Die Stadt Sihanoukville in 2018.

Die aktuelle Lage in Sihanoukville

Wenn heutzutage im Internet etwas über Sihanoukville berichtet wird, ist das ja meist nichts Gutes. Da heißt es, die Stadt sei ein Drecksloch. Die Straßen sind schlecht, die Mieten zu teuer, die Müllabfuhr funktioniert nicht richtig, Strom- und Wasserversorgung lassen zu wünschen übrig und obendrauf die ganzen Chinesen.

Recht haben die Leute, genau so ist das jetzt hier in Sihanoukville. Einen attraktiven Urlaubsort in Kambodscha stellt man sich anders vor. Jedenfalls sehen das westliche Touristen so und offensichtlich auch die meisten Kambodschaner. Urlauber aus westlichen Ländern trifft man nur noch auf den vorgelagerten Inseln und am Otres Beach an, wogegen kambodschanische Inlandstouristen in diesem Jahr nahezu ganz ausgeblieben sind.

All das lässt sich im Internet nachlesen. Was dort aber nicht geschrieben steht, ist, wie man die Stadt erlebt, wenn man hier täglich unterwegs ist. Es ist deutlich ruhiger geworden im neuen Spielerparadies. Man sieht weniger Chinesen und auch weniger Fahrzeuge, als wie noch vor ein paar Wochen. Die Euphorie, die hier zum Beginn der Invasion geherrscht hat, scheint irgendwie an Schwung verloren zu haben.

Mein Gefühl sagt mir, dass der große Boom erst ein Mal vorüber ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Mieten und Grundstückspreise weiterhin steigen werden. Ob in Kambodscha oder in irgendeinem anderen Land, der Preis wird immer durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Jetzt sieht es ganz so aus, als ob das Angebot steigt und die Nachfrage sinkt.

Als die Chinesen hier in großer Anzahl ankamen, stand in Sihanoukville zu wenig Wohnraum zur Verfügung. Die Nachfrage stieg rasant an und die neuen Mieter hatten viel Geld in den Taschen. Es war logisch, dass die Quadratmeterpreise in die Höhe schießen mussten. Die Situation scheint sich aber nun zu ändern.

Nach und nach werden immer mehr chinesische Bauprojekte fertiggestellt. Nicht nur Kasinos und Hotels, sondern auch ganze Wohnblocks, mit kleinen Apartments. Da ziehen jetzt all die Leute ein, die vorher für viel Geld von den Kambodschanern gemietet haben. Zurück bleiben leer stehende Häuser, unbezahlte Strom- und Wasserrechnungen und immer mehr kambodschanische Hausbesitzer für die die Rechnung nicht aufgegangen ist.

Aber auch für immer mehr Chinesen scheint der Traum von einer neuen Zukunft in Sihanoukville ein Ende gefunden zu haben. Etliche chinesische Restaurants und Geschäfte sind bereits pleite, die Objekte stehen nun erneut zur Vermietung. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die lokalen Vermieter realisieren, dass ihre Häuser bei den Chinesen nicht mehr so gefragt sind und wer weiß, vielleicht werden die Mieten dann ja wieder etwas günstiger.

Bildquelle: South China Morning Post

Posted in Sihanoukville.

5 Comments

  1. Vielen Dank für Deine Mühe und Einschätzung der Situation in Sihanouk Ville (benütze keine Drecks Abkürzungen).
    Anfang des Jahres werde ich mir auch einen Eindruck verschaffen.
    Vielen Dank nochmals
    Siegfried

  2. Der Don Kong hat mit seiner Einschätzung und mit seinem Bericht “den Nagel wieder voll auf den Kopf getroffen”!
    D.h. es wird in naher Zukunft eine gewaltige Immobilienkrise geben; -verursacht aber hauptsächlich durch die “kohlegeilen” Khmers! (…und sorry: durch -und inkl. deren “Ueberväter” in der Regierung!)
    Und die kreditgebenden Banken? -Prosit Neujahr!
    Es kommt wie es kommen musste; -und wir “Westler” hatten es ja kommen sehen…!
    Bloomberg hatte im November 2018 davon berichtet, wieviele Wohnungen in China leer stehen:
    https://www.bloomberg.com/news/articles/2018-11-08/a-fifth-of-china-s-homes-are-empty-that-s-50-million-apartments?fbclid=IwAR38lmwfb2bx2SN5GUn7FWQo3Gc_Z6amsxcl2ouL_kvDA9ZOsl9LhLg0X-Y

    Ich war ein begeisterter Sihanoukville-Fan! Meine Begeisterung ist nun verflossen…seit ich mit meiner kleinen Family auch in Kampot wohne, -wie viele andere “Sihanoukville-Flüchtlinge” auch!
    Man redet in Sihanoukville “grosskotzig” über ein “Wisney-World”-Vergnügungszentrum; aber man redet nicht über eine dringend notwendige Abwasser-Kläranlage! Man redet über Hotel -und Casino Projekte; aber keiner der Regierung redet über Kinderspielplätze…! Man redet nur über “Kohle, Kohle -und nochmals Kohle…! That’s Sihanoukville!

  3. Lieber Guido, man redet nicht nur in Sihanoukville über Kohle, das ist auf der ganzen Welt so. In anderen Ländern macht man das vielleicht etwas eleganter, aber im Grunde geht es überall nur um dasselbe.

  4. Vielen Dank für deinen super Bericht. Ich freue mich immer deine Berichte Erstattung zu lesen und deine Einschätzungen über Sihanoukville und ich stimme dir voll und ganz zu ausser in einen Punkt nicht. Ich finde die Strassen sind total voll mit Fahrzeugen. Ich bin zurzeit in Sihanoukville und finde es sehr voll die Strassen. Vielleicht sehe ich es jetzt so und kann nicht beurteilen wie es vor einigen Wochen war , aber da ich jetzt schon eine Woche da bin finde ich den Verkehr schrecklich. Aber sonst sehe ich es genauso wie du.

  5. Zur aktuellen Lage in Sihanoukville ist auch zu bemerken, dass die einst quicklebendige deutschsprachige Community so gut wie tot ist. Die Betreiber der einstigen Treffpunkte sind entweder weggestorben oder weggewandert. Wir, die letzten Verbliebenen, zu denen auch Don Kong gehört, könnten uns ja mal auf einer Parkbank treffen :-). Angesichts der Lage am (von Chinesen beherrschten) Wohnungsmarkt ist das kein völlig utopisches Szenario mehr.

    P.S. Sihanoukville heisst ja auf Khmer ursprünglich ‘Kampong Som’. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht hat dieser Tage einer meiner Khmer-Nachbarn gesagt, die Stadt hiesse jetzt ‘Kampong Chin’. 🙂

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