Klärbecken in Sihanoukville mit dreckigem Wasser.

Was umweltbewusste Expats in Sihanoukville bewegt

Selbst ein Kurzeiturlauber bekommt die argen Defizite mit, die die Stadt Sihanoukville noch mit der Müllentsorgung und der Wasseraufbereitung hat. Ob es stinkende Müllhaufen in den Nebenstraßen sind, oder man nach dem Duschen juckende Stellen auf der Haut bekommt, all das sind Auswirkungen der immer noch mangelnden Infrastruktur.

Um mehr darüber zu erfahren, hat sich ein hier lebender Expat aus der Schweiz, der nur G. S. genannt werden möchte, auf den Weg gemacht, um ein paar Fotos von Sihanoukvilles Wasseraufbereitungsanlage und der Mülldeponie zu schießen. Dazu hat er noch einen Beitrag geschrieben, der sehr schön das wieder gibt was umweltbewusste Expats in Sihanoukville so bewegt.

Wenn ich schon hier im schönen Sihanoukville lebe, wo ich es immerhin mit staatlicher Genehmigung “noch” darf, dann sollte es mich im weitesten Sinn auch interessieren, was denn mit all den Abwässern hier in dieser 240.000-Einwohnerstadt passiert!

Eingang zur Wasseraufbereitungsanlage der Stadt Sihanoukville.

Die Wasseraufbereitungsanlage in Sihanoukville.

Jedes Mal wenn ich bei der Wasseraufbereitungsanlage vorbeifahre, sehe ich 2 große Klärbecken. Zwei Klärbecken? Nein, es sind deren sogar 8 Becken!

Ein Bericht in der “Cambodia Daily” aus dem Jahr 2002 lies damals vermuten, dass man das Abwasserproblem erkannt hat und dem ein Ende bereitet: https://www.cambodiadaily.com/archives/adb-gives-millions-for-water-treatment-plant-29367/

Klärbecken in Sihanoukville mit dreckigem Wasser.

Klärbecken mit dreckigem, stinkenden Wasser

Weit gefehlt, nun nach 13 Jahren stand ich wieder vor den 8 Becken und fragte mich, welche Art von Abwasserklärung hier eigentlich stattfindet, bzw. wie diese Klärung funktioniert? In allen 8 Becken befand sich nichts weiter als “vergammeltes” Wasser! Und weil ich hier ohne Wissen und Ahnung von Wasser-“Klärung” spreche, wäre ich jedem dankbar, der mir diese Wasser-“Klärung” er”klären” kann.

Dazu einige “Gift-Tabellen”, die mich erschaudern lassen: http://www.wepa-db.net/policies/state/cambodia/seaarea3_10_3.htm

Außerdem interessiert es mich als Expat in Sihanoukville auch, wohin der ganze Müll dieser Stadt gefahren wird.

Müll und Abfall aus Spitälern, Industrie, Hotels und Privathaushalten. Es müssen Tonnen an Müll sein. Hier ein Bericht in englischer Sprache aus dem Jahr 2003, mit Details darüber, wie man die Müllentsorgung geplant hat: Solid Waste Management in SihanoukvilleAber was helfen all diese Informationen, wenn man den chronisch hustenden Kindern und Erwachsenen hier nicht ein Mal vermitteln kann, dass sie beim Verbrennen von Plastik und andere Kunststoffen, giftige und Erbgut schädigende Dioxin-Gase aus der Atemluft inhalieren!

Die Abfall-Entsorgung in unbewohnten Gegenden, weit außerhalb der Stadt, wo die Grundwasserverseuchung die Leute nicht direkt schädigen kann, muss ich gerechterweise aber anerkennen! Wie war es doch noch vor den Jahren der Kehrrichtverbrennungsanlagen bei uns in der Schweiz? Der Müll aus dem Tessin wurde später sogar mit der Bahn in die Nordschweiz “transferiert”, um Verbrennungsanlagen “rentabel” zu halten! Und wie tun wir uns heute schwer mit der Atom-Müll Beseitigung, die dem Steuerzahler Milliarden kostet?

Heute kann man aus dem Abfall Strom erzeugen! Ich staune, dass hier in Kambodscha noch kein japanischer, chinesischer oder koreanischer “Entwicklungshelfer” mit einem Projekt in der Reihe steht!

