Leben in Kambodscha

Sonnenuntergang über dem Meer in Kep

Leben ohne Steuern

Viele werden es sich kaum vorstellen können, aber es ist wahr, ich lebe nun seit knapp 24 Jahren in Südostasien und habe in dieser Zeit noch nie Steuern zahlen müssen. Nicht etwa, weil ich lokale Steuergesetze missachten würde, sondern viel mehr, weil man von mir offenbar keine Steuern haben will.

Als ich damals nach Thailand auf die wunderschöne Insel Koh Chang gezogen bin und mit meiner damaligen Lebenspartnerin ein Restaurant eröffnet habe, war ich natürlich noch nach deutscher Norm konditioniert und wollte vor der Eröffnung alles bei den Behörden anmelden. Meine thailändische Partnerin meinte jedoch, das wir das nicht brauchen. Sie sagte, wenn die was von uns wollen werden sie schon kommen.

So war es dann auch. Nach etwa einem halben Jahr kam ein Beamter in Badelatschen auf einem Moped angefahren und fragte, ob wir eine Genehmigung für das Restaurant haben. Als wir verneinten, setzte er sich hin, füllte eine Genehmigung aus und kassierte um die 800 Baht (damals vielleicht 25 $). Von Steuern war keine Rede.

Das gleiche steuerlose Spiel setzte sich dann fort, als wir eine Insektenfarm betrieben und danach eine kleine Bungalowanlage. Für diese beiden Geschäftsbetriebe kam dann nicht mal mehr jemand vorbei, der uns eine Geschäftslizenz verkaufen wollte und dementsprechend war auch von Steuern wieder keine Rede gewesen. Aber das alles ist lange her und heute soll es in Thailand ja wesentlich strenger zugehen.

Wir sind dann nach Kambodscha in die Stadt Sihanoukville umgezogen, wo ich mich bereits voll und ganz meiner Tätigkeit im Bereich Webdesign widmete. Die Einnahmen waren nicht weltbewegend, aber wir konnten davon leben. Irgendwann innerhalb der ersten paar Jahre dachte ich mir, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, wenn ich mir für meine Tätigkeit eine Geschäftslizenz besorge.

Man schickte mich von einer Behörde in die andere und schließlich zum Postamt, in dem sich das Ministerium für Telekommunikation befand. Dort erklärte mir der freundliche Herr, dass es für Webdesigner in Kambodscha keine Lizenzen gibt, sodass ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause ging. Logischerweise kann man von einem nicht lizenzierten Geschäft auch keine Steuern verlangen.

Eines Tages bekam ich dann aber doch Kontakt mit dem Finanzamt, und zwar als ich überraschend zum Geschäftsführer einer Modeschmuckverarbeitung wurde. In diesen Jahren mussten wir als Firma jeden Monat einen vorher abgesprochenen geringen Betrag an das Finanzamt zahlen. Von mir persönlich wollte wieder niemand Steuern haben, obwohl ich in meiner Position ein für lokale Verhältnisse beachtliches Einkommen hatte.

Nachdem die Firma dann ihre Geschäftstätigkeit in Kambodscha eingestellt hatte, konnte ich mich wieder voll und ganz dem Webdesign widmen, was ich bis heute mache. Inzwischen sind wir dann von Sihanoukville in den kleinen Küstenort Kep umgezogen, aber auch hier interessierte sich niemand dafür, womit und wie viel Geld ich verdiene.

Erst seit Kurzem konnte man in der lokalen englischsprachigen Presse davon lesen, dass man sich nun für Geschäftstätigkeiten im Internet beim Ministerium für Finanzen registrieren muss und die Einnahmen versteuert werden sollen. Um dieser Aufforderung nachzukommen, machte ich mich heute auf den Weg zu der betreffenden Behörde, um weitere Informationen zu bekommen.

Ich hatte mich schon darauf eingestellt, Unterlagen zusammenzutragen und zukünftig auch Steuern zu zahlen, aber daraus wurde wieder nichts. Nachdem ich erklärt hatte, was ich arbeite, dass ich keine Firma habe und auch keine Angestellten, sagte man mir, dass diese neue Regelung auf mich nicht zutreffen würde und ich mir auch keine Sorgen machen brauche.

