meiner kleinen Provinzstadt (20 km von SHV). Das bedeutet aber nicht, dass zu gegebener Zeit jemand mit anderen Instruktionen vorbeikommt und dann ist die Strafe fällig. Die ist nur $125, aber all die vergangenen Jahre müssen nachgezahlt werden. In jedem Visum ist das vorhergehende vermerkt, so das die Anzahl der Jahre problemlos festgestellt werden kann. Bei mir waren das aufgrund eines neuen Passes und eines einmonatigen Verlassens von Kambodscha nur 3 Jahre. Ich musste also $300 für die alten und $100 für das letzte Jahr zahlen. 2016 sind wiederum $100 fällig. Meine Arbeitsgenehmigung liegt derzeit bei der Aussenstelle hier; die warten bis ein Schwung zusammen gekommen ist, dann schicken die alle zusammen nach Phnom Penh. Und das Witzigste an der Geschichte ist natürlich, dass in meiner Arbeitsgenehmigung `retired´ und aber trotzdem ein Arbeitgeber – das Hotel – steht. Also was sagt man dazu? Ich habe die Liste der ausgestellten Genehmigungen gesehen und meinte, dass da jedenfalls so gut wie alle Restaurants und Hotels erfasst sind. Inwieweit Rentner darunter waren, konnte ich nicht feststellen.

    Meine Meinung über die touristische Entwicklung kommt später.

  8. @G.S
    Auf deine Frage, „warum kommt ihr nicht wieder“, -oder „warum kommt ihr erst gar nicht“… „Obwohl hier doch alles billiger ist“

    Ich hab schon in einem frühern Beitrag geschrieben, dass ich – also meine Frau und ich das Land schon öfters bereist haben und vorerst weiter bereisen werden. Ich gestehe auch, dass der Gedanke nach Kambodscha auszuwandern uns intensiv beschäftigt.
    Wenn ich nun überlege, was für Touris hauptsächlich das Land bereisen, liegt es auf der Hand. Es sind hauptsächlich Backpackers, sprich jüngere Menschen deren Budget begrenzt ist. Haben sie das Land oder die angepeilten Orte gesehen kommt das nächste Land dran. Das Preisleistungsverhältnis ist eine Katastrophe. Du schreibst es sehr schön – es ist alles im wortwörtlichen Sinne billiger. Auch die überteuerten Angebote sind sind zum Teil sehr billig. Z. Bsp. einen Aufenthalt auf Koh Kong, Koh Rong oder Samloem mag idyllisch sein, aber einmal reicht dann auch. Das gleiche gilt im übrigen auch für die Ecolodges in den Hinterlanden. Die Preise sind für das was geboten wird schon fast eine Frechheit. Da kommt Kambodscha gegen Thailand oder Andere nicht ran. Vom Service sprechen wir gar nicht. Da überlegt sich manch einer wo er den nächsten Urlaub verbringen wird. Ein weiterer Aspekt ist die Infrastruktur, vor allem die Strassenverhältnisse – der Weg von A nach B. Hier kommen die älteren Touri-Jahrgänge zum Zuge. Die Mögen oder können nicht mehr Tagelang in einem holprigen Bus verbringen. Haben die mal Siem und PP gesehen ist für die Kambodscha gelaufen. Somit fallen die für einen evtl 2 Besuch auch aus. In jedem Reiseführer wird mittlerweile Kambodscha als eines DER Destinationen angepriesen. Gleichzeitig liest man in jedem Forum, dass ein Besuch nach Kambodscha sehr spannend sein kann, wenn man jedoch das erste mal nach SOA reist, man mit Thailand beginnen soll. Empfehle ich übrigens auch! Nun kommt noch der nicht zu unterschätzende Aspekt der Russen. Die kommen nicht mehr so oft und in Scharen. Diese Zeiten sind vorbei. Und wenn ich mir die Arbeitsentwicklung/Situation in Europa anschaue (hier in der Schweiz fängt die Kacke auch an zu dampfen) wo mancher seinen Fokus auf die Arbeitsstelle richtet fallen für die nächsten Jahre auch etliche Touris aus.

