Ich kenne es nur so, dass wenn man in Kambodscha etwas von einer Behörde oder einem Amt haben will, es immer irgendwelche Schwierigkeiten gibt. Ein gutes Beispiel dafür war ja die Sache mit der Wohnsitzbestätigung, wofür ich vier Mal zur Polizeistation fahren musste. Dass die Beantragung der Arbeitsgenehmigung auf dem Arbeitsministerium bis hierhin so reibungslos funktionierte, hat mich ehrlich gesagt erstaunt. Zumal das Beantragungssystem völlig neu ist und die Möglichkeit, auch als Freiberufler eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, erst seit Kurzem besteht.

Es war also keine große Überraschung, dass es bei meinem letzten Besuch plötzlich zu einem Problem kam. In diesem Fall war daran jedoch nicht das neue Beantragungssystem schuld, sondern eine offenbar unzureichende Einarbeitung der zuständigen Beamten.

Noch vor dem Jahreswechsel bekam ich den erwarteten Anruf vom Arbeitsministerium, das mein Gesundheitsattest fertig sei. Also fuhr ich am nächsten Tag dort hin, um, wie vorher besprochen, mit einem Mitarbeiter zusammen das Beantragungsformular auf der Webseite auszufüllen. Trotz mangelhafter Englischkenntnisse des Mitarbeiters funktionierte alles problemlos, er fragte mich, ich antwortete und er gab es auf Khmer in den Computer ein.

Dann wollte er das Passwort von meinem E-Mail-Konto haben. Ich war etwas irritiert und weigerte mich natürlich. Auf die Frage, was das Passwort meines E-Mail-Kontos mit der Arbeitsgenehmigung zu tun hat, konnte er mir keine Antwort geben. Er schickte mich in das gegenüberliegende Büro, zur Büroleiterin/Abeilungsleiterin, oder was auch immer sie dort für eine Funktion hat. Jedenfalls ist das die Dame, die so aussieht, als ob mir ihr nicht gut Kirschenessen ist.

Nachdem ich ihr mein Problem geschildert hatte, sprang sie von ihrem Schreibtisch auf und ging mit mir zurück in das andere Büro, wo ihr Mitarbeiter saß. Sie sprach mit ihm auf Khmer und fuhr mich plötzlich in unangemessen scharfem Ton an, das sie nicht für mich tätig werden können, wenn ich nicht mein E-Mail Passwort nenne und dass ich ihre Zeit vergeuden würde. Ich solle meine Unterlagen nehmen und das Beantragungsformular zu Hause selber ausfüllen.

Ich wendete ein, dass es sich dabei wahrscheinlich um ein neu zu wählendes Passwort handelt, damit ich mich später auf der Webseite des Arbeitsministeriums anmelden kann. Nein, sie bestand energisch darauf, das ich meine E-Mail Passwort nennen müsse. Nun hatte der Spaß ein Ende für mich, ich stand auf, griff mir meine Unterlagen und ließ sie noch wissen, dass es eine meiner leichtesten Übungen ist, so ein Formular auszufüllen und das ich nur wollte, dass sie sich die 10 $ Bearbeitungsgebühren verdienen können. Damit war ich raus aus dem Büro!

Als ich nach Hause kam, machte ich mich sofort daran meine Dokumente einzuscannen und dieses verdammte Formular auszufüllen. In etwa 15 Minuten war alles erledigt, auf dem Bildschirm erschien die Nachricht, dass mein Antrag erfolgreich eingegangen ist und ich auf weitere Instruktionen per E-Mail warten soll. Selbstverständlich handelte es sich bei der Frage nach dem Passwort, um ein neu zu Wählendes und nicht um das Passwort von meinem E-Mail-Konto. Prompt darauf traf die Bestätigung, sowohl als E-Mail, wie auch per SMS bei mir ein.

Danach kam eine zweite Nachricht, in der es hieß, dass es eine Beanstandung gab. Ich hatte fälschlicherweise mein aktuelles Visum hochgeladen, aber sie wollten das erste Visum, mit dem man zum ersten Mal in Kambodscha eingereist ist. Auch das habe ich mittlerweile erledigt, sodass nun der Erteilung meiner Arbeitsgenehmigung für 2017 nichts mehr im Wege stehen dürfte. Aber wir sind hier in Kambodscha und da weiß man nie genau was als Nächstes kommt. Bleibt dran, um zu erfahren, ob es geklappt hat.

Wer am gesamten Prozess der Beantragung einer Arbeitserlaubnis interessiert ist, sollte auch die beiden vorangegangenen Beiträge zu diesem Thema lesen:

Arbeitserlaubnis in Kambodscha für freischaffende Selbstständige

Arbeitsgenehmigung – Wohnsitzbestätigung von der Polizei