Gastbeitrag von Guido Schmid (Sihanoukville, Kambodscha)

Es passierte genau am 25. Juni vor 10 Jahren, an einem Montag im Jahr 2007. Im dichten Dschungel des „Elefantengebirges“ (Phnom Damrey), nahe dem Bokor-Hill, stürzte ein Passagierflugzeug ab, wobei alle 22 Insassen den Tod fanden. Der Flieger war im Anflug auf Sihanoukvilles „Mangroven-Airport“, bzw. Kaong Kang, wie er im Volksmund der Khmer heißt. Dieser Absturz im Juni 2007 besiegelte das vorläufige Ende des offiziellen Flugverkehrs in Sihanoukville, nachdem der Flughafen erst 6 Monaten zuvor für Passagier-Fluggesellschaften freigegeben wurde.

Seit der Fertigstellung 1960 hat es lediglich Flüge zu privaten und militärischen Zwecken gegeben. Dabei ereignete sich am 7. Juli 1972 ein Vorfall, bei dem eine DC-3 Transport-Maschine nach der Landung, beim Ausrollen, wegen vermutlich ungenügender Bremswirkung, am Ende der Piste in einem Wassergraben landete. Das Flugzeug nahm irreparablen Schaden, ohne das jemand verletzt wurde … aber das nur nebenbei.

Flugzeug vom Typ Antonov 24B, mit dem Firmen-Slogan "Glide on our Wings".

Antonov 24B – Copyright Wolfgang Hut, Airliners.net

Die Maschine vom Typ Antonov 24B der kambodschanischen „PMT Air“ war mit Flug Nummer U4-241 um 10:00 Uhr morgens in Siem Reap pünktlich gestartet. Das Wetter war typisch für die Regenzeit. Über der Provinz Kampot meldete der Pilot, Nikolay Pavlenko aus Usbekistan, dass er in Gewitterturbulenzen, bei starkem Monsunregen geraten sei. Einen Notruf sendete der erfahrene Antonov Pilot aber nicht ab. Um 10:40 Uhr, etwa 10 Minuten vor der geplanten Landung, verschwand die Maschine vom Radarschirm. Bodenmannschaften, Freunde, Angehörige und viele andere Menschen am Flughafen Sihanoukville warteten vergebens.

In Windeseile wurde eine groß angelegte Such- und Bergungsaktion in die Wege geleitet. Gemäß den letzten Radaraufzeichnungen und Aussagen von Zeugen die Geräusche hörten, konnte das Absturzgebiet ziemlich genau eingegrenzt werden. Die Suche wurde jedoch wegen des immer schlimmer werdenden Monsunsturmes abgebrochen. Erst am folgenden Tag besserte sich das Wetter. Inzwischen hatte man den Suchtrupp auf Geheiß des großen Führers auf 1000 Mann angehoben und selbst Minenräumtrupps aus nördlichen Landesteilen wurden dazu abkommandiert. Auch Bergungsspezialisten und Helfer aus Südkorea, Russland und den USA waren schnell vor Ort.

Im Laufe des Tages wurde das Flugzeugwrack von einem Helikopter aus gesichtet und am nächsten Tag, gelang es den Bergungsmannschaften durch den Dschungel zur Absturzstelle vorzudringen. Das Wrack lag kopfüber und komplett zerrissen an einer steilen Bergflanke auf 500 bis 600 m Höhe. Später hat sich bestätigt, dass der Pilot die für, dass Bokor-Gebiet vorgeschriebene Mindestflughöhe von 1200 m, trotz Warnung des Towers, nicht eingehalten hatte. Es gab keinen Feuerausbruch beim Absturz und der Flugdatenschreiber konnte schnell gefunden werden. Man schickte ihn nach Russland, wo er ausgewertet wurde, ohne dass die Auswertung, bzw. die Ergebnisse jemals veröffentlicht wurden.

Unter den 22 Opfern befanden sich 13 südkoreanische Touristen und 3 Passagiere aus der Tschechischen Republik sowie 6 Crewmitglieder. Es folgte ein langer Rechtsstreit über die Kompensationszahlungen an Opferangehörige. Die 2003 gegründete PMT-Air wurde im August 2008 liquidiert, am Ende hatte sie eine Flotte von 6 Flugzeugen, darunter 2 AN-12, 2 Boeing 737-200 und 2 Douglas MD-83 (DC-9).

Informatives zum Flughafen Sihanoukville

Der „Mangroven-Airport“ in Sihanoukville hat die 3-längste befestigte Start- und Landebahn in Kambodscha. Insgesamt gibt es im ganzen Land verstreut 17 registrierte Flugplätze. Neben den 3 internationalen Flughäfen Phnom Penh (PHN), Siem Reap (REP) und Sihanoukville (KOS), besitzt der Rest meist nur Schotter- oder Graspisten.

Ausrangierte Antonov 24B in einer Stand-Disco in Sihanoukville.

Alte Antonov 24B als Dekoration über der Tranzfläche

Nach der Niederschlagung der Roten-Khmer wurde die Landebahn des Flughafens in Sihanoukville von 1295 m auf 2500 m verlängert. Jedoch hatte man vergessen, auch die Breite anzupassen. Diese sollte nach ICAO-Norm 45 m betragen, damit auch C4-Class Flugzeuge wie z. B. der Airbus A319/320/321 oder die Boeing B737 darauf landen können. Bis heute beträgt die Breite nur 40 m, was wahrscheinlich auch einer der Gründe sein dürfte, weshalb renommierte westliche Fluggesellschaften den Anflug auf Sihanoukville meiden. Trotzdem ist der Flughafen am 14. Dezember 2011 in Zusammenarbeit mit der nationalen Fluggesellschaft „Cambodia Angkor Air“ wieder eröffnet worden und bekanntlich mit stetig wachsendem, nach China gerichteten, Flugverkehr immer noch in Betrieb.

Flugzeuge vom Typ Antonov 24B, sieht man heutzutage immer weniger. Nach über 1300 produzierten Maschinen wurde die Produktion eingestellt. Die Volksrepublik China kaufte die Patentrechte und produzierte den Flieger als ihre eigene Version mit „Xi’an Aircraft Corp.“ als „XIAN Y-7“ weiter, aber nur mit mäßigem Erfolg.

Hier in Sihanoukville findet man noch eine originale russische Antonov 24B zum Anfassen. Und zwar auf der großen Terrassenfläche des „Doroshenko“ Appartmenthauses, auf dem Victory-Hill. Vorher diente der Oldtimer viele Jahre als Dekoration in einer ehemaligen Strand-Disco am Victory-Beach.