    Wir leben in einer hochstilisierten „Geiz ist Geil Welt“. Das Abenteuer muss bei jedem Urlaub omnipräsent sein – jedoch muss es wenn möglich auf Hochglanzniveau „gepimt“ werden sonst ist der Effekt auf den Social Media Plattformen für die Katz und vor allem muss es wenig kosten. Da kann Kambodscha im Moment nicht mithalten. Für das wenige Geld wo noch für den Urlaub übrig bleibt will „ich“ für wenig viel. Und eben genau das kann Kambodscha nicht bieten!

    Grüsse aus der Saukalten Schweiz

  9. @Mauri:
    Danke für Deine Einschätzung! Ich hab’s „befürchtet“…smile…
    Bevor ich hier zu wohnen kam, hatte ich regelmässig Thailand bereist und habe deshalb genau die Unterschiede bemerkt, die offenbar auch Du bemerkt hast: Kambodscha kann nicht mithalten! Immer noch nicht! Die Gründe sind vielfältig und würde den Rahmen sprengen hier zum Blog-Thema. Indirekt spürt das jeder ausländische Business-Betreiber der mit Touristen zu tun hat…denke ich!
    Bitte verstehe mich nicht falsch: Ich bereue es noch keine Sekunde dass ich hier lebe! (darf!)
    (Bin übrigens ein „Zuger“, den es hierhin „verschlagen“ hat…)
    Grüsse aus dem warmen Kambodscha in die „saukalte“ Schweiz!

  10. @ Anonymous:
    In der Sache mit der Arbeitsgenehmigung (Work-Permit) will ich hier im Blog keinesfalls „als ekelhafter, rechthaberischer Schweizer-Bünzli“ die Leser vergraulen! Es geht mir einwenig um neu zuziehende Expats und vorallem um „Recht und Gesetz“ in dieser Frage der Work-Permits.
    Die Unsicherheit und die vielen Fragen ergeben sich nur weil das Gesetz „schwammig“ interpretiert werden kann! Das alleine ist schon fatal!
    Seit 4 Jahren wurde das Business Visum umbenannt auf „Ordinary Visa“! -Mit diesem kann ich innert einer Frist ein Jahresvisum beantragen -und erhalten!
    Falls das so ist wie Du in Deinem Beitrag schreibst, müssten alle Expats (ausser NGO’s etc.) noch zusätzlich zum Jahresvisum eine Arbeitsbewilligung zahlen, wo ich mich denn schon frage, weshalb man das nicht gleich auf die Kosten des Jahresvisums schlägt!
    Oder anders gefragt: Welche Spezi von Expat (ausser NGO etc.) muss denn diese Work-Permit nicht bezahlen…? Niemand schreibt über das!
    Ich arbeite nicht und nehme keinem Khmer den Arbeitsplatz weg! Im Gegenteil: Mit den täglichen Lebensbedürfnissen schmeisse ich von meinem ersparten Geld noch welches in die Wirtschaft des Landes und unterstützte eine Khmer-Familie und später das Schulgeld für unsere Tochter, wo von der Regierung eh nichts zu erwarten ist!
    Jetzt „outet“ sich einer z.B. als Investor einer Sache die Einkommen abwirft und noch Papiere vorlegt die beweisen dass die „Sache“ auf den Namen seiner Ehefrau läuft, hat dieser Investor bereits gearbeitet; -er hat investiert damit seine Frau Geld verdienen kann und weil er verheiratet ist wird er am Erfolg beteiligt sein! -Also ist das als Business zu werten! -Und wahrscheinlich eben auch von einer noch so „schlauen“ Anwaltskanzlei…!
    Und nochwas: Kennt irgend Jemand ein Land wo ein „nichtarbeitender Rentner“ eine Arbeitsbewilligung aufgezwungen erhält, obwohl er nicht arbeitet…?
    Oder kennt ein Blog-Leser ein Beispiel eines Rentners, der mit Busse und Nachzahlungen um die Hälfte seiner Monatsrente geprellt wurde, als „sie“ vorbeikamen eines Tages?
    Von solchen Geschichten habe ich nie etwas gehört oder gelesen! Es sind Legenden in einem
    korrupten Staat…der mühselig versucht ist diese zu bekämpfen…

