Kambodschanische Flagge vor blauem Himmel.

Was man beim Möbelkauf in Sihanoukville erleben kann

Vieles geht ja in Kambodscha sehr schnell und einfach, aber in manchen Fällen tritt auch genau das Gegenteil ein, so wie zum Beispiel, als wir uns neulich in Sihanoukville ein neues Sofa kaufen wollten. Nur wenige Fahrminuten von unserer Wohnung entfernt befindet sich ein kleines Geschäft, in dem hauptsächlich Stühle, Tische und Regale aus geflochtenen Naturmaterialien zum Verkauf stehen.

Nur wer in den Laden reingeht und fragt, erfährt, dass man dort auch Sofas, Wohnzimmertische, ganze Sitzgruppen und Bettgestelle bestellen kann, die auf Wunsch nach Maß anfertigt werden. Die verschiedenen Modelle, die es auch in unterschiedlichen Farbtönen gibt, kann man sich in einem Katalog auf Fotos ansehen.

Wir haben uns für einen Zweisitzer mit Tisch entschieden, der für die eine Sitzhälfte noch einen Fußaufleger hat, sodass das Ganze eine L-Form ergibt. Jedoch mussten wir mit dem Verkäufer zwei Änderungen besprechen, die es überhaupt erst ermöglichen, das wir das Sofa bei uns im Wohnzimmer hinstellen können, wie wir es wollen. Der junge Mann vermittelte den Eindruck, dass er alles in englischer Sprache verstanden hat, aber trotzdem habe ich ihm zusätzlich eine einfache Zeichnung gemacht.

“Yes, no problem, Sir.”, sagte der Verkäufer. Ein Satz, der, wenn er aus dem Mund eines Kambodschaners kommt, normalerweise erwarten lässt, dass etwas nicht funktioniert. Das Sofa hat uns aber gefallen und wir hatten auch keine Lust irgendwo anders zu schauen, also haben wir eine kleine Anzahlung gemacht und das Ding einfach bestellt. Die Lieferzeit wurde mit 15 Tagen angesetzt.

Inzwischen hatten wir unser altes Sofa verkauft, sodass wir uns im Wohnzimmer beim Fernsehen mit den Terrassenstühlen beholfen haben. Pünktlich nach 15 Tagen rief der Verkäufer an, sagte, dass alles fertig ist und fragte, wann er kommen könne, um zu liefern. Kurze Zeit darauf erschienen Sie zu zweit auf einem Motorrad, auf dessen Anhänger die Möbel abenteuerlich festgebunden waren.

Von unserer Terrasse aus der ersten Etage beobachtete ich die beiden, wie sie die Teile abluden, wobei mir auffiel, das die Änderung die wir vereinbart haben offensichtlich nicht vorgenommen wurden. Als ich dem Verkäufer erklärte, dass er die Änderungen vergessen hat und wir das so nicht nehmen können, machte er große Augen, kratze sich am Kopf und meinte plötzlich, “No problem, Sir, I make new for you”. Beim Wegfahren rief er noch, das er mich in 10 Tagen anrufen würde.

In 10 Tagen rief natürlich niemand an, was vorauszusehen war, weil es beim ersten Mal ja auch 15 Tage gedauert hat. Als sich aber am 15. Tag immer noch keiner meldete, rief ich ihn an. Er fing gleich an, “Sorry Sir”, er sei in Phnom Penh und würde sich am nächsten Tag melden, wenn er zurück in Sihanoukville ist. Am nächsten Tag rief er an, wir vereinbarten eine Zeit aber er erschien nicht. Das gleiche passierte am selben Tag noch ein Mal. Erst am darauf folgenden Tag kam ein neuer Termin zustande.

Dieses Mal hatten sie alles richtig gemacht, jedoch hatten das Sofa und auch der Tisch durch den unkonventionellen Transport etliche Macken, die ausgebessert werden mussten. Außerdem wackelten der Tisch sowie der Fußaufleger und gaben deshalb ebenfalls Grund zur Beanstandung. Der Verkäufer versicherte uns, dass es alles zu unserer vollsten Zufriedenheit ausbessern würde. Als dann in einer zweiten Fuhre die Sitzauflagen und die Rücken- und Armkissen gebracht wurden, wurde die Mängelliste gleich noch länger.

Der Farbton war ein anderer, als der den wir aus ausgesucht hatten, was uns mittlerweile schon egal war, aber die Rücken- und Armkissen waren vollkommen verdreckt. Der Verkäufer mit einem “Sorry Sir”, wieder mal untröstlich über das erneute Missgeschick, versprach schnellstens Ersatz zu leisten. Bei seinem nächsten Besuch würde er auch gleich alle Transportschäden ausbessern und sich um den wackelnden Tisch und Fußaufleger kümmern, sagte er.

Als es nach 2 Tagen mit den Kissen wiederkam, war zum Glück nur meine Frau zu Hause, denn wahrscheinlich hätte ich dann endgültig die Beherrschung verloren. Die angeblich neuen Kissen sollen ausgesehen haben wie aus der Mülltonne gezogen, waren aufgeplatzt und vollkommen inakzeptabel. Meine Frau machte daraufhin das einzig Richtige, sie zog die Kissen mit einem frei gewählten Betrag vom noch offenen Restkaufpreis ab, bezahlte diesen und bat ihn uns nie wieder zu besuchen. Sorry, Sir!

Posted in Auswandern.

4 Comments

  1. Merke eins, bestelle niemals in Asien etwas als Sonderanfertigung, es sei denn das Du den Besteller persönlich kennst und vertraust…

  2. Na ja, “niemals” ist vielleicht etwas übertrieben. Ich habe hier auch schon Dinge anfertigen lassen, wobei alles gut geklappt hat.

  3. Das kann auch mal bei IKEA vorkommen 😉
    Schade, dass die ganze Angelegenheit wirklich gründlich schief gelaufen ist…

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