Kambodschanische Flagge vor blauem Himmel.

Motorrad Terror in unserer Straße beendet

Bei uns die Straße runter wohnt ein großer hagerer Franzose in den Fünfzigern, der ein schönes schweres Motorrad der Marke Harley Davidson fährt. Immer wenn er mit seiner Maschine die eher ruhige schmale Straße entlang kommt, was mehrmals am Tag der Fall sein kann, gibt er Vollgas.

Die spielenden Kinder und die umherlaufenden Hunde scheinen ihn dabei nicht zu stören, auch nicht, dass der Geräuschpegel seiner Maschine in sämtlichen Häusern die Fensterscheiben erzittern lässt. Das rücksichtslose Verhalten dieses Typen geht vielen Anwohnern, egal ob Ausländern oder Kambodschanern, gehörig auf den Zünder, aber bisher hat niemand etwas zu ihm gesagt, bis auf vorgestern!

Es war am Vormittag, ich saß am Schreibtisch und habe gearbeitet, als durch die offene Terrassentür, von der Straße wieder das ohrenbetäubende Geknatter der Harley Davidson zu mir hinaufdrang. Plötzlich hielt die Maschine genau vor unserem Haus an, worauf ein lautstarkes Wortgefecht folgte, was mich veranlasste, auf die Terrasse hinauszugehen um nachzusehen, was da los war.

Unten auf der Fahrbahn saß der Franzose auf seinem Motorrad und wurde von meinem russischen Nachbarn daran gehindert weiterzufahren. Die ebenfalls russische Frau meines Nachbarn stand etwas abseits und hielt deren Hund an der Leine. Der Franzose, der einen sehr aggressiven Eindruck machte, stieg lautstark fluchend von seiner Maschine ab und ging direkt auf meinen Nachbarn zu. Kurz vor ihm blieb er stehen, sodass ihre Gesichter nur etwa 10 cm voneinander entfernt waren.

Ich hörte, wie mein Nachbar in ruhigem Ton sagte, dass er jetzt die Polizei rufen werde, was den Franzosen noch wilder machte. Bevor die Situation nun vielleicht noch eskalierte, machte ich mich schleunigst auf den Weg nach unten. Als ich durch das Tor trat, mich mit vor der Brust verschränkten Armen einfach nur hinstellte und den Franzosen scharf ins Visier nahm, realisierte er, dass er nun zwei Personen gegen sich hatte, was ihn für kurze Zeit etwas ruhiger stimmte.

Mein Nachbar, der neben einigen anderen Sprachen auch fließend Khmer spricht, beendete das Telefonat und bestätigte, dass die Polizei gleich kommen werde. Inzwischen hatte ich von der Frau meines Nachbarn erfahren, was genau passiert war. Sie seien mit dem Hund Gassi gegangen, wobei sie von diesem rasenden Irren beinahe umgefahren wurden.

Während alle auf die Polizei warteten, versuchte mein Nachbar weiterhin auf den Franzosen einzuwirken, dass er doch hier in der Straße langsamer und vorsichtiger fahren möge, aber der Mann brüllte, drohte und pöbelte weiter. Schließlich wollte er nicht mehr warten, stieg auf sein Motorrad und fuhr in Richtung zu seinem Haus davon. Er schrie noch, dass wenn die Polizei kommt, können sie ihn bei sich zu Hause finden.

Kurz danach traf der Pritschenwagen der Polizei ein, auf dem 6 Leute in hellblauen Uniformen saßen. Sie begrüßten meinen Nachbarn und wurden von ihm gleich die Straße runter, zum Haus des Franzosen weitergeleitet – wir folgten zu Fuß. Auf dem kurzen Weg gesellten sich einige kambodschanische Anwohner zu uns, die den Vorfall mitbekommen haben. Sie sagten, dass ihnen die rücksichtslose Fahrweise des Franzosen und den Lärm den sein Motorrad produziert schon lange ein Dorn im Auge sei.

Als wir am Haus eintrafen, war der Franzose gerade dabei die Polizisten anzubrüllen. Während einer der Polizisten aus sicherer Entfernung versuchte auf den Franzosen einzureden, stand ein anderer Polizist etwas abseits mit runtergelassenen Hosen da und pinkelte gegen eine Grundstücksmauer (eben Leben in Kambodscha 😉 ). Die Polizisten wurden nun ziemlich sauer auf den Franzosen und die Situation drohte erneut zu eskalieren.

Um das zu verhindern, rief mein Nachbar sofort einen ranghöheren Polizisten an, welcher auch schon nach wenigen Minuten eintraf. Dieser Mann erschien in Zivil, war gut gekleidet und machte einen kultivierten Eindruck. Sein Eintreffen beruhigte die Situation merklich. Der Franzose wurde aufgefordert seinen Führerschein zu zeigen, den er auch tatsächlich hatte. Als es darum ging, dass man sein Motorrad beschlagnahmen würde, verstand er plötzlich kein Englisch mehr.