  11. @G.S.
    Deine Bemerkungen sind grösstenteils für die Sache nebensächlich. Gerüchte gibt es viele, mein Bericht beruht auf Tatsachen. Und bitte sei nicht schlauer als eine der ältesten RA-Kanzleien in Kambodscha, mit den besten Verbindungen in die Regierung. Die Kanzlei hat die gleiche Auslegung und nichts mit meiner Sache zu tun.
    Was andere Länder machen oder was (nicht nur ) du als Recht und Gesetz empfindest, ist hier nicht massgeblich. Lies das Gesetz nach. Darin steht `Wer angestellt ist`. Ein Investor ist nicht angestellt, noch ist es ein Unternehmensberater, auch Consultant genannt, oder freischaffender Rechtsanwalt. Die benötigen aber trotzdem das ´work permit´. Basta.

    Lies den Kommentar noch einmal durch. Auch Rentner können Investoren oder Restaurantbesitzer sein. Heute arbeitest du nicht, morgen jedoch eröffnest du ein Restaurant. Das ist die Denkweise, die mir dargelegt wurde. Siehe mein Beispiel. Ich bin ´retired‘ und als solcher anerkannt. Klartext: Business Visa = Geschäft; das hat nichts mit meiner Frau zu tun. Das war nur meine Erklärung den Beamten gegenüber. Hier mein `work permit´. http://imgur.com/WPRQndX

    Bist du angemeldet mit entsprechender Bescheinigung? Deine persönliche Situation ist für die Behörde belanglos. Du bist Ausländer, der hier Gastrecht geniesst und unterliegst den Vorschriften, wie die auch immer ausgelegt werden. Das hat nichts mit `geprellt` zu tun.

    Wenn du denkst, das die gegenwärtige Regelung auf Dauer so weiter geht, irrst du gewaltig. Es werden verschiedene Visaformen eingeführt. Eine davon ist ein Retirement Visa wie in Thailand. Da muss man THB 80,000 auf dem Bankkonto vorweisen, ein monatliches Einkommen von THB 65,000 nachweisen, oder eine Kombination von beiden = THB 800,000 vorweisen. Ähnliches gibt es in Malaysia.

    Hier wird die Regelung wahrscheinlich auf die gleichen Kriterien hinauslaufen, wie für die Heiratsgenehmigung, sprich 50 Jahre alt, und ein Mindesteinkommen. Bis es soweit ist, werden sicherlich ein oder zwei Jahre vergehen. Es wird kommen.

  12. Bezüglich der Workpermit hier meine persönliche Erfahrung. Die ganze Diskussion Ende vorletzten Jahres, Beginn letzten Jahres hatte mich doch sehr verunsichert. Nachzahlungen etc. dazu viel phantasievolle Gerüchte die in Expatkreisen umherschwirrten. Um dies zu klären bin ich dann mit meiner Frau (einer Khmer) zu der zuständigen Behörde gefahren, welche ca. 1,5 km von der Angkorbrauerei entfernt liegt. Ich hatte meinen Reisepass und genügend Geld dabei um alles gleich zu erledigen. Nachdem ich mein Anliegen vorgebracht habe gab es nach einem mittellangem Gespräch letztendlich nur eine Frage zu klären. Arbeiten sie? Nachdem ich diese verneint hatte sagte die Dame; “ dann brauchen sie auch kein Workpermit.“ Welches ich bis heute nicht habe. Wie gesagt nur mein Erleben mit der für Workpermits zuständigen Behörde.

  13. @Anonymous:
    Ich möchte hervorheben dass ich Deine Arbeit zu Deinen 3 Berichten sehr respektiere und auch würdige! Ich glaube sehr dass das auch andere tun, die jetzt halt nicht kommentieren!