Die Hinweistafel am Straßenrand an der Mülldeponie Sihanoukville.

Die Hinweistafel mit der rot markierten Mülldeponie

Als mich neulich mein Weg in den Stung Hav District führte, stieß ich dort auf eine Tafel, die am Straßenrand steht und die den Weg in eine mehrere Hektar große offene Mülldeponie beschreibt. Die Mülldeponie von Sihanoukville! Die Karte auf der Tafel zeigt eine gewaltige rot markierte Fläche, die zur “Attwood Investment Group” gehört und von der Teile als Mülldeponie genutzt werden.

Dazu fand ich dann in Sihanoukvilles Solid Waste Management Bericht einen Absatz, der mich nachdenklich stimmte. Da steht in englischer Sprache, unter 3.2 Landfill: “At present, the only landfill is sitting very close to the water- fall area, with the area is about 8 ha. It is situated 23km north- east of the Town, in Sangkat Betrang, Prey Nub district, Sihanoukville. The waste collection company has a responsibility to construct the landfill and roads for transportation and disposal wastes, but they only have done without technically, that means improper landfill has been used. There is no professional landfill for domestic and industrial solid waste disposal, all kinds of wastes are disposed in the open landfill with improper management.”

Da mag man sich fragen, wie sauber das Wasser von den 4 Flüssen ist, die im “Kbal Chhay” Wasserfall zusammenfließen. Mindestens 1 Fluss, der “Prek Tuk Sap”, müsste von der nahen Müllhalde erheblich betroffen sein!

Alles in allem keine erbaulichen Aussichten in Sachen Umweltschutz, wir alle in Sihanoukville dürfen gespannt darauf sein, wie die Regierung die Situation unter diesen Voraussetzungen zukünftig meistern will.

Posted in Sihanoukville.

20 Comments

  1. @G.S. Sehr guter Bericht. Es gibt noch viel zu tun. Jeder kann im kleinen, in seiner Umgebung, versuchen einen Beitrag zu leisten. Danke

  2. … mal ein Beitrag mit Fragen an denen sich jeder mit vernünftigen Informationen beteiligen kann…ohne jede Art von Belehrung und “Besserwisserei”…
    mal sehen wie das ausgeht… 🙂

  3. 13 Jahre und kein bisschen weiter…
    Die Regierung wird die Situation zukünftig wie gehabt meistern nämlich gar nicht. Zudem kann es ja nicht so schlimm sein. Sonst kämen ja nicht jedes Jahr so viele Touristen aus den Industriestaaten nach Sihanoukville wo es ja bekanntlich die schönsten Strände der Welt hat. Besser noch ein paar Jahre warten und nicht’s überstürzten. Buddha wird das schon mal regeln.

  4. Danke, @G.S., für die Recherche. Klar, dass Weiterführendes den Rahmen dieses Blogs sprengen würde.

  5. Zitat Herby
    Klar, dass Weiterführendes den Rahmen dieses Blogs sprengen würde.

    Mich würde aus rein technischer Sicht interessieren, was du mit “Rahmen dieses Blogs sprengen” meinst?

  6. habe mich auch gefragt.was die grossen becken da, auf dem weg nach otres bedeuten. wissende meinen ,es sind absetzbecken…habe des oefteren jauchelaster dort herenfahren gesehen… das grobe setzt sich unten ab und das feine, es stinkt ja dort nicht, wird durch einen kleinen fluss ins meer geleitet..vorstufe zu einer klaeranlage……

    was mich aber wirklich wuetend macht ist die dummheit der leute,wenn es darum geht ein neues resort auzubauen,kann man in beiden otres straenden immer wieder sehen. wenn der bagger eine grube graebt, so stoesst er immer bei 2 meter tiefe auf grundwasser,,erstmal wird ,vor aller augen die scheissgrube gebaut und direkt daneben wid das trinkwasser erworben,,,, die grundstuecke sind klein und teuer in der miete ,da wird auf kurze zeit spekuliert und dann verkauft..
    mit den gegebenheiten muessen wir leben, wenigstens halten sie mich nicht davon ab den winter hier zu verbringen,ferdi