Wieder griff mein Nachbar zum Telefon und rief eine seiner Mitarbeiterinnen an, die sowohl Russisch wie auch Französisch spricht und ließe das Ganze einfach über den Telefonlautsprecher übersetzten. Nun erkannte der Franzose, dass es keinen Ausweg mehr gab. Er zog den Schwanz ein und versicherte wieder in englischer Sprache, dass er von nun an immer langsam und vorsichtig durch die Straße fahren werde, nur bitte man solle nicht sein Motorrad beschlagnahmen.

Der ranghohe Polizist und mein Nachbar nickten beide ab und der Fall war erledigt. Die hellblauen Polizisten stiegen wieder auf die Pritsche, dabei lachten sie uns freundlich zu und bedankten sich, bevor sie losfuhren. Einige Zeit später, ich saß schon wieder an meinem Schreibtisch, hörte ich, wie die Harley näher kam, aber in einem angemessenen Tempo. Ich konnte es mir natürlich nicht nehmen lassen raus auf die Terrasse zu gehen und was ich dort sah, erschien wie ein Wunder, denn der Franzose fuhr nicht nur langsam, sondern er hatte auch zum ersten Mal einen Helm auf.

In Kambodscha kann man normalerweise aus Ausländer sein Leben relativ frei und individuell gestalten. Einer der Gründe, weshalb es in den letzten Jahren immer mehr Ausländer in das Land gezogen hat. Besonders Sihanoukville an der Küste hat einen erheblichen Zuwachs an Ausländern bekommen, worunter sich nicht wenige befinden, deren allzu individuelle Lebensweise leider immer wieder zu Problemen führt.

Posted in Auswandern.

10 Comments

  1. Ja ,Ja die Franzosen und die und die immer noch(wieder)keimende Indo-china-mentalität,

  2. Ich glaube zwar das hat mehr mit der “Kinderstube” zu tun -als mit der Indochina-Mentalität.
    Was mich interessieren würde: Wieviel musste der russische Nachbar für den Polizei-Einsatz hinblättern…? -Oder ging das gratis in “Little Russia” weil man den Oligarchen-Sohn Ostap kennt, der inzwischen ein ranghoher Polizei-Offizier ist…

  3. Tja G.S., über so etwas redet man nicht. Mein Nachbar sagt immer, es ist keine Frage des Geldes, denn wir sind doch alle Freunde. 😉

  4. Diese Eisenhaufen (Harley)-Knallköpfe meinen, Freiheit bestünde darin, daß sie ein Recht darauf hätten, Lärm und Gestank zu verbreiten. Ich konnte diese Affen noch nie…

  5. Es gibt ein altes und doch so wahres russisches Sprichwort das da lautet:

    “Wenn Du ein neues Haus baust, dann suche Dir erst deine Nachbarn raus “!

    Du hast Glück, Don Kong, mit diesem Nachbarn !

  6. Du hast Glück, Don Kong, mit diesem Nachbarn !

    Nicht nur mit den Nachbarn, auch mit den Vermietern. Wir alle hier im Haus pflegen ein sehr gutes nachbarschaftliches, fast familiäres Verhältnis und das schon seit vielen Jahren.

  7. ich hatte mit diesen menschen auch schon mal kontakt da ich in der strasse einen freund besuchen wollte , ich habe ihm hinterher gerufen das sein fahrstil noch viel schlechter sei wie der von vielen einheimischen und er sollte doch rücksicht auf die kinder nehmen und die lautstärke seiner maschine jenseits von gut und böse sei,
    daruf hin kam er zuurück gefahren und schnauzte mich sehr erregt an( ich war auf alles gefasst den sein gesichtsausdruck zeigte mir seine wut an )was mich das ganze angehen würde usw. worauf ich ihm entgegnete im sehr höflichen ton das er eine gefahr für alle leute hier sei,vor allen die kinder, er wurde nun etwas ruhiger und brabbelte das er nun etwas langsamer fahren würde und er immer bremsbereit wäre, ich habe abgewunken um zum schluss ihn noch mals auf die viel zu hohe geschwindigkeit hinzuweisen und das bei diesem tempo seine bremsbereitschaftkacke ist und er erst nach einem unfall zum stehen kommt, er ist dann weggefahren –etwas langsamer aber dieser erneute vorfall zeigt das er unbelehrbar ist und die polizei sehr blauäugig wieder mal war, da hilft nur eine saftige geldstrafe und die beschlagnahmung seiner maschine sonst lernt dieser niemals etwas daraus,
    durch solche vollidioten werden alle barrangs in sippenhaft genommen von den einheimischen

  8. Wird einem kein Respekt entgegengebracht, muss man sich diesen eben verschaffen… Ihr habt dies getan – grosses Kompliment!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.