Deutscher Reisepass auf einem Holzlattenrost.

Zwei Monate illegal in Kambodscha

Nachdem wir nun seit etwa 1 1/2 Monate in Kep wohnen, besuchte uns vor ein paar Tagen ein Beamter von der Einwanderungsbehörde, in Begleitung eines Polizisten. Es ging darum, von uns Ausländern die Pässe und Visa zu kontrollieren. Ein durchaus üblicher Vorgang in Kambodscha. Damals in Sihanoukville kamen sie ja auch zu uns, aber erst nachdem wir dort schon etwa 7 oder 8 Jahren gewohnt haben.

Der freundliche junge Mann erklärte mir den Zweck seines Besuches und bat mich unsere Reisepässe sowie den Mietvertrag vorzulegen. Ich gab ihm die Dokumente, worauf er begann unsere Daten in einer Tabelle einzutragen. Alles war in Ordnung, bis er den Pass meines Sohnes durchblätterte. Erst ein Mal, dann noch ein Mal, dann guckte er mich mit fragendem Blick an.

Was er im Reisepass des Juniors suchte, aber nicht fand, war ein aktuelles Visum, denn das Alte war bereits seit 2 Monaten abgelaufen. Tja, da hatte ich wohl die Visumsverlängerung versäumt, das erste Mal nach 20 Jahren, die ich mich nun in Südostasien aufhalte. Zu der Zeit, als das Visum hätte verlängert werden müssen, waren wir noch in Sihanoukville. Dort hat mich die ganze Situation offenbar so abgelenkt, dass ich das Visum für den Junior vollkommen vergessen habe.

Ich erklärte ihm diesen Umstand und entschuldigte mich für mein Versäumnis. Der Beamte zeigte sich sehr verständnisvoll. Letztendlich kam er zu dem Entschluss, dass das ja Mal passieren kann. Er empfahl mir, unverzüglich das Hauptbüro der Einwanderungsbehörde in Phnom Penh aufzusuchen, dort die Strafgebühren zu bezahlen, den Fall zu erklären und um eine Visumsverlängerung zu bitten. Nachdem ich es ihm versprochen hatte, zogen die beiden wieder ab.

Darauf, sich mit den Beamten in Phnom Penh auseinandersetzen hatte ich überhaupt keine Lust, denn die gelten nicht als besonders umgänglich. Aber nach einem Telefonat stellte sich heraus, dass ich das auch gar nicht musste. Ein Freund meinte, ich solle es einfach Mal bei der Visa-Agentur meines Vertrauens versuchen. Also rief ich bei ANA Travel in Sihanoukville an, wo mir prompt Hilfe zugesagt wurde.

Kurze Zeit später erfuhr ich von dort telefonisch, dass ich zu ihnen kommen müsse um die bisher aufgelaufenen 620 $ zu bezahlen und ein Ausreisevisum für meinen Sohn zu beantragen. Man sagte mir, das der Junior nach der Erteilung des Visums innerhalb einer Woche das Land verlassen müsse, um gleich danach mit einem regulärem Ordinary-Visum wieder nach Kambodscha einzureisen.

Am nächsten Tag machte ich mich mit dem Motorrad auf den Weg. Nach dem ruhigen kambodschanischen Städtchen Kep, war das chinesische Sihanoukville wie ein Schlag mit der Keule. Seit unserem Wegzug, scheint alles noch viel Chaotischer geworden zu sein. Die Straßen noch kaputter, noch mehr Müllberge, noch mehr Verkehr und noch mehr gelbe Fratzen.

Trotz teilweise mit Regenwasser gefluteter Straßen erreichte ich meinen Zielort, ANA Travel. Nachdem ich bezahlt und Juniors Pass abgegeben hatte, setzten wir noch zwei Schreiben für die Einwanderungsbehörde auf. Wenn der Pass zurück sei, würden sie mich benachrichtigen, also alles wie gehabt. Als ich zurück in Kep war, bekam ich wieder einen Anruf von ANA Travel. In Phnom Penh wurde inzwischen entschieden, dass mein Sohn doch nicht ausreisen müsse, sondern sein abgelaufenes Visum nachträglich verlängern lassen kann.