So werde ich wohl auch zukünftig das, was ich verdiene, komplett in meine Tasche stecken können. Allerdings heißt das nicht, dass ich mit dem Geld nichts zum Allgemeinwohl beitrage. Egal, ob es Medikamente für eine arme Familie aus der Gegend sind, gelegentliche finanzielle Unterstützung der bettelarmen Familie meiner jetzigen Lebenspartnerin oder sogar meiner wieder in Thailand lebenden Frau. Gelegenheiten gibt es genug, um mit seinem Geld Gutes zu tun.

8 Antworten

  1. Hallo Don Kong
    Besten Dank fuer deinen Bericht in Sachen Steuern zahlen, den ich mit Interesse gelesen habe. weiter so Ich war Ende Maerz Anfang in Cambodia zu Besuch, Siem Reap, bei Dominique, in Kampot, habe auch viele alte Freunde getroffen
    Herzlich Walther NONGBUALAMPHU

  2. Hi Don Kong!
    Sehr interessant!
    Hast du denn ein Work permit? Und auf was für einem Visum bist du im Land?
    Ich frage, da ich demnächst aufgrund meines deutschen Business auch drüben Dienstleistungen anbieten möchte, und nicht in Konflikte geraten möchte.
    Gerne per Email

  3. Hallo Don,
    Danke für deine Bericht, sehr informative.Aus eigene erfahrung kann ich die informationen voll bestätigen,allerding in Thailand haben ein paar freunde erzählt,dass sie jetzt für einige online tätigkeiten zur Kasse gebeten worden sind, wie hoch die auforderungen sind, ist allerdings mir nicht bekannt,das bedeutet Cambodia ist demnach,wahre Steueroasen der Südostasien;-))

    1. Hallo John, na ja, also als Steueroase würde ich Kambodscha nicht unbedingt bezeichnen. Die von mir beschriebene Situation bezieht sich nur auf meine persönlichen Umstände. Das heißt, ich arbeite allein, ohne Angestellte und von zu Hause aus. Aufgrund dieser Umstände bin ich nicht verpflichtet, eine Firma zu gründen. Somit falle ich hier in die Kategorie Geringverdiener und werde mit all den kleinen Straßenhändlern die Nudelsuppe oder sonst was verkaufen, gleichgesetzt. Diesen Leuten nimmt man im Normalfall auch keine Steuern ab.

      Sollte ich meine Geschäftstätigkeit jedoch erweitern, indem ich zum Beispiel offiziell kambodschanische Programmierer oder Grafikdesigner beschäftige, vielleicht sogar Geschäftsräume anmiete, bin ich verpflichtet, ein Unternehmen zu gründen, welches dann auch ganz normal Steuern zahlen muss.

      Als Ausländer muss man auch noch beachten, dass die ausgeübte Tätigkeit in engem Zusammenhang mit der Vergabe des Visums und der Arbeitsgenehmigung steht. Ich habe bis jetzt zwar immer wieder mein Geschäftsvisum und meine Arbeitsgenehmigung verlängert bekommen, habe aber praktisch nichts in den Händen, mit dem ich meine Tätigkeit als Webdesigner nachweisen kann. Das kann sich natürlich jederzeit ändern, indem man zukünftig nur noch eine Verlängerung bekommt, wenn man auch nachweisen kann, dass man sein Geschäft beim Ministry of Commerce registriert hat und somit auch Steuern zahlt.

      Es gibt die Möglichkeit, sich eine Lizenz für Onlinetätigkeiten beim Ministry of Telecommunications zu besorgen, aber diese verpflichtet nicht, Steuern zu zahlen. Insofern ist es fraglich, was diese Lizenz im Ernstfall wert sein wird. Für den Fall, dass man irgendwann sein Geschäftsvisum nur noch verlängert bekommt, wenn man auch Steuern zahlt, tritt bei mir Plan B in Kraft. Das bedeutet, ich lasse mir ein Retirement-Visum geben, welches jeder Ausländer ab einem Lebensalter von 55 Jahren bekommt.

  4. Hallo Don, danke für den Bericht, es traff sich gut zu unserem Thema: ein kleines Hotel Vihara Angkor in Siem Reap von europäischen Leuten aus Polen zu betreiben .
    Gerne noch einmal werde ich lesen. Machst Du noch web design? Wir wollen ein Geschäft Modell der die Gemeinde Unterstützung bietet herausentwickeln. Liebe Grüße

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Der Autor

Aufnahme von Don Kong in Kep, Kambodscha.

Hallo, ich bin Andreas Stöcker unter Kambodscha Fans als Don Kong bekannt. Ich lebe seit 1999 in Südostasien, von wo ich über Land, Leute und mein Leben berichte. Viel Spaß beim Lesen der Beiträge.

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