    Es scheint dass der Begriff „Work-Permit“ aus Deinem letzten Bericht in einem Dialog endet.
    Aber 2 gegenteilige Meinungen ergeben ja erst den Dialog! Ich hoffe einen friedlichen…

    Wenn ich Deinen obigen Kommentar „von hinten aufrolle“ erkenne ich schon mal einen gemeinsamen Standpunkt; -nämlich dass die heutige Regelung (Visa etc.) Änderungen erfahren wird in Zukunft. Dies auch im Zusammenhang mit der länderübergreifenden ASEAN-Abstimmung.
    Thailand verlangt für ein Jahresvisum, wie Du schreibst, eine finanzielle Absicherung für den Antragsteller. Damit wird schon mal der „Spreu vom Weizen“ getrennt; denn der Staat will für Mittellose nicht aufkommen müssen und das hat nichts mit einer Arbeitserlaubnis zu tun, was hier in unserem Dialog vielleicht zu Missverständnissen führt? So agieren auch andere ASEAN-Staaten!
    Aber das ist Zukunftsmusik für Kambodscha! Wir sprechen aber über die Gegenwart!
    „Heute arbeitest du nicht, morgen jedoch eröffnest du ein Restaurant. Das ist die Denkweise, die mir dargelegt wurde…“ -hast Du oben erwähnt! -Das wäre also die in die Zukunft gedachte Denkweise! Und das ist was ich vehement bestreite! Oder: Könnte eine solche Denkweise überhaupt zu Fortschritten im ASEAN-Abkommen führen…?
    Oder: Was würdest Du denken wenn ein Arbeitsbewerber in Deinem Hotel am ersten Tag sein Salär verlangt für den ganzen Monat? Vielleicht arbeitet er; -vielleicht auch nicht…
    Du hast Deine Geschichte erlebt und sagst „sie beruhe auf Tatsachen“!
    „Meine“ Migrationspolizisten von Sihanoukville hatten mir eine andere Tatsache erklärt: „No Work – No Work-Permit“! Offenbar gehöre ich in diese Kategorie…
    Alle und jeder will „beste Verbindungen zum Grossen Führer“ haben“! Ob’s jetzt eine „Mottah-Travel“ ist oder eine Anwaltskanzlei oder eine Sekretärin der hiesigen „Hillton Park Villa“-Siedlung! Man frage sich…! (!) Gibt’s das auch im Land von Angela Merkel…?

  14. @G.S. und @Sindelar
    Ich nehme mal an, dass ihr mein Workbook eingesehen habt. Es ist die Seite, die sich auf das Visum bezieht. Daran könnt ihr eindeutig ersehen, dass die Regelung, wie ich sie beschrieben habe, angewandt wird.
    Ich habe mit der gleichen Dame in der Aussenstelle des Arbeitsministeriums über diese Frage diskutiert. Das war möglicherweise nachdem sie die Anordnung von Phnom Penh bekommen hat, dass dies so handzuhaben ist. Vorher mag sie das selbst nicht so gesehen haben. Wir haben die Anordnung des Ministeriums in Khmer selbst gelesen.

    In jedem Fall sieht man daran, dass zumindest anfangs widersprüchliche Auslegungen gegeben waren. Wenn du mit der Immigration allein sprichst, beziehen die sich immer nur auf das Visum, und das wird ohne Vorlage des work permits erteilt. Das Arbeitsministerium ist hier die zuständige Behörde. Warten wir es ab, was in Zukunft mit den Rentnern passiert. Das deutsche Wort ist auch anders zu sehen, als das englische. Ein Selbständiger ist nie Rentner, ggf. ist er Rentier, oder Ruheständler. Ansonsten ist es ziemlich müssig, weiter darüber zu diskutieren, weil jeder natürlich seine eigene Situation sieht. Mir ist das alles ziemlich egal.

    Viel wichtiger für die Selbständigen ist die bevorstehende Änderung in der Anwendung der Steuervorschriften. Ich werde zu gegebener Zeit darüber berichten.

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