  7. @Don Kong: Gerne – also konkret: Dieses Thema als solches betrifft ja nicht nur die grünen Männchen von der Müllabfuhr und ein paar Klärbecken, sondern ist enorm breit angelegt. In der Umweltpolitik (hier: Müllentsorgung vs.Trinkwasserversorgung) spielen Finanzen eine Rolle, Fragen der Chemie, der Biologie und Geologie, der Interessenlagen – über Soziologie bis hin zu Parteipolitik und Korruption…ein klassischer Fall für eine Podiumsdikussion, die nach Stunden ohne konkretes Ergebnis endet. In Schriftform, wie hier im Rahmen Deines hervorrragenden Blogs, wird man die Vielfalt des Themas nur anreißen können. Erfreulich jedoch, dass es überhaupt einmal aufgegriffen wird.
    Daher mein o.g. Dank an G.S. sowie meine Bemerkung zur Rahmengröße Deines Blogs – eher als Metapher gedacht 🙂

  8. @ Herby Ich nehme mal an das der Anlass für den Beitrag das Eisstadion und das “saubere Badewasser” war. Natürlich sträuben sich einem bei dieser Problematik die Haare. Und natürlich kann man einen Berg von Hindernissen mit für einen Einzelnen nicht lösbaren Problemen aufzählen. Von daher wird man sicherlich das Thema nur anreißen können und die kleine Schritte werden in der Wichtigkeit des großen Ganzen schlichtweg übersehen.
    Bloß was bleibt dann zurück?
    Aus meiner Sicht nur Hilflosigkeit die lähmt und ein Beklagen der Zustände, welches einem auch kein besseres Gefühl gibt.
    Ich glaube man kann ganz konkret im kleinen Kreis für Verbesserungen sorgen. Wenn sich dann eventuell noch mehrere Leute zusammensetzen und anfangen etwas in die Gänge zu setzen ist auch etwas mehr möglich.

    Für das Große und Ganze und die gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge, die ich vielleicht erklären kann, fühle ich mich nicht zuständig und die sind für mich auch nicht erreichbar.

    In dem Sinne: Kleinvieh macht auch Mist

  9. wenn ich mich richtig erinnere wurde die “Kläranlage” zum großen Teil mit internationalen Geldern finanziert;
    nun ist es so wie immer, verrotten lassen und zu gegebener Zeit wieder bei den Geberländern anfragen, Umwelt kommt ja immer gut an;
    ob nach der erneuten Bewilligung von Geldern dann auch alles “in die Kläranlage fließt” steht auf einem ganz andern Blatt…………..

  10. Heute stand ich gerade da – mit zwei Batterien in der Hand …

    Habe meinen Mitarbeiter gefragt, wohin damit …

    Er hat mir erzählt, dass es vor einigen Jahren eine NGO gab die den Leuten erklärte man solle Batterien nicht in den normalen Müll werfen. Für eine kurze Zeit gab es dann eine Stelle an der man sie dann abgeben konnte. Mit Betonung auf konnte, heute landen sie wieder auf dem Müll …

    Wenn ich mir jetzt überlegen, das Schwermetall der Batterien sickert aus irgend einer Deponie -> Grundwasser -> Fluß -> Fisch -> auf den Teller 🙁

    Ich denke ich werde sie in 3 Monaten mit nach Deutschland nehmen und hoffe ich bekomme keine Probleme am Flughafen, Batterien sehen beim durchleuchten verdächtig aus.

  11. Ja, @M.Sindelar, Dein Stichwort ‘kleine Schritte’ ist der Kern der Sache, denn es geht nur über das Problembewusstsein, das erst mal geschaffen werden muss.

    Thailand hat das recht gut hinbekommen – über die Schulkinder. Dort habe ich schon vor Jahren Sketche gesehen, in denen Kinder ihren Eltern gezeigt haben, dass diese Schmutzfinken sind – lustig und spielerisch dargestellt 🙂 In Kambodscha werfen die Kinder noch heute munter ihre Abfälle in die Botanik – genau wie die Erwachsenen. Keine Spur von Aufklärung.

    Hier wäre ein Ansatz für uns, mit dem einen oder anderen Lehrer bei Gelegenheit darüber zu sprechen.

  12. @Herby, Problembewusstsein schaffen, Lehrer Schüler? Ist doch kein großes Problem.
    Setzt Euch zusammen sammelt etwas Geld um Farbkopien ( A4 ) zu laminieren. Klebeband mitnehmen ab in die Schulen und in den Klassenzimmern an die Wand geklebt.