Dies war grundsätzlich eine gute Nachricht, nur das wir für die reguläre Visumsverlängerung, ein anderes Begleitschreiben brauchten, welches wieder mit meiner Unterschrift und meinem Firmenstempel versehen sein musste. Das bedeutete, ich durfte mich am nächsten Tag wieder auf das Motorrad schwingen, um erneut nach Sihanoukville zu fahren.

Wie schon am Tag zuvor, fuhr ich morgens in Kep bei strahlendem Sonnenschein los, auch in Kampot war das Wetter gut, doch je näher Sihanoukville rückte, desto stärker regnete es. Wieder sass ich bei ANA Travel, zahle erneut einen Tag Overstay sowie die Differenz vom Ausreisevisum zur regulären Visumsverlängerung. Nachdem alles erledigt war, ging es direkt zurück in die Provinz, nach Kep, wo mich neulich ein Huhn in der Küche besuchte und ab und zu nachbars Kuh durch das Wohnzimmerfenster hereinschaut.

Wenn nun alles glatt geht, sollte ich erst wieder in etwa 3 Wochen von ANA Travel hören. Dann sollte der Reisepass mit einem neuen Visum versehen, aus Phnom Penh wieder zurück sein. Für mich steht dann die 3. Fahrt nach Sihanoukville an und hoffentlich in diesem Fall auch erst ein Mal die Letzte. Es bleibt dann nur noch das frische Visum bei der Einwanderungsbehörde in Kep vorzuzeigen, wie wir es besprochen hatten.

So wurde der vergessene Termin für die Visumsverlängerung meines Sohnes zu einer recht kostspieligen und zeitaufwendigen Angelegenheit. Das wird mir garantiert kein zweites Mal passieren.

Posted in Kambodscha Visum.

4 Comments

  1. Ouh, -das ist ja wieder eine recht spannende Kambodscha-Geschichte…!
    Da bin ich aber mit 8 Tagen Overstay zu 10 US$/Tag im letzten Jahr noch harmlos davongekommen! Da war ich übrigens gedanklich ebenfalls nur mit Umzug/Wegzug beschäftigt, aber MOTTAH hat das mit “no Problem” abgetan…
    Meine Frage dazu: Warum hätte Dein Sohn vorerst überhaupt ausreisen müssen? Aufgrund welcher Regelung kam die ANA-Angestellte darauf…? Wäre “nice to know” -Danke für die Antwort! (Man lernt ja immer wieder dazu…)

  2. Hallo Guido, die ANA-Angestellte bekam alle Anweisungen von der Einwanderungsbehörde in Phnom Penh. Eine Ausreise mit Ausreisevisum scheint in solchen Fällen der gesetzliche Weg zu sein, wobei es offensichtlich einen Ermessensspielraum gibt. Ich nehme an, dass den Beamten erst beim zweiten Hinsehen aufgefallen ist, dass es hier um einen 16-jährigen geht, dem man dann die Umstände einer Ein- und Ausreise doch nicht zumuten wollte.

    Dem Junior war das gar nicht recht, denn der hat sich schon auf den Tagestrip ins nahegelegen Vietnam gefreut. 😀

  3. Ganz schön teuer (geworden), der Amtsschimmel in Cambodia.. Die Freude, jetzt wohl den passenden Wohnort gefunden zu haben, überwiegt aber deutlich 🙂 Weiterhin alles Gute!

  4. Sowohl Mottah als auch Ana haben uns Barangs in Sihanoukville viele Jahre lang sehr geholfen, wofür wir dankbar sein können. Beiden ist nun das Geschäft mit uns Langnasen weggebrochen und sie mussten sich auf die Chinesen einstellen. Zuletzt im März konnte ich Mottah beim Bedienen dreier Chinesen (Verkauf von Flugtickets) beobachten. Ihr resignierendes Gesicht sprach Bände…

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