Auswanderer mit Tropenkollar

Tropenkoller bei Auswanderern?

Neulich erweckte die Aussage eines Bekannten, der meinte, dass einige in Kambodscha lebende Ausländer an einem Tropenkoller leiden würden, mein Interesse. Dabei ging es mir speziell um das Wort „Tropenkoller“, welches ich zwar schon irgendwo einmal gehört habe, aber trotzdem nicht richtig einordnen konnte. Mir stellten sich die Fragen, ob „Tropenkoller“ wirklich eine Krankheit ist, die Ausländer in tropischen Gebieten bekommen können und ob es hier in Kambodscha wirklich Ausländer gibt, die davon betroffen sind?

Mein Bekannter meinte nur ich solle selber recherchieren und mir dann auch selber meine Meinung darüber bilden. Also begann ich mich, mit dem mysteriösen Tropenkoller auseinanderzusetzen. Dabei fand ich heraus, dass der Begriff „Tropenkoller“ während der deutschen Kolonialzeit in Berlin geprägt wurde. Ursprünglich als scherzhafte Bezeichnung für die verbreitete krankhafte Reizbarkeit und Schroffheit europäischer Beamter in den afrikanischen Kolonien gebraucht.

Der Begriff gewann schnell an Bedeutung und wurde immer häufiger in den Bereichen der Tropenmedizin, Psychiatrie, Tropenhygiene und sogar der Sexualwissenschaft verwendet. Es dauerte auch gar nicht lange bis „Tropenkoller“ sogar in den meisten deutschen Lexika und Wörterbüchern auftauchte. Im Deutschen Kolonial-Lexikon zum Beispiel wurde unter Tropenkoller auf Nerven- und Geisteskrankheiten verwiesen, woran sich bis heute nicht viel geändert hat.

So findet man in online Lexika für die Begriff Torpenkoller durchweg Erklärungen wie diese hier:

… bei Bewohnern gemäßigter Breiten im tropischen Klima ausgelöster Koller. Als Ursachen werden neben den ungewohnten bioklimatischen Verhältnissen (Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit) mangelnde soziale Beziehungen (Isolation) oder fehlende Erlebnisreize angesehen. Zur Auslösung oder Steigerung können u. a. auch Alkoholmissbrauch und Infektionen beitragen.

… oder auch

Erregungszustand bei Nichteinheimischen unter der Einwirkung des Tropenklimas, von Tropenkrankheiten, Alkohol u. a.

Wenn man sich genauer mit dem Thema befasst und sich dann so einige in Kambodscha lebende Ausländer ansieht, könnte man durchaus zu der Auffassung gelangen, das sie an einem Tropenkoller leiden. Wie sonst soll man sich das unglaubliche Verhalten, welches der Eine oder Andere hier an den Tag legt, erklären?

Wer ganz genau über Tropenkoller bescheid wissen will: http://dare.uva.nl/document/2/62968

Quellen: http://universal_lexikon.deacademic.com/129233/Tropenkoller und http://www.enzyklo.de/Begriff/Tropenkoller

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8 Comments

  1. Endlich mal eine Sachliche Erklärung für den ein oder anderen hier vor Ort. Einige hier sollten sich mal für ein paar Monate eine Auszeit in einem kalten Land gönnen. Viel zu viele Hitzköpfe hier mit Ihrer verdrehten Weltanschauung und Neiderei.

  2. Einfach köstlich, diese Definitionen, weil sie haargenau zutreffen.:-) Der Kambodscha-spezifische Tropenkoller ist noch verschärft durch das Einwirken von Frauen und Drogen.
    Besonders gefährdet sind Personen, die bereits vorgeschädigt hier ankommen: Mit Deutschland-Unverträglichkeit,Thailand-Koller oder beidem.

    Der Kambodscha-spezifische Tropenkoller verläuft nicht selten tödlich. Heilungschanchen bestehen im Lande nicht – mangels psychosozialer Therapieangebote.