    Angefangen damit haben wir vor 7 Jahren in Koh Kong. Heute ist die Stadt wesentlich sauberer.

    Verteilt an Nachbarn Restaurants.

    schaut Euch die beiden kleinen clips an.

    https://www.youtube.com/watch?v=OHRDqWw-kzY

    https://www.youtube.com/watch?v=gKXvg8Xtq9I

    Nicht nur reden auch etwas tun im kleinen Rahmen.

  13. @Roni, perfekt…..kann Deinem Kommentar voll zustimmen ! Toll, was Ihr dort bewegt habt ! Chapo….Hut ab ! Wenn Du wieder mal solch’ eine Aktion machst, bin ich gerne finanziell und tatkraeftig dabei, lass’ mich’s wissen Roni, Gruss Manfred

  14. An alle Kommentatoren: Roni hat recht, sein Vortrag erinnert an das alte und doch so wahre deutsche Sprichwort:

    ”Es gibt nicht Gutes, ausser man tut es ” !

  15. Bei dem Thema faellt mir automatisch die seit Jahrzehnten aehnliche Situation in Pattaya ein. Dort war ebenfalls fuer Millionen eine Abwasser Klaeranlage errichtet worden aber leider fehlte jeglicher Anschluss an ein funktionierendes Abwasser Leitungssystem.

    Ueber Sihanoukville gibt es folgende Analyse:
    http://www.wepa-db.net/policies/state/cambodia/seaarea3_10_3.htm

    http://www.czmcam.org/attachments/article/39/2003-09%20Sihanoukville%20Waste%20Case%20%28ENG%29.pdf

    Die Analyse ist z.T. schon fast ein Jahrzehnt alt und beruecksichtigt in keiner Weise die exlosionsartige Erweiterung von Holiday Resorts, Hotels und Wohngebieten. Die Situation kann also gerechtfertigt als Pattayamaessig bezeichnet werden.

  16. @Nik: Batterien nach Deutschland mitnehmen ist zwar sehr loeblich, aber praktisch funktioniert das nicht.
    Vor einem Jahr hatte ich mit Batterien im Koffer am Pochentong-Airport eingecheckt. Nach nur ca. 10 Minuten und vor der Reisepass-Kontrolle hatten mich zwei Polizeibeamte in einen Raum gebeten dort stand schon mein Koffer, ich musste oeffnen, erklaeren und meine Batterien wurden beschlagnahmt !

  17. Klasse, @Roni! Wir werden das für Sihanoukville aufgreifen. Für einen kompletten, eigenen Fernsehkanal wie Deinen in Koh Kong wird’s aber wohl kaum reichen 🙂

  18. @Nik
    Mach es wie die Khmer, wir sind ja integrationswillig.
    Ob die zwei Batterien ein weiteres Tschernobyl auslösen werden, halte ich für unwahrscheinlich – und wenn gibt es genügend westliche Deppenländer die Hilfsgüter schicken. Das ganze Land ist eine Müllkippe, also warum sollte ein einziger Ausländer was daran ändern wollen?

  19. @Ivo
    Um deine Frage zu beantworten: 1)Weil ich hier gerne lebe 2) Weil es gesundheitsschädlich ist 3) Weil es furchtbar aussieht 4) Weil nur meckern auch nicht weiter hilft.
    Deswegen versuche ich in meinem ganz persönlichen und kleinen Kreis einzuwirken. Umso schöner find ich dann das Beispiel aus Koh Kong von @Roni. Können wir ja hier in Sihanoukville auch davon lernen. Vielleicht ist ja mit Unterstützung von Don Kong für die Interessierten möglich Kontakt untereinander aufzunehmen und Manfred könnte dann seine tatkräftige und finanzielle Unterstützung hier zeigen.
    Herby hat ja schon sein Bereitschaft bekundet und ich wär auch dabei. Damit könnte man ja schon kleine Schritte machen.

  20. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass wir nicht alle Probleme dieser Welt lösen können, aber immerhin haben wir die Möglichkeit, im kleinen Kreis etwas zu verändern/verbessern. Mit etwas Geld und viel Engagement kann doch so einiges bewirkt werden!
    Und ganz wichtig ist, dass in den Schulen das Thema “Umwelt” auf den Stundenplan gehört…

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