Leben in Kambodscha

Traditionelle Khmer-Medizin

Traditionelle Khmer-Medizin

Die traditionelle Khmer-Medizin (TKM) hat genauso wie die traditionelle chinesischen Medizin drei Erklärungsmodelle für die Entstehung von Krankheiten: die übernatürliche Theorie (Geisterwelt), die naturalistische Theorie (Luft, Wasser) und ein Ungleichgewicht von Heiß-Kalt (Yin-Yang). Zur Heilung werden vier Therapieformen angewendet: Geisteropfer, Hautabschleifung (Dermabrasion), Aufrechterhaltung des Heiß-Kalt-Gleichgewichts und pflanzliche Heilmittel.

Besonders pflanzliche Heilmittel sind eine sehr gute und wirksame Alternative zu pharmazeutischen Mitteln. Man sagt nicht umsonst, gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen. Die Welt der Pflanzen ist nämlich nicht nur schön grün, sondern auch eine natürlich Apotheke, deren voller Umfang der Menschheit bis heute noch gar nicht bekannt ist.

Getrocknetes Kurkuma für die Zubereitung von Tee.
Getrocknetes Kurkuma (Khmer: រមៀត – rmiet) aus biologischem Anbau, für die Zubereitung von Tee.

Die Anwendung von Pflanzen zur Vorbeugung und Heilung von Krankheiten hat hier in Kambodscha eine lange Tradition. Pflanzliche Heilmittel sind im ganzen Land leicht zugänglich. Sie werden in traditionellen Apotheken, auf Märkten und von Kräuterexperten angeboten oder ganz einfach im eigenen Garten angebaut. Das Wissen um ihre Anwendung kommt von Heilern und Kräuterkundigen, den sogenannten Kru Khmer sowie von buddhistischen Mönchen.

Innerhalb Kambodschas gibt es viele regionale Variationen in der Praxis und im Kräuterwissen der traditionellen Medizin.

Historie der traditionellen Khmer-Medizin

Die genauen Ursprünge der traditionellen Khmer-Medizin sind nach wie vor unklar. Man geht aber davon aus, dass sie in der Nokor-Phnom-Periode (Funan-Ära) bis zum 9. Jahrhundert während der Angkor-Periode begründet und geprägt wurde und von Ayurveda (traditionelle indische Medizin) und traditioneller chinesischer Medizin beeinflusst ist.

Diese ausländischen Einflüsse und Praktiken wurden mit lokalen Glaubensvorstellungen und Aberglauben vermischt und bildeten die Grundlage der traditionellen Khmer-Medizin. Es wird angenommen, dass der Tempel von Neak Poan der zentrale Tempel für die Khmer-Medizin während der Angkor-Ära war. Jayavarman VII., der von ca. 1181 bis 1218 regierte, ordnete den Bau von 102 Krankenhäusern, die als Arogyasala (Hallen ohne Krankheit) bezeichnet wurden, in seinem gesamten Reich an.

Mit der Eingliederung Kambodschas in die französische Indochina-Union 1887 hielt auch die damalige westliche Schulmedizin langsam Einzug in das südostasiatische Königreich. Nachdem dann die Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 auch Ärzte inhaftierten und ermordeten und die einzige medizinische Fakultät geschlossen haben, gab es im gesamten Land nur noch 45 in westlicher Medizin ausgebildete Ärzte.

Dies hatte zur Folge, dass Kambodscha eine der niedrigsten Arzt-Patient-Raten der Welt hatte, sodass die traditionelle Khmer-Medizin stark in den Vordergrund rückte.

Traditionelle Medizin der Khmer heute

In der heutigen Zeit hat traditionelle Khmer-Medizin wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen. Im Jahr 2009 wurde in Phnom Penh in Kooperation mit der japanischen Nippon Foundation das „Nationale Zentrum für traditionelle Medizin“ eingeweiht. In dieser Einrichtung wird nun Jahrhunderte altes Wissen gelehrt, um die Erhaltung und Verbreitung genauer Informationen über die traditionelle Medizin in Kambodscha zu gewährleisten.

In Kambodscha werden heutzutage pflanzliche Arzneimittel nicht nur von Patienten mit chronischen Krankheiten in großem Umfang verwendet. Traditionelle Heilmittel sind bei Weitem billiger als pharmazeutische Medikamente. Sie kosten nur ein Zehntel bis ein Zwanzigstel der westlichen Medizin. Außerdem ist bekannt, dass traditionelle Heilmittel nur sehr wenige Nebenwirkungen haben. Die traditionelle Medizin verwendet lokal angebaute Heilpflanzen und ist auch ideal für die Behandlung kleinerer Krankheiten wie Erkältungen, Durchfall und Fieber.

Diverse kambodschanische Heilpflanzen
Unser Vorrat an Heilpflanzen aus der Umgebung in Kep, ebenfalls für die Zubereitung von Tees.

Auch in unserem Haushalt sind traditionelle pflanzliche Heilmittel nicht nicht mehr wegzudenken. Da wäre zum Beispiel meine tägliche Ration Moringa-Pulver und Kurkuma-Tee zur Stärkung des Immunsystems und zur gesundheitlichen Vorbeugung. Wir haben auch getrocknetes Seegrass und eine Vielzahl von lokalen Heilpflanzen, die in der näheren Umgebung gepflückt wurden und die gegen alles Mögliche wirksam sind.

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2 Antworten

  1. über den Sinn der Hautabschleifung hätte ich gerne mehr erfahren.denn täglich .selbst auf Märkten .begegnet man vornehmlich Frauen.welche die
    ihrer Klienten. abrubbeln bis zu starken Rötungen und gar Blutbildung. Einen allgemeinen Heilprozess kann ich dabei nicht erkennen.

  2. Was du meinst ist eine Technik, die in etwa dem Schröpfen gleich kommt. Durch die Behandlung werden Wind, Kälte und Feuchtigkeit, die in den Körper eingedrungen sind, wieder aus dem Körper abgeleitet. Die Zirkulation von Blut und Qi (Lebensenergie) wird verbessert, Schmerzen und Schwellungen gelindert und die Genesung verschiedenster Krankheiten gefördert.

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Der Autor

Aufnahme von Don Kong in Kep, Kambodscha.

Hallo, ich bin Andreas Stöcker unter Kambodscha Fans als Don Kong bekannt. Ich lebe seit 1999 in Südostasien, von wo ich über Land, Leute und mein Leben berichte. Viel Spaß beim Lesen der Beiträge.

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