    Abhilfe verspricht allenfalls ein Flugticket in gemäßigte Zonen, in denen Frauen, Alkohol und Drogen in den erforderlichen Mengen für die Patienten unerschwinglich sind. 🙂

  3. Danke fuer diesen Beitrag, hat mir gut geholfen bei der Selbstdiagnose & Selbsterkenntnis meines augenblicklichen, depressiven und gereizten Zustands. Werde mich bemuehen und meine Mitmenschen nicht darunter leiden lassen. Das empfehle ich jedem, dem ab und zu das Klima und die immerwaehren gleichen Leute zum Hals raus haengen. Mal ueber den Gartenzaun schauen, sich beschaeftigen und sich etwas sonniges ins Gemuet ziehen ! Erfolgserlebnisse hat man nicht durch Tiefschlaf

  4. Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, sollte man den Kontakt zu gefährdeten Personen auf ein Minimum reduzieren und seine tägliche Dosis an Frauen, Drogen und Alkohol nochmals überprüfen.

    Wie hoch ist eigentlich die Inkubationszeit dieser Barang-Seuche?

  5. Nun ja, die stumpfen Blicke toter Augen haben mich schon desöfteren abgeschreckt, überhaupt eine Konversation anzufangen. Fast alle haben die gleiche Platte aufgelegt. Wissen alles besser, können alles besser…. zumindest was das Umfeld der nächsten 200 Meter zwischen Bett und Kneipe angeht. Es ist kein Phänomen aus Kambodscha, sondern überall zu beobachten, wo die Sonne etwas höher steht. Vom Tropenkoller infiziert wird offensichtlich alles, was in Bereichen unterhalb der Körpertemperatur geboren wurde und lässt sich geografisch nicht so einfach festlegen. Engländer und sibirische Kälte gewohnte Russen sind am meisten betroffen. Jedoch auch Deutsche, Australier und jenseits von Gut und Böse schwebende Amis werden häufig von ihren Anfällen geplagt. Nicht einmal eigentlich liebenswerte Franzosen sind geschützt. Ihre nächtlichen Anwandlungen des lautstarken Dauerrandalierens haben letzten Endes dazu geführt, unser Domizil in Sihanoukville vorzeitig abzubrechen und uns in gesittetere Gefilde zu begeben. Eine weise Entscheidung.

  6. @Hartmut: Kann mir gut vorstellen, dass einem solche Dauerbelästigung mit der Zeit ganz schön auf den Geist gehen kann!… Wo habt Ihr nun die Zelte aufgeschlagen? 😉

  7. Ich bin zwei mal im Jahr für jeweils einen Monat in
    Siem Reap bei der Familie, @K.F. Die Brötchen muss ich vorerst jedoch noch in Deutschland verdienen. Urlaub verbringen wir sonst immer in Kampot, Koh Kong oder eben Sihanoukville. Bis die Franzosen kamen. Aber nicht nur das… Sihanoukville hat sich in den letzten Jahren ziemlich zum Negativen verändert. Erst kam die Brandrodung am ruhigen Victory Beach mit den tollen Restaurants, alles war platt und wir sind in ein Hotel am Ochheuteal umgezogen. Dort waren nachts die französischen Affen los und wir sind ausgerissen. Jetzt sollen die Liegen am Strand auch noch weg. Irgendwann macht dort Strandurlaub keinen Spaß mehr und wir bleiben besser zu Hause. Siem Reap ist doch auch ganz schön.

  8. @Ivo: Die Inkubationszeit des Tropenkoller-Virus beträgt i.d.R. ca. 3-4 Monate und kann sich während der Regenzeit halbieren. Untrügliches Symptom für den Ausbruch der Krankheit: Die Patienten verteilen zwanghaft ‘Rote Daumen’ an vernünftige, hilfreiche oder satirisch gemeinte Kommentare bei Don Kong 🙂

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